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Unser
oberschlesische Landsmann Willy Fritsch wurde am 27.01.1901 in Kattowitz
geboren.
Manche Quellen schreiben seinen Vornamen Willi. Er war der Sohn des
Maschinenfabrikanten und Bergwerksbesitzers Lothar Fritsch. Er war also
kein "Bergmannssohn", wie ihn der WDR 1971 fälschlich
nannte. Nach dem Abitur absolvierte Sohn Willy ein Praktikum bei Siemens
& Halske in Berlin, sollte er doch nach Vaters Willen Ingenieur
werden.
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Also
besuchte er dann das Technikum, das er meist schwänzte, denn das
Berliner Theaterleben hatte seine musischen Seiten geweckt.Er nahm Schauspielunterricht
an der berühmten Schauspielschule von Max Reinhardt in Berlin. Im
Deutschen Theater in Berlin erhielt der junge Willy 1920 seine erste Nebenrolle.
Dann wechselte der noch nicht volljährige junge Schauspieler an das
Bremer Schauspielhaus. Schon 1920 begann seine Filmlaufbahn in dem Stummfilm
"Seine Frau, das unbekannte Wesen" mit Mady Christians. 1923
löste ihn die UFA aus seinem Bremer Vertrag. Er war dann in weiteren
Stummfilmrollen der UFA zu sehen als beliebter und gefeierter Liebhaber.
Zwischen durch wirkte er aber auch weiter an Berlinern Theatern. Er trat
auch in den damals beliebten Revuen auf.Aber schon 1928 bedeutete ihm
Film mehr als Theater, denn er bekannte: "Ich bin nicht begeistert
von meinen Liebhaberrollen, ziehe jugendliche Charakterrollen mit dramatischem
Einschlage vor. Ich schätze am Film im Gegensatz zum Theater die
absolute Natürlichkeit. Alles, was man macht, muss echt sein. Man
kann kein 'Theater im Film machen."
Diese Aussage stammt noch aus der Stummfilmzeit, aus der hier nur seine
wichtigsten Streifen genannt seien: "Die Boxerbraut" "Blitzzug
der Liebe" "Walzertraum" "Die keusche Susanne"
und "Ungarische Rhapsodie".
Willy Fritsch wurde schon in der Stummfilmzeit als Idealgestalt für
den Mann hingestellt. Schon damals bestimmten Filmstars, auch bei den
Männern, das gängige Schönheitsideal. Vorreiter war hier
der amerikanische Filmstar Adolphe Menjou mit seinem berühmten Bärtchen.
Viele Männer eiferten ihm nach und legten sich ein "Menjou?Bärtchen"
zu: schmal nur auf der Oberlippe, unter der Nase frei.
Die "Berliner Illustrierte" stellte 1927 fest, dass der Mann
durch die Konkurrenz mit den Filmstars zum Umdenken gezwungen sei. Er
könne sich nicht mehr wie früher darauf verlassen durch seine
Charaktereigenschaften beim weiblichen Geschlecht einen nachhaltigen Eindruck
zu hinterlassen. Statt dessen müsse er sich in seiner äusseren
Erscheinung verstärkt an den Helden der Leinwand orientieren. Als
Vorbild nennt das Blatt etwa den Schauspieler Willy Fritsch, dessen Erscheinung
es folgendermaßen
charakterisiert: Grenze zwischen Jüngling und Mann, Grenze einer
beginnenden Männlichkeit, naiv und schalkhaft mit einem Stich ins
Besinnliche. Anlage zum Schwerenöter, kokett. Berühmt wurde
Willy Fritsch aber erst durch den deutschen Tonfilm als einer der großen
Liebhaber in der Geschichte der UFA?Filme. Auch hier nur die bekanntesten
seiner Filme: "Die drei von der Tankstelle" (1930). Es war die
Geschichte von drei Freunden, dargestellt von Willy Fritsch, Heinz Rühmann
und Oskar Karlweiss, die eine Tankstelle betreiben und sich in ihre treueste
Kundin (die blonde Lilian Harvey) verlieben. Die heute noch gängigen
Schlager dieses Films waren komponiert von Werner Richard Heymann: "Ein
Freund, ein guter Freund, das ist das Beste, was es gibt auf der Welt"
und "Liebling, mein Herz lässt dich grüßen".
Der Film war einer der größten internationalen Erfolge der
UFA. Sehr erfolgreich war auch der Film "Der Kongress tanzt",
der zu Zeit des Wiener Kongresses (1815) spielt. Ebenfalls mit Lilian
Harvey und Willy Fritsch, der hierin den russischen Zaren Alexander 1.
mimte. W. R. Heymann (er musste als Jude 1933 Deutschland verlassen) steuerte
hier den Gassenhauer "Das gab's nur einmal, das kommt nicht wieder"
bei. Besonders hervorzuheben wären weiter Streifen mit Lilian Harvey
als Partnerin z. B. "Ein blonder Traum" "Amphytrion"
Später
war auch Käthe von Nagy seine Partnerin. Paraderollen spielte Willy
Fritsch auch in den Filmen "Frauen sind doch bessere Diplomaten"
und "Stern von Rio". Lilian Harvey wurde 1907 in England geboren
als Lilian Muriel Helen Harvey, sie war im Film stets die Angebetete von
Willy Fritsch. Die britisch?deutsche Schauspielerin sprach perfekt Deutsch.
Die blonde Schönheit, die 1968 in Frankreich starb, hätte wohl
auch gerne Willy Fritsch geheiratet. Aber der zog als Ehefrau die Tänzerin
Dinah Grace vor. Willy Fritsch wurde durch seinen jungenhaften Charme
und sein berühmtes Lächeln zum Herzensbrecher und Publikumsliebling
in den 30er Jahren. Neben Hans Albers war er damals der beliebteste männliche
Star. Mit Lilian Harvey stellte er damals in 13 Filmen das Traumliebespaar
des deutschen Films. Ein einmaliger Rekord, der nie von späteren
Traumliebespaaren in deutschen Filmen überboten wurde.
Mit Kriegsende 1945 endete wie vieles auch die große Filmkarriere
von Willy Fritsch. Zu seinen Freunden zählte Max Schmeling, der nach
dem Krieg wieder boxen durfte. Eine Entnazifizierungskammer hatte den
ehemaligen Weltmeister und Fallschirmspringer, für den Mitglieder
der norwegischen und der deutschen Widerstandsbewegung aussagten, für
"unbelastet" erklärt. Und der Filmstar Willy Fritsch konnte
seine Wohnung am Leinpfad in Hamburg erst wieder verlassen und im Rundfunk
singen, nachdem ihm von Amts wegen bescheinigt worden war, er sei lediglich
ein "nominelles Mitglied der NSDAP" gewesen.
Willy Fritsch spielte zwar weiter in mehreren Filmen mit, z. B. "Liebesexpress"
? "Firm ohne Tirel" ? "Maxie" ? "Finale",
aber an seine großen Erfolge konnte er nicht mehr anknüpfen.
1955 wurde noch ein blasses Remake des Großerfolges "Die drei
von der Tankstelle" gedreht mit Adrian Hooven und Germaine Damar,
worin Willy Fritsch jetzt deren Vater spielte. Im Jahre 1977 strahlte
das Fernsehen die Sendereihe "Sterne, die vorüberzogen"
aus. Hierbei war auch Willy Fritsch zu 'sehen in seiner Glanzzeit mit
seinen Paraderollen als Herzensbrecher.
Er wurde auch mit einem "Bambi" und einem goldenen Filmband
ausgezeichnet.
Nach dem Tode seiner Frau im Jahre 1963 lebte Willy Fritsch zurückgezogen
in seinem Hamburger Haus. Unser großer oberschlesischer Schauspieler
starb am 13.07.1973 in Hamburg im Alter von 72 Jahren. Sein Name lebt
fort in seinem Sohn Thomas Fritsch, der ebenfalls ein bekannter Schauspieler,
wurde und auch zusammen mit seinem Vater filmte. Der ältere Sohn
war in der Finanzverwaltung tätig. Im Jahre 1963 erschienen die Memoiren
von Willy Fritsch unter dem bezeichnenden Titel
"Das kommt nicht wieder" Georg Kachel
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