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Eigentlich
sollte auch die diesjährige Bezirksversammlung der Deutschen
im Oppelner Land in altgewohnter, demonstrativer Geschlossenheit
durchgezogen, werden. Doch unter den fast 200 Dele?1 gierten saß
auch der Sejmikabgeordnete Hubert Beier der über ein Interview
mit seinem Fraktionskollegen, Vizemarschall Ryszard Galla, im
Oppelner Regionalteil der Gazeta Wyborcza vom Vortag ganz und
gar nicht glücklich sein konnte und sich in der Wortwahl
bei seiner Kritik am Vizemarschall vergriff. Dabei hätte
aber auch Galla wissen müssen, dass er mit seinen so kurz
vor der Versammlung getroffenen Äußerungen mächtig
zündelte Natürlich hatte der Vorwurf, dass die vermeintlich
überzogenen Ansprüche zum. Umfang des Kulturetats für
die Minderheit innerhalb des Haushaltes der Woiwodschaft von "Rechten"
kämen, die "sich als Kandidaten aufstellen liessen",
zuvorderst Beier angesprochen, dessen Name zwar an anderer Stelle,
jedoch als einziger innerhalb des Interviews genannt wurde. Auch
wenn der Vizemarschall im Gegensatz zu Beier in souveräner
Weise sachlich blieb und bemerkte, das Interview sei nicht autorisiert
gewesen, so fehlte doch ein Dementi. Die entglittene Stallregie sollte ins Bewusstsein rufen, dass nach über 10 Jahren des gesellschaftlichen Umbruchs noch allzu oft offene Diskussionen gemieden werden. Dabei ist die Angst, in der Öffentlichkeit uneinig wahrgenommen zu werden, fast pathologisch. Der Verweis der Presse von der Veranstaltung ist hierfür nur ein Symptom. Dabei hat sich die Berichterstattung in der Tagespresse über die Jahreshauptversammlung als fair und sachlich erwiesen. Wenn sich die Minderheit Zeit für komplexe Diskussionen lässt, diese unverkrampft ausdiskutiert, und die Delegierten sich bekennen, oberstes Beschluss und Kontrollorgan des Verbandes zu sein,, dann hat die Minderheit einen wichtigen Schritt getan, als emanzipierter Bestandteil einer offenen Bürgergesellschaft wahrgenommen zu werden. . |