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Rede vor den "einst Vertriebenen"


Das gar nicht zu bestreitende Ereignis, dass der Bundeskanzler Gerhard Schröder zum Tag der Heimat in Berlin ge­sprochen hat, darf nicht nur unter dem ak­tuellen Bezug eines Tages oder einer Wo­che gesehen und beurteilt werden. Jegliche Aktualität verdrängt dank immer neuer Ak­tualitäten eine aufmerksame Beschäfti­gung mit dem einzelnen Ereignis. Mit dem tagesbezogenen Kommentar wird schnell der Schlusspunkt gesetzt. Das ist nicht gut so, gerade auch im besonderen Fall der Rede Nun Bundeskanzler Gerhard Schröder.

Die deutschen Heimatvertriebenen, wie es in der jetzt viel gefeierten Charta vom 5. August 7950 heißt, waren in der Rede des gegenwärtigen Bundeskanzlers die „einst Vertriebenen", obwohl sie sich selbst und dies zu Recht als Vertriebene verstehen, solange ihnen das Recht auf die Heimat verwehrt wird. Ohnehin hat sich für Gerhard Schröder der Begriff Heimat heutzutage in­ folge von Mobilität, Flexibilität und Glo­balisierung, um seine Ausdrücke zu gebrauchen, aufgelöst. Voreiner„Verklärung eines deutschen Ostens"' wurde aus­drücklich gewarnt. Die Zukunft sieht der Bundeskanzler so: .,Fortan können die Kinder und Enkel deutscher Vertriebener ihr Le­ben dort gestalten, wo sich ihr Lebensmittelpunkt befindet, ohne dabei das Land ihrer Ah­nen als unerreichbare Sehn­sucht verklären zu müssen".
    Warum dieser wiederhol­te Vorwurf einer „Ver­klärung", sobald es um die Heimat geht, aus der man ver­trieben worden ist? „Wenn man so will", meinte der Bundeskanzler, „verlieren wir alle durch die Flexibilisierung unsere Arbeitsplätze jeden Tag ein wenig von unserer an­gestammten Heimat im tradi­tionellen Sinn"..
    Darum hat der Bundes­kanzler auch kein Verständnis für diejenigen, die für die Hei­mat eintreten und sogar strei­ten. Das setzt kritisch bereits mit der vom Redner zurück­gewiesenen Behauptung ein, dass sich die Vertriebenen „subjektiv als die ,vom Leid dieser Zeit am schwersten Betroffenen"' bezeichnet hätten. Dies wurde als eine „Hierarchisierung" angesichts der millionenfachen Opfer der Nazi-Barbarei" zurückgewiesen, weshalb aus „historischer Sicht dieser Wertung nicht zugestimmt werden kann". Warum diese Verkündigung? Man wird jedoch den vom Leid der Vertreibung, durch Vergewaltigungen und Deportationen Misshandelten, den um die Ermordeten Trauernden ihr ganz subjektiv empfundenes Leid nicht absprechen oder ausreden dürfen!

Zustimmend kann darüber berichtet werden, dass der Bundeskanzler die Vertreibung ein Unrecht genannt hat. Der Begriff des Verbrechens wurde allerdings erst mit dem Blick in die Zukunft, als die Ächtung des Verbrechens der Vertreibung gefordert wurde, gebraucht.
     „Wir Heimatvertriebenen verzichten auf Rache und Vergeltung", dieses Wort aus der Charta der deutschen Heimatvertriebenen wurde durchaus berechtigt als der große Gedanke rühmend herausgestellt. (Übrigens sprach der Redner von „Autoren und Autorinnen" der Charta, aber trotz dieser Verneigung vor der neudeutschen Ausdrucksweise waren es nur Autoren.) Aber es folg­te heftige Kritik an dem Ausdruck „Verzicht ist Verrat": „So haben unsere Generationen sich befreien können von der unsinnigen Gleichsetzung 'Verzicht ist Verrat'. Dieses Wort ist jedoch kein von den bösen Wort­führern der Vertriebenen in Umlauf ge­brachter Satz, sondern unter diesem Wort steht die Unterschrift der Führungstroika der SPD im Jahre 1963, verkündet von Erich OI­lenhauer, Willy Brandt und Herbert Weh­ner. Das war ein Grußwort zum Deutsch­landtreffen der Schlesier in Köln. Hier hat­te der Redenschreiber offenbar falsch vor­formuliert!

Den Sprechern der Vertriebenen wurde es böse vermerkt, dass sie in der Ver­gangenheit angesichts der von Bundes­kanzler Willy Brandt betriebener Entspan­nungspolitik, die bekanntlich zu den Ost­verträgen mit Moskau, Warschau und Prag als Ergebnis geführt hat, nicht nur nicht zu­gestimmt, sondern sogar opponiert hätten. „Wenn wir etwa an die Auseinanderset­zungen um die von Willy Brandt eingelei­tete Entspannungs- und Ostpolitik denken, müssen wir feststellen, dass die Vertriebe­nenverbände sich mehr als einmal selbst im Wege standen und sich von falschen Freunden haben instrumentalisieren lassen." Wieder einmal wurde hier Bundeskanzler Willy Brand zum weihevollen Denkmal erhoben. Widerspruch ist nicht nur nicht gestattet, sondern strikt verboten. Erstens lebt Demokratie von Diskussion und Opposition, zweitens hat es gute Gründe gegeben, der einstigen euphorischen Entspannungspolitik zu widersprechen.

So wird man auch heute dem derzeitigen Bundeskanzler widersprechen müssen, wenn er Schweigen verordnet, anstatt über offene Fragen mit unseren östlichen Nachbarn zu reden. „Die Bundesrepublik Deutschland wird die Beziehungen mit diesen Staaten (gemeint sind die östlichen Nachbarn) nicht mit politischen und rechtlichen Fra­gen belasten, die aus der Vergangenheit herrühren." Das ist bekanntlich auch die Pa­role des gegenwärtigen Außenministers: „Schweigen ist Gold", denn man könnte, so dessen Logik, nur radikale Kräfte unse­rer Nachbarn mobilisieren! Aber in der Po­litik gibt es keinen Schlussstrich, man muss mit unseren Nachbarn, die jetzt sogar als unsere NATO-Bundesgenossen unsere Ver­bündeten geworden sind, über alles reden können, auch über die Fragen des Rechts und der geschichtlichen Wahrheit. Warum soll und kann der offen und frei geführte Dia­log, das Streitgespräch eingeschlossen, die Nachbarschaft „belasten"?

Das kulturelle Erbe, vom Bundeskanzler nichtgerade als deutsches, sondern als „europäisches" bezeichnet, soll zwar ge­fördert werden, aber man habe Verständ­nis aufzubringen für die „Straffungen". Mit diesem unehrlichen Wort werden die Pläne zugedeckt, die bisherigen Einrichtungen entweder ganz aufzulösen oder sie zu zen­tralisieren oder nach oberhoheitlicher An­weisung zu verwissenschaftlichen. Es klang ebenso pathetisch wie weltmännisch: Jede Mark und jeder Pfennig, der für den Erhalt und die Förderung der europäischen Kul­tur in Hinterpommern, Ostpreußen oder Schlesien eingesetzt wird, bringt uns un­serem gemeinsamen Ziel näher, aus der schrecklichen Vergangenheit eine mensch­liche Zukunft zu schaffen." Das Wort von einer „deutschen Kultur" in diesen Regio­nen kam dem Bundeskanzler nicht über die Lippen.  

   Auch das vom Bund der Vertriebenen an­visierte „Zentrum gegen Vertreibungen" fand nicht des Bundeskanzlers Beifall oder we­nigstens Zustimmung. Das „Haus der Ge­schichte" in Bonn böte sich doch an, war­um denn dann noch ausgerechnet in Ber­lin etwas Eigenes und Besonderes, so soll­te aus diesen Ausführungen geschlossen werden. Die. geradezu plakativ angekündigte Rede des Bundeskanzlers Gerhard Schröder als Schritt auf die aus der Heimat vertriebenen Deutschen zu war nichts an­deres als eine ebenso distanzierte wie lehr­hafte Pflichtübung, die auch darunter litt, dass hier nicht der Bundeskanzler aller Deut­schen, sondern ausschließlich der Sozial­demokrat als Kanzler gesprochen hat. Symptomatisch, dass bei der Zitierung von Autoren aus den Reihen der Vertriebenen nur Grass, Lenz, Bobrowki, Gräfin Dönhoff vorkamen, Leute wie Surminski, Piontek, Lipinski-Gottersdorf unbekannt waren.
    Der sich selbst zugesprochene Lobspruch „Die Sozialdemokratie hat nie versucht, die Vertreibung zu rechtfertigen oder nachträg­lich zu legitimieren" war und ist wohl schon rein menschenrechtlich selbstverständlich. Aber das ist noch keine verantwortungs­bewusste Politik. Als eine vorher so ver­kündete Handreichung zum politischen Mit­einander lässt sich diese Rede nicht auslegen.Herbert Hupka (SN)

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Schlesische Notizen


In der Schweiz an die Vertreibung erinnert.Lange schon unter den Polen schwelende Ressentiments gegen die Deutschen steigerten sich zum Hass. 10. Oktober 1946, der Marktplatz eines schlesischen Dorfes; Hunderte von Men­schen, fast nur Frauen und Kinder (die Männer sind gefallen oder in Kriegsge­fangenschaft geraten); Koffer, Kartons, Wäschekörbe werden auf Pferdewagen geladen. Wenige Stunden zuvor hatte der polnische Kommandant den Deutschen verkündet: 'Heute müsst Ihr raus!' Frau­en mit Kleinkindern dürfen auf Pferdewa­gen zum weit entfernten Ladebahnhof fah­ren, alle anderen müssen laufen. Plötzlich stürzen sich betrunkene Polen auf die Pfer­dewagen, versuchen den Müttern die Kin­der zu entreißen. Eine Faust hat mich ge­packt. Meine Mutter schlägt mit einer Zinnwanne auf den Arm ein, bis die Hand mich losläßt die Pferdeziehen an,. Ge­rettet. So gestaltete sich unser Auszug aus der Heimat. Auf dem Bahnhof Plünde­rungen, bis wir endlich in die Güterwagen gepfercht sind." Dies bezeugt Gerd Stricker, Chefredakteur der kirchlichen Zeitschrift „G2W" des Instituts und Ver­lags „Glaube in der z. Welt", Zollikon, Schweizer Kanton Zürich. Der heute in der Schweiz publizierende und journalistisch arbeitende Verfasser des jüngst erschie­nenen Bandes „Russland", in der Reihe ,.Deutsche Geschichte im Osten Europas", Siedler Verlag Berlin, ist 1941 in Rothen­schloss im Kreise Strehlen geboren.

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Oberschlesisches Dorf ausgezeichnet Meldung. im Schlesischen Wochenblatt", Erscheinungsort Oppeln: „Das Oppelner Dorf Groß Stein hat beim Europäischen Wettbewerb für das bestsanierte Dorf eine Auszeichnung erhalten. Die Preisverleihung findet in Kaiserslautern statt. Für den Wettbewerb der Europäischen Arbeitsgemein­schaft für die Entwicklung der Landgebiete, Sitz Wien, waren 32 Ortschaften in Deutschland, Griechenland, Österreich, Po­len, Rumänien, Tschechien, Ungarn, Holland, Luxemburg, Slowenien und Nor­wegen angemeldet worden". Das Dorf Groß Stein, dessen Visitenkarte das re­staurierte Schloss ist, liegt in der Gemeinde Gogolin und war als einzige Gemeinde von Polen angemeldet worden. Das Dorf war bereits 1991 als „Das schönste Dorf des Oppelner Landes" ausgezeichnet worden. In der Begründung für die jetzige interna­tionale Auszeichnung heißt es: „Heraus­ragende Leistungen bei der Erhaltung und Gestaltung wertvoller Bausubstanz, erfolg­reiche Bemühungen um eine neue Bele­bung des traditionellen Handwerks

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Land Nordrhein-Westfalen will mit Oberschlesien enger zusammenarbeiten. Am Gedenktag an den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges unterzeichneten der Ministerpräsident von NRW, Wolfgang Cle­ment, und Jan Olbrycht, Sejm-Marschall der Wojewodschaft Kattowitz, in Anwe­senheit des polnischen Ministerpräsi­denten Jerzy Buzek feierlich einen Ko­operationsvertrag. Zusammengeführt ha­ben die Probleme der Modernisierungen in der Schwerindustrie und im Bergbau. Aus Anlass des Besuches von Wolfgang Clement in Kattowitz waren 100 deutsche Gäste angereist, „darunter Geschäftsleu­te, die an Projekten in Schlesien interes­siert sind". Was nach diesem großen Auf­trieb tatsächlich erfolgen wird, darf ge­rade angesichts der desolaten Lage von Bergbau und Schwerindustrie in Ober­schlesien abgewartet werden. „Wir brauchen Begegnungsstätten." Diese Forderung erhob Friedrich Petrach in Breslau als Vorsitzender der Gemein­schaft aller Deutschen Freundschaftskreise (VdG). Der Deutsche Freundschaftskreis in Breslau konnte jetzt in der Breslauer Güntherstraße 12 (ul. Saperöw) eine neue Begegnungsstätte beziehen und das nicht gerade zum Vorzeigen geeignete Pro­visorium aufgeben. „Es sollten mehr Be­gegnungsstätten zur Pflege und Darstel­lung der Tradition eingerichtet werden, in denen kulturelle Veranstaltungen organi­siert werden können, wo man verschie­dene Gedenktage in Erinnerung bringen, wo man sich wieder einmal von den täg­lichen Sorgen befreien kann." Seit dem Umbruch sind zehn Jahre vergangen, und leider müsse gefragt werden, „wie viele Be­gegnungsstätten, Kulturhäuser den Deut­schen zur Verfügung stünden? Wollen wir unsere Identität erhalten, müssen wir mehr für die Kultur, Tradition und Muttersprache tun."

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„Wir brauchen Begegnungsstätten." Diese Forderung erhob Friedrich Petrach in Breslau als Vorsitzender der Gemein­schaft aller Deutschen Freundschaftskreise (VdG). Der Deutsche Freundschaftskreis in Breslau konnte jetzt in der Breslauer Güntherstraße 12 (ul. Saperöw) eine neue Begegnungsstätte beziehen und das nicht gerade zum Vorzeigen geeignete Pro­visorium aufgeben. „Es sollten mehr Be­gegnungsstätten zur Pflege und Darstel­lung der Tradition eingerichtet werden, in denen kulturelle Veranstaltungen organi­siert werden können, wo man verschie­dene Gedenktage in Erinnerung bringen, wo man sich wieder einmal von den täg­lichen Sorgen befreien kann." Seit dem Umbruch sind zehn Jahre vergangen, und leider müsse gefragt werden, „wie viele Be­gegnungsstätten, Kulturhäuser den Deut­schen zur Verfügung stünden? Wollen wir unsere Identität erhatten, müssen wir mehr für die Kultur, Tradition und Mutterspra­che tun."

SN

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Die deutschen Heimatvertriebenen im      Spannungsfeld der Politik

Zum Verhältnis der deutschen Heimatvertriebenen zu den politischen Parteien erklärte Erika Steinbach als Präsidentin des Bundes der Vertriebenen:
Bis 1950 fanden acht Millionen Heimatvertriebene und Flüchtlinge in den westlichen Besatzungszonen Aufnahme. Vier Millionen lebten zu diesem Zeitpunkt in Mitteldeutschland. Die Eingliederung so vieler seelisch und physisch gebeutelter und entwurzelter Menschen in einem Land, das in Trümmern, Schutt und Asche dar­niederlag, war nicht einfach. Aber diese damals schier unlösbar erscheinende Aufgabe ist gelungen. Anders, als Stalin kalkuliert hatte. Warum sie gelingen konnte, dafür gibt es zweierlei Gründe:

Der erste Grund: Die Heimatvertriebenen haben nicht Rachegedanken gehegt, sondern immer wieder deutlich gemacht, dass sie Versöhnung wollen mit den Staa­ten und den Menschen, die sie vertrieben haben. Gerechtigkeitssehnsucht und nicht Vergeltungsgedanken prägen bis heute das Denken und Handeln. Eines wis­sen die Vertriebenen, Flüchtlinge und Spätaussiedler mehr als andere: Mit den Staaten und Völkern Ost-, Mittel- und Südosteuropas verbindet uns sehr viel mehr als uns durch die Konflikte des 20. Jahr­hunderts trennt. Das Maß der Gemein­samkeiten durch die Jahrhunderte kulturell gewachsen wird langfristig schwerer wiegen.
    Die deutschen Heimatvertriebenen stehen seit Jahrzehnten loyal zu diesem Rechtsstaat und seinen demokratischen Einrichtungen. Sie haben aus Oberzeugung nach Diktatur und Gewalt die De­mokratie und den Wirtschaftsaufbau mit­gestaltet. Von Anbeginn war die Politik der Vertriebenenorganisationen und des Bun­des der Vertriebenen vom Versöhnungs­willen und der Sehnsucht nach einem friedlichen Miteinander in Europa getragen.
    Der zweite Grund: Die demokrati­schen Parteien der Bundesrepublik un­terstützten über viele Jahre die Vertrie­benen und ihre Verbände. Aus allen de­mokratischen Parteien kamen führende Vertreter des Bundes der Vertriebenen. Als Präsidenten unseres Verbandes amtierten Christdemokraten wie Hans Krüger oder Dr. Herbert Czaja und Sozialdemokraten wie Wenzel Jaksch und Reinhold Rehs. Axel de Vries, einer der Verfasser unserer „Charta der deutschen Heimatvertriebenen", gehörte für die FDP, sein baltischer Landsmann Baron Manteuffel -Szoege und mein Vorgänger Dr. Fritz Wittmann für die CSU dem Bundestag an.
    Ende der sechziger Jahre wandelte sich das politische Klima. Die ideologischen Kämpfe auch um die Ostverträge erzeugten ein eisiges Klima gegenüber den Vertriebenen bei der politischen Linken und führten zu Verbitterung bei den Vertrie­benen. Die Vokabel „Revanchismus" war plötzlich nicht mehr eine Propaganda formal kommunistischer Desinformationspolitik, sondern fand ihren festen Platz in der innerdeutschen Diskussion. Es kam zu einem Prozess der Entsolidarisierung großer Teile der politischen Klasse gegenüber den Heimatvertriebenen...
    Zur CDU und CSU bestanden durchgehend gute Verbindungen, die allerdings -zuletzt durch die deutsch- tschechische Erklärung, Belastungsproben unterworfen waren. Aber auch über die schwierigsten politischen Zeiten hinweg fanden die Vertriebenenorganisationen bei CDU und CSU emotionale und reale Unterstützung... Die Zusammenarbeit mit der neuen Fraktionsführung der CDU/CSU Bundestagsfraktion steht in guter Kontinuität zu den vergangenen Jahren. Das trifft auch auf die jeweiligen Parteivorsitzenden zu.
    Der BdV ist ein überparteilicher Verband. So wurde er begründet und so ist sein Wirken angelegt. Dementsprechend ist es mein nachdrückliches Anliegen, die Gesprächsbrücken zu allen Parteien her­zustellen oder zu verbreitern. Auch das neu gewählte Präsidium des Bundes der Vertriebenen hat diesen Weg bestätigt.

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Der "Oberschlesische Strauß"

Paul Kraus wurde am 18. Juli 1870 als Sohn des Rektors und Organisten Paul Kraus in Klausberg bei Beuthen geboren. (Seit 1951 gehört Klausberg zur Stadt Hindenburg O/S)
    Seine Mutter Maria war eine geborene Frank. Sie starb früh; ihr Lieblingswunsch, den Sohn Paul einmal im geistlichen Ornat zu sehen, ging nicht in Erfüllung. So wurde Paul, wie sein Vater und Großvater, Lehrer, nachdem er das Lehrerseminar in Peiskretscham absolvierte.

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„Schon in frühester Jugend weihte ihn sein Vater in die Geheimnisse der Musik ein, so dass der kleine Paul mit 7 Jahren schon seine Klavierschule durchgespielt hatte, und mit 9 Jahren so weit war, dass er seinen Vater im Orgelspiel vertreten konnte. Die alte Schrotholzkirche, die spä­ter den Beuthener Stadtpark zierte, war das erste öffentliche Betätigungsfeld des jungen Kraus, und dass an diesem ge­weihten Ort ein gutes Orgelspiel geleistet wurde, dafür sorgte Pfarrer Cieslik, ein Mu­siker und Geiger von Ruf, der in seinem Kirchlein keine stümperhafte Musik duldete".
    Mit 17 Jahren schrieb Kraus seinen er­sten Walzer, der auch im Druck erschien. Im Alter von 22 Jahren schuf er neben an­derem auch den Walzer „Heimatgrüße°, den sein Verleger ohne Wissen des Kom­ponisten anlässlich eines Preisausschrei­bens nach Paris sandte und der danach mit dem 1. Preis bedacht wurde. 500 Franc erhielt damals unverhofft Paul Kraus als Prämie.
    Kraus' große Liebe galt der Marschkomposition. Mit den leuchtenden Klän­gen des Blasorchesters lebte er auf. Seine ganze liebenswürdige Persönlichkeit strahlte gleichsam aus diesen Klängen.
    Vieles ist der Vergessenheit anheim gefallen; manches könnte auch der heutigen Welt noch Freude bringen, da bei Kraus alles zur Freude geschrieben wurde. Der Ehrentitel, den man für ihn gefunden hatte, ist berechtigt: „Paul Kraus ist Oberschlesiens Johann Strauß". Kraus wurde 1924 Besitzer des Cieplikschen Konservatoriums in Beuthen, als dessen verdienstvoller Direktor er noch bis zu seiner Erkrankung fungierte. Am Mai 1934 entriss ihn während eines Kuraufenthaltes in Bad Kissingen der Tod aus einem arbeitsreichen und erfüllten Musikerdasein. Die Vereinigten Männerchöre ließen ihrem eifrigen Förderer in seinem Geburtsort Klausberg ein Denkmal setzen, dessen Enthüllung am 5. September 1938 mit einer großen Feier begangen wurde.
    Nach 1945 wurde das Denkmal, wie alle anderen Zeugnisse deutscher Vergangenheit, sinnlos zerstört. Nur der Obelisk blieb erhalten. Auf Initiative des im west­fälischen Hamm wohnenden Klausbergers Johann Hermann konnte am 4. September 2000  exakt nach 62 Jahren - eine Kopie des alten Denkmalsfeierlich enthüllt werden. Der alte Denkmalobelisk, den Hermann in Klausberg fand, wurde mit einer Kopie der alten Gedenktafel, ergänzt um die polnische Übersetzung, versehen. In einem sehr feierlichen Rahmen, in Anwe­senheit des jetzigen Stadtpräsidenten von Hindenburg, Roman Urbanczyk, wurde, des Komponisten Paul Kraus gedacht. Be­gleitet von dem bekannten Chor „Reso­nans Con-Tutti" und einer Bergmanns­blaskapelle wurde die Gedenktafel von Stadtpräsident Roman Urbanczyk, Johann Hermann und Adelheid Sklepinski vom Deutschen Freundschaftskreis in Hin­denburg enthüllt. Der Pfarrer der St. Lau­rentiuskirche in Klausberg, Josef Liligdon, segnete das Denkmal. Die Zeichen der Normalisierung werden immer sichtbarer, und so konnte der bekannte Klausberger, Paul Kraus, wieder in der „Heimat' eine „Heimat" nach 62 Jahren finden.
Damian Spielvogel(SN)

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vom 15. Oktober 2000
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Rede vor den
"einst Vertreibenen"


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Paul Kraus


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