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Oberschlesien aktuell

Mitte Juni unterzeichneten Vertreter der Städte Bad Dürkheim und Kreuzburg eine Partnerschaftsurkunde. Bereits im vergangnen Oktober ist die Partnerschaft in Bad Dürkheim besiegelt worden. Zur feierlichen Unterzeichnung im Kreuzburger Rathaus war auch eine Delegation aus der heute westukrainischen Stadt Brzezany zugegen. Kreuzburg wird auch mit dieser Stadt eine Partnerschaft eingehen. Die deutsche Delegation, traf sich mit Vertretern des örtlichen Deutschen Freundschaftskreises (DFK). Gastgeschenke überbrachten die Dürkheimer einen Faßboden und Broschüren über den Kurort in polnischer Sprache.

Am ersten Tag des "Welttreffens der Ratiborer", das am 21. und 22. Juli in der Oderstadt stattfinden wird, soll eine Allee der Ratiborer mit kleinen Steinplatten eingeweiht werden, auf denen die Namen berühmter Töchter und Söhne stehen werden.

Der DFK-Bezirksverband "Schlesien" (Kattowitz) wird am 20. Juli sein diesjähriges Bezirksfest im Schloßpark Lubowitz durchführen. Alle Oberschlesier sind eingeladen!

Vom 10. bis zum 16. August gibt es ein kulturelles Seminar für alle Angehörigen der deutschen Jugendgruppen in Oberschlesien. Bedingung: vorhandene gute Deutschkenntnisse und ein Alter zwischen 20 und 35 Jahre. Interessenten melden sich bitte beim "Jugend Forum Mlodych" (telefonisch: 077-4411182 oder auch 077- 454-78-78). Die Teilnehmerzahl ist begrenzt!

Der Verein für Geschichte Schlesiens (Berliner Ring 37, 97753 Karlstadt/Main) hat zwei neue Bücher herausgebracht. Es handelt sich um die Dissertation von Ulrich Schmilewski mit dem Titel "Der schlesische Adel bis zum Ende des 13. Jahrhunderts. Herkunft, Zusammensetzung und politisch-gesellschaftliche Rolle" und um eine Ortschronik- von Achim von Loesch "Kammerswaldau. Die Geschichte eines schlesischen Dorfes, seines Schlosses und seines Rittergutes".

Der Vorsitzende des thüringischen Landesverbandes der Landsmannschaft Schlesien, Dr. Latusek, hat der zweisprachigen Joseph-von- Eichendorff-Grundschule in Solarnia (Salzenforst) in der Gemeinde Birawa (Reigersfeld) ein Ölgemälde des Dichters und mehrere Puppen in schlesischen Volkstrachten überreicht. Die Geschenke sind eine Spende für die kürzlich in der Schule eingerichtete Eichendorff-Stube . Die Grundschule wurde vor fünf Jahren gegründet und war die damals die erste . Grundschule im Bezirk Oppeln, an der bilingual unterrichtet wurde. Derzeit lernen hier, 108 Schüler und 16 Lehrer, darunter ein westdeutscher. Ab dem kommenden Schuljahr, so die Schuldirektorin Ilona Kukawska, werde in Solarnia ein zweisprachiges Gymnasium eröffnen.

Der Landkreis Neustadt wünscht engeren Kontakt mit dem Oberbergischen Kreis in Nordrhein-Westfalen. Die zu diesem Kreis gehörende Gemeinde Zülz hat bereits vor Jahren einen Partnerschaftsvertrag mit der Gemeinde Marienheide abgeschlossen. Eine mögliche Zusammenarbeit beider Kreise stellen sich Kreisdirektor Norbert Wolter (Bündnisgrüne) und NRW-Landtagsvizepräsidentin Edith Müller (Bündnisgrüne) vor allem themen- und projektorientiert vor. Es sei wünschenswert, konkrete Partner aus Wirtschaft, Polizei, THW, Feuerwehr und Berufsschule einzubeziehen. Themen aus den Bereichen Kultur und Gesundheit wurden aus dem Landkreis Neustadt besonders nachgefragt, heißt es. Es gibt spezielle Programme im Rahmen der EU-Förderung, die genutzt werden könnten, zum Beispiel "Vorbereitungshilfe für den EU-Beitritt", oder "Entfaltung von Landwirtschaft und Verkehr". Wissentransfer sowie die Initiierung von Wirtschafts- und Verwaltungsprojekten könne auf diese Weise gefördert werden. Die Vizepräsidentin versicherte, die Bemühungen beider Kreise zu unterstützen.

Fast alle der in Bundeseigentum befindlichen schlesischen Museumsstücke werden im Schlesischen Museum zu Görlitz untergebracht. Nach Angaben seines Direktors Margaben, die bis jetzt in schlesischen Einrichtungen in Westdeutschland lagerten. Zu den Exponaten gehören u.a. etwa ein Dutzend Gemälde und Skulpturen, knapp 200 Zeichnugen sowie wertvolle Bunzlauer Keramik. Die Ostdeutsche Galerie Regensburg lädt bis zum 12. August zu einer Fotoausstellung mit "Böhmischen Bildern" von Wilkin Spitta (geboren 1928 in Breslau) und Horst Hanske (geboren 1935 in Ratibor) ein (KK).

Bislang Unbekannte haben vor wenigen Wochen zwei Mitglieder des DFK-Kreisvorstandes Gleiwitz auf dem Nachhauseweg überfallen und 30.000 Mark erbeutet. Einer der beiden Überfallenen wurde brutal krankenhausreif geschlagen. Der hohe Geldbetrag wurde von den beiden Vorständlem in einer Bank abgeholt; es war vom Generalkonsulat Breslau zur Verteilung an die einzelnen DFK-Ortesgruppen im Kreisgebiet überwiesen worden. Offenbar lauerten die Täter gezielt in der Bank auf "reiche" Kundschaft. Das Generalkonsulat hat eine zusätzliche Zahlung als Ausgleich für den eingetretenen Verlust an den DFK Kreisverband Gleiwitz für dieses Jahr ausgeschlossen.

Der Bürgermeister von Radzionkau, Gustav Jochlik, hat am B. Juni im örtlichen Kulturhaus "Karolinka" eine Gedenktafel für Geneal Jerzy Zietek enthüllt. Zietek, am 10. Juni vor hundert Jahren in Gleiwitz-Petersdorf geboren, war nach der Teilung Oberschlesiens in die Grenzstadt Radzionkau geflüchtet und war dort zwischen 1929 bis Kriegsbeginn 1939 Vorsitzender des Gemeinderates. Der Aufständischenführer galt als Anhänger des damaligen und berüchtigten Woiwoden Michal Grazynski und dessen nationalistischen Politik in Ost Oberschlesien. Nach dem zweiten Weltkrieg beerbte Zietek das Amt von Grazynski und, übernahm im gewissen Sinne auch dessen Politik. Bis zu seinem Tod einflußreicher Politiker in der Woiwodschaft Kattowitz, war Zietek leitende Figur bei den "Entdeutschungsmaßnahmen" in Oberschlesien nach 1945.

Meisterstücke von deutschen Silberschmieden wurden am 13. Juni bei Christie's in London versteigert. Der absolute Höhepunkt der Auktion war ein Früchtekorb des königlichen Silberschmieds zu Berlin, Christian Lieberkühn d. J. aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Auftraggeber 'war Preußens König Friedrich der Große. Er hatte den Korb für John a Carmichael, Dritter Graf von Hyndford (170L 1767), fertigen lassen. Carmichael war ein angesehener Diplomat und führend bei den Schlesienverhandlungen zwischen Maria Theresia von Osterreich und Friedrich dem Großen. Der Friedensvertrag von Breslau, unterzeichnet am 11. Juni 1742, schrieb die Abtrennung des größten Teils Schlesiens an Preußen fest und gehörte zu den größten Verdiensten des englischen Adligen. Der Korb ist in einem einwandfreien Zustand. Den Zweiten Weltkrieg hat er - vergraben in Hyndfords Garten - unbeschadet überstanden. Die Versteigerung erbrachte für den Korb stolze 220.000 Mark.

Mit der Unterzeichnung eines Partnerschaftsvertrags haben die Landkreise Mainz-Bingen und Neisse Mitte Juni ihre Beziehungen auf ein offizielles Fundament gestellt. "Frieden, wirtschaftliche und soziale Fortschritte" erhoffen sich die politisch Verantwortlichen ebenso wie die Jugend-Europaclubs, die, wie ein Schülerchor aus Ziegenhals, eine deutschpolnische Konferenz im Städtischen Museum in Neisse eindrucksvoll mitgestalteten, das als Rahmenprogramm zum Besuch der rheinlandpfälzischen Delegation durchgeführt worden war.

Der Kreis Mainz-Bingen wolle mit der Partnerschaft einen Beitrag leisten "zur Völkerverständigung, zur weiteren Aussöhnung und zum Zusammenwachsen eines geeinten Europa", erklärte Landrat Claus Schick (SPD). Um Früchte zu tragen, müsse die Verbindung reich an Ideen und Initiativen sein, vor allem aber eine "Partnerschaft des Herzens". "Wir müssen alle Anstrengungen unternehmen, daß Polen, ein Kernland Europas, möglichst bald seinen Platz in der europäischen Familie einnimmt", sagte Schick. Neisses Landrat Zbigniew Majka übergab als Geschenk einen Granitblock, in den das Wappen des Kreises Mainz-Bingen gemeißelt ist. Die Partnerschaft solle einen ebenso festen Bestand haben, wünschte er. "Geborgenheit und Sicherheit in Europa" nannte er als Zielsetzung.

Bereits im Juli soll ein Mitarbeiter aus Neisse eine Woche lang im Kreishaus in Ingelheim Erfahrungen mit der kommunalen Selbstverwaltung sammeln. Im November folgt in Mainz-Bingen eine Wirtschaftskonferenz mit deutschen und polnischen Politikern und Unternehmern.

Ingelheims Oberbürgermeister Dr. Joachim Gerhard hat wegen einer möglichen Städtepartnerschaft erste Bande mit der Verwaltungsspitze von Neisse geknüpft, und die Sonderschulen Neisse und Nieder-Olm stehen wegen des Austauschs pädagogischer und administrativer Erfahrungen in Kontakt. Bedauerlicherweise wurde weder im Partnerschaftsvertrag, noch in der lokalen Berichterstattung die in Neisse noch lebenden Oberschlesier oder der Neisser Heimatbund erwähnt oder die Vergangenheit vory "schlesischen Rom" angesprochen.

Die polnische Tochter des Düsseldorfer Henkel-Konzerns hat für den Ausbau des Behindertenheimes in Ratibor 50.000 zl knapp 25.000 Mark gespendet. Die Ratiborer Henkelwerke führen damit eine bald zehnjährige Tradition fort, jährlich größere Summen uneigennützig im örtlichen kommunalwirtschaftlichen und sozialen Bereich zu investieren.

Aus der Hand des bayerischen Landesvorsitzenden der Schlesier, Helmut Riedel, wurde Dr. Karl Heinrich Wegehaupt, Vorsitzender der Schlesier in Burghausen, das Schlesierkreuz verliehen. Auf seine Initiative hin wurde unter ariderem 1994 eine rege Partnerschaft mit dem oberschlesischen DFK-Langendorf Kreis Gleiwitz ins Leben gerufen. So können oberschlesische Jugendliche bei schlesischen Gastfamilien in Burghausen einen Teil ihrer Sommerferien verbringen.

Die Delegierten der Bürgerlichen Plattform (Platforma Obywatelska) in der Woiwodschaft Oppeln wählten in der Urwahl am Samstag, den 23. Juni ihre Kandidaten für die Sejmwahl und legten gleichzeitig ihre Reihenfolge auf der Wahlliste fest. Spitzenkandidat wurde Leszek Korzeniowski aus Praszka im Landkreis Rosenberg. Praszka ist eine der zwei Gemeinden der Woiwodschaft, die außerhalb der historischen Grenzen Schlesiens liegen. Dem Gewinner ist es gelungen, in seinem Kreis die größte Anzahl von Sympathisanten zu mobilisieren. Er legte bei der Urwahl auch 2000 Unterschriften mit Unterstützung vor. Anwesend war auch Andrzej Olechowski, ehemaliger polnischer' Außenminister und einer der drei Mitbegründer sowie heutiges Vorstandsmitglied der Bürgerlichen Plattform.