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Mit Kroll an der Spitze
Die
Spitzenkandidaten in der Woiwodschaft Oppeln für die Sejmwahl
stehen fest. Am 23. Juni tagte das Wahlkomitee der Wähler
der deutschen Minderheit in Groß Stein, um die Kandidaten
für die Sejmwahl am 23. September festzulegen. Unstrittig
war seit langem, daß die Spitzenposition sowie die zweite
Stelle von den derzeit einzigen deutschen Abgeordneten im Sejm
Heinrich Kroll und Helmut Pazdzior eingenommen werden.
Interessant war daher eher, wie die Reihenfolge hinter diesen
"Erbhöfen" aussehen sollte, da alles andere als
ein Zugewinn bei der Anzahl der deutschen Parlamentarier eine
herbe Enttäuschung bedeuten würde. Während die
Minderheit 1997 mit nur zwei Abgeordnetenmandaten einen Tiefpunkt
erreichte, der jedoch seine Ursache vornehmlich in der allgemeinen
Lethargie nach der Hochwasserkatastrophe hatte, deutete die Kommunalwahl
im folgenden Jahr bereits einen Aufwärtstrend an, den man
nun weiterführen will. Ein Zuwachs alleinig aus der Woiwodschaft
Oppeln erscheint fast zwingend, bedenkt man, daß dieser
nach der Verwaltungs? und Gebietsreform nunmehr 13 anstatt wie
bisher 10 Abgeordnete, stellen wird. Laut dem Vorsitzenden deg
Wahlstabes der Deutschen im Oppelnet: Bezirk, Johann Lehnort,
besteht in der wei teren Reihenfolge der Kandidaten keine Wertung
(siehe Interview auf Seite 7), wenngleich mit Vizemarschall Ryszard
Galla und Edward Flak zwei Abgeordnete des Bezirksparlamentes
(Sejmik) folgen. Es überraschte lediglich;daß nach
einem "familieninternen" Tausch nunmehr der Veterinär
Dr. Paul Kluczniok aus Cosel den fünften Platz einnimmt,
auf dem zunächst seine Tochter Klaudia antreten sollte, die
aufgrund ihrer Jugend, ihrer Erfolge und nicht zuletzt als höchstplatzierte
Frau für reichliche Ausbeute hätte sorgen können.
In der Pressekonferenz erklärte Spitzenkandidat Heinrich
Kroll daß die erst auf den Plätzen 17, 19, 20 und 25
plazierten Kandidattinnen sich jedoch stark genug fühlten,
um das Feld von hinten aufzurollen.
Der Wähler darf sich also verstärkt gefordert sehen,
aus eigener Kraft die Liste durchzuwirbeln! Ganz nach dieser Maxime
verzichteten so auch Sejmikabgeordneter Hubert Beier auf eine
frühere Nennung und ließ sich bewußt an der 26.
und somit letzten Stelle vermerken, die erfahrungsgemäß
durchaus für eine umfassende Wählerunterstützung
gut sein kann.
Grundsätzlich fällt an der Liste auf, daß durch
aus eine Verjüngung eingetreten ist. So hat bereits die "Nowa
Trybuna Opolska" am 18.Juni Kroll zitiert: "Nie jestesmy
wiec takim Altersheimem (Wir sind also gar nicht so ein Altersheim)".
Auch in dieser Hinsicht dürfte interessant sein, ob der Wähler
einen Generationsumbruch sehen will und daher gezielt jüngeren
Kandidaten seine Stimme gibt. Bei einer gezielten Wahl von Kandidaten,
die auf hinteren Plätzen antreten, geht übrigens keine
Stimme verloren. Anhand der Gesamtzahl der Stimmen für eine
Listenverbindung wird nämlich die Zahl der Mandate für
die gesamte Liste ermittelt!
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Neben einem Erfolg der Sejmkandidaten gilt es verstärkt,
das Augenmerk auf den Senat zu richten, in dem die Minderheit
seit der Wahlschlappe von 1997 nicht mehr vertreten ist. Für
den Einzug in die "Zweite Kammer" bewerben sich von
der Oppelner Liste der Deutschen die Fraktionsvorsitzende der
Minderheit im Oppelner Sejmik (Bezirksparlament) Josef Kotys aus
Kolonnowska, der Deschowitzet Bürgermeister Dieter Przewdzing
sowie Bezirksvorstandsmitglied Josef Swaczyna aus Himmelwitz.
Till Scholtz-Knobloch
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