|
Über den neuen, aus Hindenburg stammenden, oberschlesischen Woiwoden berichteten wir bereits in unserer Heimatzeitung. Heute folgt noch ein Artikel aus dem Hindenburger Wochenblatt "Nowiny Zabrzanskie" in dem unter anderem aus der Kindheit Willibald Winklers berichtet wird: Im Jahr 1953 beschlossen die Warschauer Bildungsbehörden, die Anzahl der Gymnasien in Oberschlesien einzuschränken. Von drei in Hindenburg vorhandenen sollte nur eines bestehen bleiben. Für die übrigen Gymnasiasten wurden - ohne deren Kenntnis und Zustimmung der Eltern - Plätze an der Technikerschule für den Bergbau in der früheren Adolf-Hitler-Straße (heute ul. Gen.de Gaulle'a) vorbereitet. Jungen aus der Klasse des heutigen oberschlesischen Woiwoden Professor Wilibald Winkler wollten keine Bergleute werden. Sie brachten ihre Unterlagen in die Technikerschule für Elektrotechnik. Dann standen sie in einer Reihe vom Größten bis zum Kleinsten vor dem Direktor. "Ich war der kleinste" erzählt W. Winkler und der Direktor überzeugte uns vom Beruf im Bergbau. "Und der Kleine am Ende - sagte er und zeigte auf mich - eignet sich hervorragend für niedrige Flöze". Bei dem unlängst für das Fernsehen aufgenommenen Treffen in der Programmreihe "Trink einen Kaffee mit GTV" erzählte der Gast Wilibald Winkler noch mehrere Anekdoten aus seinem Leben. Die Gewandtheit über sich selbst zu lachen, ein wohlgesinnter Scherz über andere und natürliche Offenherzigkeit - das sind Eigenschaften, mit welchen W.Winkler die Teilnehmer dieses Treffens einnahm. Er erzählte von seiner im Hindenburger Ortsteil Makoschau verbrachten Kindheit (dort wurde er 1933 geboren); den Studien verbunden mit der Arbeit im Elektrizitätswerk "Miechowitz" und der wissenschaftlichen Laufbahn. Mit dem Mut eines aufrichtigen Mannes unterstrich er, dass seine Ehefrau der Motor vieler seiner Handlungen war. Durch ihre Überredungskunst fing er mit dem Studium an."Zu Hause lehrte man mich, dass man jede Arbeit ordentlich ausführen muß, deswegen arbeitete ich als Wissenschaftler". Binnen drei Jahren verteidigte er seine Doktorarbeit und nach den nächsten drei Jahren erlangte er den Dr habil. und damit die Lehrberechtigung an Hochschulen. "Meiner Mutter hätte es die größte Freude bereitet wenn sie hörte, wie ich zu Pilgern in Piekar (DeutschPiekar) spreche, denn sie verstand meine Arbeit als Wissenschaftler nicht" sagte der Professor. Als er 1996 auf einer Pilgerfahrt der Hochschulrektoren in Rom war, hörte er in einem persönlichen Vorstellungsgespräch mit Johannes Paul II vom Papst die Worte: "Ja ja, Oberschlesien, Oberschlesien, Piekar, Piekar". Die Annahme des Postens des oberschlesischen Woiwoden betrachtet er als den schwersten Entschluß seines Lebens. Er resignierte vom Posten des Bildungsvizeministers für internationale Kontakte."Das war ein bequemes Leben" sagte er und erinnerte an die Gesellschaft der Botschafter und Diplomaten wie auch an die Auslandreisen. Er wurde Wojewode, um Premierminister Jerzy Buzek zu helfen, welchen er als einen Patrioten ansieht. Er betonte jedoch, dass er diese neue Funktion nur kurz ausüben wird und sich nicht in die Geschichte wie Jerzy Zietek oder Wojciech Grazynski einbringen will. "Höchstens, wenn die jetzige Opposition die Wahlen gewinnt, was ein zweites Wunder an der Weichsel wäre" - scherzte der Professor. "Fragen
Sie mich nicht nach den Hüttenwohnungen" - sagte W Winkler
als er sah, daß Elzbieta Adach, die Vorsitzende des Schutzkomitees
der Mieter aller Hüttenwohnungen in Hindenburg um das Wort
bat. E. Adach fragte nicht nach den Wohnungen, sondern nach dem
Leid der Menschen und der Zustimmung der Behörden zu diesem.
Der Wojwode antwortete, daß man den Mietern der Hüttenwohnungen
ein Leid zugefügt hat, das zum Himmel schreit. Aber um dieses
wieder gutzumachen, bedarf es entsprechender Rechtsmittel.
|