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Wallfarten!
von Alfred Theisen
"Meine
Seele auf und singe, hoch in meinem Gott erfreut, ihm dem Schöpfer
aller Dinge, sei mein Lobgesanggeweiht`; lautet der Text eines
schönen, aussagestarken alten Kirchenliedes. Das Gebet als
Seelenspeise und die Pilgerreise als Seelenbad sind in den Wirren
der heutigen Zeit, wo immer mehr Menschen ihren Glauben verdrängen
von höchster Aktualität. Gerade in Deutschland
steht einem fortschreitenden Wohlstand eine grausam wachsende
seelische Not der Menschen gegenüber. Ebenso drohen paradoxerweise
erst nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Regimes auch in
Oberschlesien moderne, religionsferne und menschenfeindliche Lebensauffassungen
die Oberhand zu gewinnen. Die Vereinzelung schreitet fort. Den
Generationen der "Goldenen Hochzeiten`; folgen die Generationen
der Alleinerziehenden und Lebensphasenpartnerschaften. Immer weniger
prägen die liebende Fürsorge und Umarmung der Mutter
und der Schoß der Großeltern sondern der kalte Umgang
mit Fernseher, Gameboy und den "Ersatzeltern "in Ganztagseinrichtungen
von der Krippe bis zur Ganztagsschule den Alltag der Heranwachsenden.
Im Zeitalter der Globalisierung, des lntenets, der Gentechnologie
und der massenhaften Abtreibungen interessieren glückliche
Kinderaugen eben sowenig wie der liebende Gott. In dieser geistigen
Wüste stellt der Stamm der Oberschlesier in seiner Volksfrömmigkeit
bis heute eine Oase dar. Wer Anfang Juni am St. Annaberg erst
die Minderheitenwallfahrt mit der Eucharistiefeier durch Erzbischof
Alfons Nossol und eine Woche später die hl. Messe aus Anlaß
des 40jährigen Priesterjubiläums von Pfarrer Vincent
Leppich besuchte, konnte eine wohltuende Volksfrömmigkeit
erleben. Gleich Propheten riefen, sowohl Erzbischof Nossol wie
auch Pfarrer Leppich in bewegenden Worten angesichts der Wirren
dieser Zeit zum Glaubenszeugnis auf der Mensch braucht nichts
mehr als den liebenden Gott und wo sich der Mensch Gott öffnet
da berühren sich Himmel und Erde. In ihrer besonderen
Hinwendung zu Gott haben die Oberschlesier dabei heute eine besondere
Verantwortung, über ihr persönliches Seelenheil hinaus,
für ihre Heimat, für ihr Vaterland und für das
sich verhängnisvoll von seinen christlichen Wurzeln entfernende
Europa zu beten. Nicht durch politisches Handeln sondern nur durch
das Gebet der Menschen und einen gnädigen Vater im Himmel
kann für Oberschlesien, aber auch für Deutschland und
den ganzen Kontinent eine Wende zum Besseren ermöglicht werden.
Es gehört zu
den glücklichen Fügungen der revolutionären Veränderungen
zum Ende des vergangenen Jahrhunderts, daß dieses Gebet
wieder an den nieder? und oberschlesischen Gnadenstätten
in der Heimat durchgeführt werden kann. Wahlstatt und Trebnitz,
Albendorf und Wartha, Grüssau und Neisse, Deutsch Piekar
und der St. Annaberg, aber auch Maria Hilf in Zuckmantel sind
heute wieder lohnenswerte Ziele von Pilgerreisen. Große
Wallfahrten der Oberschlesier finden auch am 22. Juli zum St.
Annaberg in Haltern und am 28. und 29. Juli nach Altötting
statt. Schon jetzt sollte die nächste Minderheitenwallfahrt
zum St. Annaberg OS am z. Juni 2002 eingeplant werden. Die Oberschlesier
können auf eine große Tradition an Wallfahrten zurückblicken.
Sie können stolz auf diese Tradition sein und stehen heute
in der besonderen Verantwortung an dieser Wallfahrertradition
festzuhalten und auch die nachwachsenden Generationen. für
diese wichtige Form des kirchlichen: Lebens zu begeistern.
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