Mit einigem Recht können die Konferenzen
als Ausdruck in die Einsicht der Globalisierung von Problemlagen betrachtet werden und als
Versuch, neue Formen globaler, somit Inseln auch europäischer Steuerung zu entwickeln,
die in höherem Maße auf Kooperation abheben. Die Landsmannschaft Schlesien und ihre
Gliederungen müssen auf allen Ebenen ihrer Betätigungsfelder die sich neu bietenden
Chancen nutzen, um handlungsfähig auch in der Zukunft zu bleiben.
Dezentralisierung erweist sich als eine wesentliche Voraussetzung für erfolgreiche
Politik in einer sich globalisierenden Welt, was
man in Ansätzen bei der " Verwirklichung des europäischen Gedankens im Hinblick auf
die Ost-West Problematik ersehen kann. Die Chancen der Regionen" müssen vor
allem auf die alte deutsche historische Kulturlandschaft Schlesien ausgedehnt werden. Die,
ersten Ansätze könnten entlang der Lausitzer Neiße gemacht werden, indem beispielsweise
Görlilz-West und Görlitz-Ost in einer engen Kooperation die Entwicklung einer sich neu
bildenden gemeinsamen (Gesamt-) Stadt Görlitz vorantreiben. Auch Schlesien als
europäische Region könnte somit zu einem Musterbeispiel des Europas der Regionen werden,
in der sowohl die Alteingesessenen als auch die neuen Bewohner ihren Platz haben könnten.
In allen mittel- und osteuropäischen Regionen bemühen sich EU Beitrittskandidaten um
eine Eingliederung in die europäische Wirtschaft. Einseitige wirtschaftsliberale
Strategien, an denen sich seit Ende der Stier Jahre einige ehemalige Länder des Ostblocks
orientieren, haben sich als unzulänglich erwiesen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu
stärken, soziale Probleme zu entschärfen und umweltpolitischen Herausforderungen gerecht
zu werden. Unter diesem Gesichtspunkt sowie unter Einbindung der Erfahrung der
Landsmannschaft Schlesien könnten der europäischen Region Schlesien neue Chancen gegeben
werden, die nicht nur bilateral zwischen Deutschland und Polen geregelt werden könnten,
sondern in den gesamteuropäischen Einigungsprozess eingebunden werden müssten. Die
deutsche Außenpolitik muss in Zeiten der Globalisierung unter sich stark wandelnden
Rahmenbedingungen agieren. Zu Beginn des 27. Jahrhunderts steht die Welt vor
grenzüberschreitenden Herausforderungen bisher nicht gekannten Ausmaßes. Mechanismen zur
Bearbeitung europäischer und globaler Politikfelder sind jedoch unterentwickelt. Aktive
Welt(innen)politik, die Gestaltung von global gouvernemens" ist nur in
Ansätzen erkennbar. Bereits die Einbindung der Landsmannschaft Schlesien in das
deutsch-polnische Gespräch über die nach wie vor vorhandenen offenen Fragen wird seitens
der offiziellen Außenpolitik Berlins nicht nur verneint, sondern bewusst auch nicht
gewollt. Gleichzeitig entsteht auf europäischer Ebene ein suprastaatliches Gebilde,
angesichts dessen nationale Außenpolitiken einzelner Mitgliedsstaaten immer mehr durch
die Außenpolitik der Europäischen Gemeinschaft abgelöst worden. Somit muss das
deutschpolnische Problem aus dem Blickwinkel der Landsmannschaft Schlesien nicht nur ein
Thema der bilateralen deutsch-polnischen Verhandlungen werden, sondern als ein wichtiges
Thema des Europäischen Parlaments und des Europäischen Rates anerkannt werden und die
Landsmannschaft Schlesien als Ansprechpartner nicht nur angesehen, sondern vor allem
eingebunden werden.
Das Ende des Kalten Krieges hat die führenden Weltmächte vom Zwang einer strategisch
motivierten Koordination ihrer militärischen und wirtschaftlichen Politik entbunden.
Damit haben sich Spielräume eröffnet, die Kooperation mit dem mittel- und
osteuropäischen Raum stärker nach eigenem Zuschnitt oder entsprechend lokaler und
regionaler Bedürfnisse zu gestalten. Dieser denkbaren Ausdifferenzierung steht aber auch
die Chance einer umfassenden Abstimmung der Zusammenarbeit gegenüber. Ob es eine solche,
durch die gewachsene Interdependenz ermöglichte und vordringlich gewordene Abstimmung
geben wird, ist aber umstritten. Einige Einrichtungen warnen vor wachsenden Spannungen
auch zwischen den Industriemächten, da der Kalte Krieg wichtige regionale ethnische oder
wirtschaftliche Konflikte lediglich versiegelt" habe.
Andere erwarten als außenpolitische Reaktionen auf globale Integrationsprozesse eher
Strategien der Regionalisierung, wobei den Gefahren der Globalisierung mit einer
Mobilisierung regionaler kulturell definierter Einstellung entgegenzuwirken versucht wird.
Die Friedens- und Konfliktforschung hat die Entwicklung der internationalen Beziehungen
nach 1945 überwiegend einseitig unter dem Eindruck des Rüstungswettlaufs und im
Zusammenhang mit der insgesamt steigenden Zahl politischer Gewaltkonflikte diskutiert. Der
kontinuierliche Rückgang zwischenstaatlicher Gewaltkonflikte seit den 60er Jahren ist
dabei in der Wahrnehmung durch die gleichzeitige drastische Zunahme gewaltsamer
innerstaatlicher Konflikte in den Hintergrund gerückt. Bis heute ist die systematische
Untersuchung der Ursachen für die zunehmende Befriedigung der zwischenstaatlichen
Beziehungen vernachlässigt. Es ist unbestritten, dass internationale Organisationen,
Institutionen, nicht nur durch ihr konkretes Handeln in bestimmten Konflikten, z.B. durch
die Felsendung von Beobachtern, positiv auf die konstruktiven Bearbeitungsmöglichkeiten
politischer Konflikte ausstrahlen. Sie wirken auch durch ihre bloße" Existenz,
ihre Vermehrung und Ausdifferenzierung positiv auf die Bereitschaft von Staaten
konstruktive und kooperative Außenpolitik Ziele zu verfolgen. In diesem Bereich der
positiven und der dem Frieden dienenden Beziehungen muss die Landsmannschaft Schlesien mit
ihrer Völkerverständigungsarbeit sowie ihrer Erfahrung einen festen Platz einnehmen.
Auch in Zeiten der europäischen
Einigung und der immer großer werdenden Globalisierung hat Schlesien eine bei auf
christlichen Grundsätzen bauenden Ansätzen friedliche Zukunft.
Einige Passagen dieses Textes sind der
Publikation Globale Trends, Daten zur Weltentwicklung" des Instituts für
Entwicklung und Frieden" entnommen. |