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Nach vorne schauen Wer Oberschlesien liebt, wie andere ihr Bayern oder ihr Sachsen lieben, bei dem kann die Bundestagsdebatte zu den deutsch-polnischen Beziehungen vom 11. Mai 2001 nur Bitterkeit auslösen. Wieder einmal wurde deutlich, daß die durch die Vertreibung seit . Jahrzehnten auseinandergerissenen ostdeutschen Volksstämme in der deutschen Politik keinen Rückhalt haben, wie ihn zum Beispiel die Südtiroler in der Republik Österreich fanden. Herzlosigkeit, Unkenntnis und Desinteresse maßgeblicher Kreise der deutschen Politik sind offensichtlich leider eine aktuelle und eine historische Erfahrung der Oberschlesier. Auch die Regierung Kohl hat bis 1998 die Brückenfunktion der Ostdeutschen in die :i Heimat zwar rhetorisch gewürdigt, in der praktischen Politik aber durch Kürzungen und Ausgrenzungen Schritt für Schritt abgebaut. Diese Erkenntnisse sind jedoch keineswegs neu und sollten nicht allzu lange und zu intensiv bejammert werden. Zu groß, zu vielfältig, zu verantwortungs- und reizvoll sind die Aufgaben vor denen die Oberschlesier heute in der Heimat und in der Fremde stehen. Hier ist es erst einmal notwendig, die eigenen Reihen zu schließen und zu stärken. Hier gilt es Zug um Zug Weichenstellungen vorzunehmen, die den unbestreitbaren Rückenwind, den der freiheitliche Wandel dem heimatpolitischen Einsatz der Oberschlesier seit 1989 beschert, entschlossen nutzen. Dabei ist es grundsätzlich heilsam, wenn in Jahren und Jahrzehnten gewachsene Abhängigkeiten von Parteien und Regierungen schwinden. Denn nicht Geldgeber in Berlin oder Warschau sondern die Oberschlesier selbst sollten im heutigen Europa in die Rolle des Herrn im eigenen Hause hineinwachsen und der Fremdbestimmung durch "fördernde" Verwaltungsstellen und Mittlerorganisationen nachhaltiger entgegenwirken. Dem versöhnenden Beispiel der St. Hedwig folgend, gilt es heute gemeinsam mit den polnischen Nachbarn das Land an der Oder zu neuer Blüte zu führen und in der längst vielerorts erblühenden partnerschaftlichen Zusammenarbeit eine Vertrauensbasis zu schaffen, um offene Fragen im gegenseitigen Wohlwollen Schritt für Schritt zu klären. Träumerei und Wunschdenken wird mancher urteilen, der über Mitgliederschwund, Überalterung, Misswirtschaft und Personalkult in so manchen oberschlesischen Vereinen und Verbänden diesseits und jenseits der Neiße klagt und längst resigniert hat, ganz zu schweigen von den anhaltenden Widerständen in der deutschen und der polnischen Politik. Es ist jedoch gefährlich und verwerflich, sich von solchem Fatalismus anstecken zu lassen. Gerade in den Wirren der heutigen Zeit, die aus dem Westen kommend längst auch die in der Heimat lebenden Landsleute entwurzeln und verunsichern, bleibt es christliche und sittliche Pflicht eines jeden, in seiner Familie, in seiner Gemeinde und in seinem Wirkungsfeld, der Verantwortung für den Glauben und die Heimat gerecht zu werden. Wer dies für ewiggestrig und unmodern hält, den mag ein Blick in die Menschheitsgeschichte lehren, wie schnell die Moden vergehen und das nur . ein an religiösen und patriotischen Werten orientiertes politisches Handeln auf Dauer eine gedeihliche und glückliche politische Zukunft a bescheren kann. Nicht Fatalismus sondern der Blick für das Machbare in der Familie, im Beruf, aber auch in der Vereins und der Verbandsarbeit sind gefragt. Ermutigendes Beispiel und wichtiges Fundament für
diesen Weg ist die Heimkehr dieser Heimatzeitung "Unser Oberschlesien",
die heute von einer jungen Redaktion ohne jede öffentliche
Unterstützung auf dem St. Annaberg herausgebracht wird. So
bildet "Unser Oberschlesien" heute ein erbauendes, einigen.
des Band für den durch die Wirren des vergangenen Jahrhunderts
zerrissenen und weit verstreut lebenden Stamm der Oberschlesier.
Wer hätte solches vor wenigen Jahren für möglich
gehalten? Gleiches gilt für die 10. Minderheitenwallfahrt
und das Heimatfest am 3. Juni 2001 auf dem St. Annaberg. In der
gemeinsamen Besinnung auf die heimatlichen und religiösen
Wurzeln gilt es, die Kraft zu finden, in schwieriger Zeit Oberschlesien
die Treue zu halten.
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