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Mit neuer Motivation für unsere Ziele streiten

                       - Grußwort zum neuen Jahr 2001 -

Viele Gruppen der Landsmannschaft Schlesien begingen im zurückliegenden Jahr ihr 50-jähriges Bestehen, hielten Rückblick und nahmen eine Standortbestimmung vor. Das ist gut so, denn nach fünf Jahrzehnten ist eine Neubesinnung selbstverständlich, weil sich auch die Verhältnisse geändert haben. Nach einer Reihe von Enttäuschungen ist es wichtig, unsere Landsleute neu zu motivieren und für die aktuellen Aufgabenstellungen zu begeistern.

Der Umbruch im Osten hat neue Möglichkeiten geschaffen. Die ungehinderte Reise in die Heimat, der Kontakt mit den dort lebenden Landsleuten, aber auch die Diskussion mit Polen über die Vertreibung mit dem Ziel, der geschichtlichen Wahrheit zum Durchbruch zu verhelfen, sind nicht unwesentliche Fortschritte, auch wenn damit unsere Anliegen im Kern noch nichterreicht sind. Im Vorfeld des EU-Beitritts Polens besteht für uns mehr als sonst die Chance, die ungelösten Probleme in die Diskussion zu bringen. Hierzu gehören die nach wie vor bestehenden Vertreibungsdekrete, die Problematik deutscher Zwangsarbeiter, die Gewährung voller Minderheitenrechte für die Deutschen in der Heimat und die Heilung des Unrechts an den Vertriebenen. Die Landsmannschaft Schlesien befürwortet den EU-Beitritt Polens, wenn hierfür die Voraussetzungen geschaffen worden sind. Dazu zählt vor allem die Aufhebung der diskriminierenden Vorschriften der Nachkriegszeit, denn sie stellen Deutsche noch immer ins Abseits, diskriminieren sie wegen ihrer Abstammung. Das Europaparlament, der Österreichische Nationalrat und der Bundesparteitag der CDU haben uns durch entsprechende Beschlüsse in dieser Forderung bestärkt. 

Wir wollen, dass die Anliegen der Vertriebenen die Anliegen aller Deutschen und aller Parteien werden. Deshalb hat der Bundesvorstand die Entscheidung der Landesregierung von Niedersachsen begrüßt, die Patenschaft für die Landsmannschaft Schlesien zu beleben und zu einer richtigen Partnerschaft zu kommen. 

Sorgen bereitet uns die mangelnde Kulturförderung gemäß § 96 BVFG durch den inzwischen zurückgetretenen Kulturstaatsminister Naumann, der Kulturarbeit ohne die Vertriebenen will und auch die Deutschen in der Heimat unberücksichtigt lässt. Hiermit wird die Vertreibung aus der eigenen Kultur fortgesetzt, der Stamm der Schlesier soll endgültig zerschlagen werden. Jeder Schlesier ist aufgefordert, durch seinen persönlichen Einsatz mitzuhelfen, dass diese Absicht nicht gelingt. Die reiche Kulturlandschaft Schlesien mit ihren 12 Nobelpreisträgern ist attraktiv genug, Men­schen zu begeistern. 

Immer mehr Angehörige der mittleren Generation fragen heute nach ihren Wurzeln, streben nach Informationen über Schlesi­en. Gehen wir auf sie zu und nehmen wir sie als neue Mitglieder auf. Ich weiß, dass dies nichteinfach ist, meine Erfahrungen be­weisen jedoch den Erfolg persönlicher Bemühungen. Ein neuer Anlauf in der Mit­gliederwerbung istfür die Landsmannschaft lebensnotwendig. 

Im Jahr 2001 ist wiederum das Deutsch­landtreffen (14./15. Juli in Nürnberg) der Höhepunkt im Leben der Landsmannschaft. Deshalb bitte ich alle Vorstände, sich in­tensiv um die Werbung und Organisation zu bemühen. Wo keine eigenen Busse eingesetzt werden, sollte den Mitgliedern die Möglichkeit geboten werden, bei Nachbargruppen mitzufahren. Die öffentliche Werbung in den örtlichen Zeitungen sollte auf keinen Fall fehlen. Das Deutschlandtreffen prägt das Bild der Landsmannschaft am nachhaltigsten und ist damit Ausdruckfür die Stärke des Verbandes. 

Ich danke allen Mitgliedern für ihre Treue und Unterstützung. Nach dem Wechsel im Bundesvorsitz bin ich besonders auf Ihre Hilfe angewiesen, darum bitte ich Sie herzlich: Unternehmen wir alle in dieser für unsere Ziele so wichtigen Zeit eine neue Anstrengung, um das Beste für Schlesien und seine Menschen zu erreichen. 

Ich wünsche Ihnen allen gute Gesundheit, Wohlergehen und Erfolg für das Jahr 2001. 

Rudi Pawelka, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft Schlesien - Nieder- und Oberschlesien

 

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Deutsche Vertreibene und Polen - wie offen ist heute der Dialog ?

Podiumsdiskussion der Stiftung
" Zentrum gegen Vertreibung "


„Polen und Vertriebene- Wie offen ist heute der Dialog?" war das Thema einer Podiumsdiskussion der neuen Stiftung „Zentrum gegen Vertreibungen" im Frankfurter Presseclub. Unter der Leitung von BdV-Präsidentin Erika Steinbach, Mitglied der Arbeitsgruppe „Vertriebene und Flüchtlinge" der CDU/ CSU-Bundestagsfraktion, diskutierten der Polenkorrespondent der „Südeutschen Zeitung", Thomas Urban, und der polnische Publizist und frühere Chefredakteur von „Zycie Warszawy", Kazimierz Woycicki, der auch Leiter des polnischen Kulturinstituts in Düsseldorf war.

Auf die einleitende Frage von BdV-Präsidentin Steinbach, ob sich inzwischen der Blickwinkel im deutsch-polnischen Verhältnis positiv verändert habe oder ob es noch Tabuzonen gebe, die aufgebrochen werden müssten, antwortete Kasimierz Woycicki, dass seit vier Jahren viele Dinge vorangekommen seien. Seit 1990 sei in Polen klar gewesen, dass das Tabu der Vertreibung gebrochen werden müsse. Er wies auf Jan Josef Lipski hin, der Vorreiter der Öffnung zu Deutschland gewesen sei. Die Opposition in Polen hätte dies vorbereitet. Vertreibung würde in Polen unter zwei Gesichtspunkten gesehen. Es sei 1. ein deutsch-polnisches Thema (Außenverhältnis), z. ein innerpolnisches Thema (Identitätsfindung). 

Denjenigen Polen, die nach ihrer eigenen Vertreibung aus den Ostgebieten Polens in den deutschen Provinzen angesiedelt wurden, diente die Auseinandersetzung mit der Vertreibung der Deutschen, deren Eigentum sie jetzt in Besitz genommen hatten, zur Identitätsfindung. In dem Zusammenhang seien Begründungen, wie die von den Kommunisten verkündete sogenannte „Wiedergewinnung der polnischen Westgebiete" von der polnischen Bevölkerung in Wirklichkeit nicht ernst genommen worden. Woycicki beklagte, dass man in Deutschland häufig keinen Unterschied zwischen den seinerzeitigen Maßnahmen der Kommunisten und den Entscheidungen des heutigen Polen mache. Anfang der 90er Jahre sei die Öffnung zu Deutschland ein selbstverständlicher Prozess in Polen gewesen. Erstes Ergebnis seien unter anderem polnische Dokumentationen über die Vertreibung. 

Der Polenkorrespondent der „Süddeutschen Zeitung", Thomas Urban, bemerkte, dass Polen positiv zur Vertreibungsdiskussion stehe. Negative Stimmen dazu seien hauptsächlich von Nationalkonservativen und Teilen der katholischen Kirche gekommen. In der Politik sei allerdings die Vertreibungsdiskussion noch nicht mehrheitsfähig. Polen habe gegen Ende der kommunistischen Herrschaft ei­nen Nachholbedarf gehabt, die Vertreibung der Polen im Osten und das Verhältnis zur Sowjetunion aufzuarbeiten. Die intensivere Beschäftigung mit der Vertreibung und dem Leid der Deutschen beginne erst jetzt. Urban forderte, dass die Geschichte der Vertreibung der Deutschen sich auch in den polnischen Schulbüchern nieder­schlagen müsse. 

Die Emotionen unter den Zuhörern stei­gerten sich, als Woycicki die Eigen­tumsfrage im deutsch-polnischen Ver­hältnis anschnitt. Polen sei sehr em­pfindlich, wenn diese berührt würde. Für Polen gebe es keine Eigentumsfrage. Ein Drittel des heutigen polnischen Gebietes sei deutsches Gebiet gewesen. Wenn die Eigentumsverhältnisse plötzlich unklar wären, könnte sein Land nicht mehr re­giert werden. Ein weiterer Aspekt sei die Tatsache, dass alle diejenigen, die sich in Polen um Verständnis mit Deutschland bemühten, dann plötzlich zwischen zwei Stühlen säßen und Schwierigkeiten im ei­genen Land bekämen. Seiner Meinung nach sei es natürlich für die Betroffenen in Deutschland sehr schwierig, den Ver­lust des Landes und des Eigentums zu ak­zeptieren. 

Urban betonte, dass in der Vermögensfrage bei den Betroffenen das tiefe Gefühl, ungerecht behandelt worden zu sein, festsitze. Die Vertriebenen seien die Verlierer des Krieges. Auf die Frage, wie sich die Vermögensfrage, über die es ja zwischen der deutschen und der polnischen Regierung einen Dissens gebe, weiter entwickeln könnte, antwortete Urban, dass die polnische Gesellschaft zur Zeit noch nicht einmal für eine Diskussion über eine symbolische Entschädigung der Deutschen bereit sei. 

Die Ansprüche auf Rückerstattung deutschen Vermögens müsse ein europäischer Gerichtshof entscheiden. Weder die deutsche noch die polnische Regierung könnten dieses Problem lösen. In diesem Zusammenhang sei auch einmal die Frage zu stellen, warum rund zehn Millionen Menschen aus den Oder-Neiße-Gebieten vertrieben werden mussten, wenn nur zwei Millionen Polen dort angesiedelt wurden und ganze Gebiete leerstanden. 

BdV-Präsidentin Erika Steinbach wies darauf hin, dass es wohl die beiden Gesellschaften, der deutschen und der polnischen, noch erhebliche Wissenslücken über die Vertreibung gebe. In Deutschland sei dieses Thema erst durch die Fernsehberichte über die Vertreibungen auf dem Balkan so richtig den Menschen ins Bewusstsein gerückt worden. Der Bund der Vertriebenen habe die Einrichtung eines „Zentrums gegen Vertreibungen" beschlossen, um aufzuklären, zu sensibilisieren und zur Verhinderung von Vertreibung schon im Vorfeld durch Information beizutragen. 

Walter Stratmann (SN)

 

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Vertreibung
ob überhaupt und wann ?

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Wir leiden darunter, dass das deutschpolnische Verhältnis gleich einem kirchlichen Hochamt gefeiert wird. Sicherlich ist nichts dagegen einzuwenden, wenn es zu symbolträchtigen Begegnungen zwischen den heute handelnden Politikern kommt und dass diese medienwirksam zelebriert werden. Nur darf der schöne Schein nicht gleich für die Wirklichkeit und Wahrheit genommen werden. Die inzwischen erstarrten Rituale lassen sich, da sich Anlässe immer wieder finden, leicht fortsetzen, aber in der Politik selbst, im deutsch-polnischen Verhältnis ändert sich damit nichts, und dies kann nur bedauert werden. 

 

Beispiele aus jüngster Zeit. Am 6. Dezember 2000 war Bundeskanzler Gerhard Schröder in Warschau, sprach im Sejm, was bestimmt eine Auszeichnung gewesen ist, und ehrte den früheren Bundeskanzler Willy Brandt. Er nannte in seiner Rede zwar die Entfesselung des Zweiten Weltkrieges, das Leid des polnischen Volkes und die Geste des Kniefalls von Brandt am 7. Dezember 1972 vor dem Warschauer Ghetto-Denkmal, aber dass es auch nach Ende des Zweiten Weltkrieges die grausame Vertreibung der Deutschen durch Angehörige des polnischen Volkes gegeben hat, wurde totgeschwiegen. Also sollte man zu dem Schluss kommen, dass es außer Krieg, den unmenschlichen Folgen für das polnische Volk bis 1945 und dem Kniefall von Willy Brandt 1972 im deutsch-polnischen Verhältnis nichts Berichtenswertes mehr gegeben hat. 

Assistiert wurde der Bundeskanzler von Manfred Stolpe, dem Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg. Als in der Presse der Text der Rede des Bundeskanzlers vom 6. Dezember in Warschau zu lesen war, konnte man gleichzeitig einen längeren Aufsatz von Manfred Stolpe lesen, in dem gleichfalls vom Zweiten Weltkrieg und den Leiden des polnischen Volkes die Rede gewesen ist, und dann folgte die Huldigung für Willy Brandt, schließlich noch der Ausblick auf eine gute deutsch­polnische Nachbarschaft. Wiederum aber blieb ein Ereignis nicht genannt, das zur Geschichte zwischen Deutschen und Polen gehört, geht man mit der Geschichte ehrlich um: die Vertreibung der Deutschen. 

Warum diese Schönschrift, wenn es um das Verhältnis zwischen Deutschen und Polen geht. Wir wissen, in den Jahrzehnten der kommunistischen Diktatur war das Thema Vertreibung tabuisiert, denn eine Vertreibung der Deutschen durfte es nicht gegeben haben. Das hatte sich bis in die Verlogenheit der deutsch-polnischen, Schulbuchempfehlungen geschichtswidrig fortgesetzt. Aber heute besteht doch gar kein, Grund, aus Gefälligkeit dem polnischen Nachbarn gegenüber zu verschweigen, was ein geschichtsnotorisches Ereignis gewesen ist. In  Polen selbst wird über  die Vertreibung der   Deutschen freimütig geredet und auch debattiert. Noch wird eine unterschiedliche Argumentation vorgetragen, aber Thema und Faktum Vertreibung ist nicht mehr Tabu. Wenn das offizielle Deutschland über die Vertreibung schweigt, so könnte polnischerseits geschlussfolgert werden, besteht doch für uns Polen gar kein Grund mehr, uns mit dem Unrecht und Verbrechen der Vertreibung zu befassen! 

Man sollte sich der deutschen Politik nicht so verhalten, als täte man unserem polnischen Nachbarn einen Gefallen, wenn man erst gar nicht erwähnt, was zwischen Deutschen und Polen die Vergangenheit und die Gegenwart betrifft. Warum tut das die deutsche Politik, dass sie über die Vertreibung der Deutschen hinweggeht, als sei diese gar nicht geschehen. Die Frage kommt hoch: warum redet und handelt die deutsche Politik so, welche Hintergedanken sind hier im Spiel? Was nun einmal geschehen ist, kann nicht ausgeklammert werden, und tut man dies, indem geschwiegen wird, so erwacht auf der anderen Seite Misstrauen, und der Eindruck einer bewussten Unehrlichkeit setzt sich fest. 

Niemand erwartet, dass pathetische Anklagereden gehalten werden, niemand nimmt an, dass ein aggressiver Sprachton erklingen müsste, wenn die Vertreibung beim Namen genannt wird. Aber es ist nicht begreiflich, dass man seitens des offiziellen Deutschlands so tut, als sei man klug beraten, wenn man sich mit der halben Wahrheit bei dem Bericht über das deutsch-polnische Verhältnis begnügt. Hat eine Vertreibung der Deutschen überhaupt stattgefunden und wann, so muss gefragt werden, nachdem so beharrlich geschwiegen wird. 

Aber nicht nur die Vergangenheit darf und sollte erinnert werden, die ungeteilte Vergangenheit, sondern auch die Gegenwart ist mit vielen offenen Fragen zwischen Deutschen und Polen verbunden. Auch darüber zu sprechen, diese Fragen zu thematisieren, Lösungen anzustreben, gehört zum politischen Handwerk. Man hört allerdings nur etwas von einer deutschen Unterstützung und durchaus berechtigten Befürwortung eines Beitritts Polens zur Europäischen Union, aber nichts davon, dass immer noch eine offizielle Verurteilung des Verbrechens der Vertreibung und des Eigentumsentzuges aussteht, dass das Recht auf die Heimat zu den moralischen Verpflichtungen der Mitglieder der Europäischen Union gehört, dass man an die Zweisprachigkeit der Ortsschilder in den von Deutschen bewohnten Gemeinden erinnert, dass die seinerzeitigen deutschen Zwangsarbeiter nicht weiter totgeschwiegen werden. Es dürften nicht immer gleich endgültige Lösungen zu erwarten sein, aber zuerst müssen die offenen Fragen angesprochen und zur Kenntnis genommen werden. 

Warum die permanente Ängstlichkeit, im deutsch-polnischen Verhältnis aufrichtig miteinander umzugehen? Der so gern ausgerollte rote Läufer der Staatsakte muss endlich eingerollt werden, um zur Sache zu kommen. Und diese Sache betrifft die uneingeschränkte Vergangenheit und offene Gegenwart. Die deutschpolnische Nachbarschaft ist in zu hohes Gut, um sie in symbolträchtigen Ritualen erstarren zu lassen, auf Kosten der Ehrlichkeit und Wahrheit. Wir sollten endlich aufhören, immer nur in Schönwetter zu machen.

Herbert Hupka (SN)

 

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Schlesische Notizen


Warum in Oppeln kein Generalkonsulat der Bundesrepublik Deutschland? Während der zweitägigen Darstellung und Diskussion zum Thema „Zehn Jahre deutsche Minderheit", veranstaltet vom „Haus der Deutsch-Polnischen Zusam­menarbeit" in Gleiwitz, fragte der Direk­tor des Hauses, Thaddäus Schäpe: „Warum hat Breslau ein Generalkonsulat, wa­rum hat Krakau ein Generalkonsulat, wo es keine deutsche Minderheit gibt, und ein Goethe-Institut, und warum hat Oppeln, der Mittelpunkt der deutschen Minderheit, lediglich eine Außenstelle?"

 

Kritik am deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrag von 1991. In einem Re­ferat über „Zehn Jahre deutsch-polnische Nachbarschaftsvertrag" führte Heinrich Kroll, Abgeordneter im Warschauer Sejm und Vorsitzender des Bezirks Oppeln der Deutschen Freundschaftskreise, aus: „Die Konstrukteure des Vertrages stütz­ten sich sicherlich auf Erfahrungen der Nachkriegszeit, als sie den in ihrer Heimat verbliebenen Deutschen die gleichen Rechte zugestanden wie den in Deutsch­land lebenden Polen. Diese Uniformität uns gegenüber ist ungerecht. Nur die deutsche Minderheit ist eine echte Minderheit. Demgegenüber können nur wenige Polen in Deutschland, nämlich die von der älte­sten Polonia, als Angehörige einer natio­nalen Minderheit betrachtet werden..." In seiner Rede nannte Heinrich Kroll einige Paragraphen und Absätze aus dem Ver­trag von 1991: Freier Gebrauch der deut­schen Sprache im öffentlichen Leben, also auch in Ämtern, gleichberechtigter Zugang zu den regionalen Medien, Förderung der Identität. Danach muss jedoch gefragt werden: „Inwieweit kommt das alles heu­te zum Tragen, wo man uns mittlerweile schon fast vollständig polonisiert hat und die deutsche Sprache amtlicherseits geradezu als Bedrohung der polnischen Staatsräson angesehen wird."

 

Mutig, die Oder noch Oder zu nennen. Als die überregionale „Frankfurter Allge­meine Zeitung" jüngst auf einer Karten­skizze einen Aufsatz über die Stadt Grün­berg und den traditionellen Weinbau illu­strieren wollte, sollte auch die Oder, auch wenn Grünberg nicht gerade an der Oder liegt, zwischen Glogau und Stettin miteinbezogen werden. Glogau und Stettin wurden zuerst polnisch vorgestellt und die deutschen Bezeichnungen in Klammern nachgeliefert, aber bei Oder und auch Warthe war man offenbar mutiger, denn diese Flüsse wurden nur in deutscher Sprache benannt. Das ist auch richtig. Darum ist zu fragen, warum der offenkundige Mut bei Glogau und Stettin aufgehört hat.

 

Der Breslauer Zoo muss sich der Europäischen Union anpassen. 1863 hat die Geschichte des Breslauer Zoos begonnen. Heute preisen ihn die Polen als den größten Zoo der Republik Polen. Die Wirren der letzten Kriegsmonate in Breslau seit Februar 1945 bedeuteten das gewaltsame Ende der Großraubtiere und auch Elefanten. Das Kamel­und Hirschgehege wurde ein Opfer von Brandbomben. Im Juli 1948 eröffneten die Polen wieder den Zoo. Soll der Zoo den Anforderungen, die von der Europäischen Union gestellt werden, entsprechen, muss er wesentlich erweitert werden. Das sich anbietende Stadion für die Erweiterung scheidet aus. Bereits in Amsterdam, Frankfurt am Main und Stockholm gab es seinerzeit für die Zoologischen Gärten Schwierigkeiten, die inzwischen aber gemeistert worden sind.

 

Das offizielle Deutschland meidet die Deutschen in der Heimat. In einem Rückblick auf das Jahr 2000 stellt ein Mitglied der Deutschen Freundschaftskreise während der Gleiwitzer Tagung über die Minderheit der Deutschen in der Republik Polen die Frage, inwieweit die Existenz der deutschen Minderheit von den in Berlin Regierenden ernst genommen werde. Bruno Kosak, ehedem deutscher Sejmabgeordneter in Warschau, stellte fest: „Im Jahre 2000 haben der polnische Premier und der polnische Staatspräsident mit leitenden Vertretern der Minderheit gesprochen, aber auf deutscher Seite sah sich kein einziger führender Regierungsvertreter zu einem Besuch in Oppeln bereit."

 

Breslauerin in Nürnberg ausgezeichnet. Brigitta Heyduck, 1936 in Breslau geboren, wurde für ihr Lebenswerk als Malerin und Zeichnerin mit dem Kunstpreis der „Nürnberger Nachrichten" ausgezeichnet. Die Künstlerin gehörte bereits zu den Preisträgerinnen des Kulturpreises Schlesien des Landes Niedersachsen. In der Laudatio heißt es: „Brigitta Heyduck war und ist stets einer unaffektierten, sensiblen, besonders seit den 90er Jahren atmosphärisch ungemein dichten Gegenständlichkeit verpflichtet."

 

Nicht der Eichendorff-Chor aus Ratibor, sondern der Caecilien­Chor aus Kranstädt, der gerade seinen 50. Geburtstag hat feiern können, hat die Feier aus Anlass der Enthüllung einer Gedenktafel für den Schriftsteller August Scholtis in seinem Geburtsort Bolatiz im Hultschiner Ländchen musikalisch gestaltet.

SN

 

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Polnisches

 

Zustimmung zum EU-Beitritt Polens unter 50 Prozent. Innerhalb eines halben Jahres ist die Zustimmung zur Europäischen Union um sechs Prozent gesunken. Hauptgegner sind die Anhänger der Bauernpartei, des linken Flügels des Zentrums und der Bürger aus den bis 1945 ostpolnischen Gebieten. Die Zustimmung in den Großstädten wird mit 75 Prozent errechnet. Am höchsten ist der Stand der Ja Stimmen für einen EU-Beitritt im Oppelner Schlesien, wo die Zustimmung für die EU mit 90 Prozent beziffert wird. Für den Fall einer kurzfristig angesetzten Volksabstimmung, so ist errechnet worden, würden weniger als 50 Prozent der Bevölkerung überhaupt mit abstimmen. Als Gründe für diese Einstellung zur EU werden genannt: Unkenntnis, die zögerliche und unentschlossene Haltung der Europäischen Union selbst, die in Polen vorherrschende Traditionsgebundenheit. 

Napoleon und Wilson vor Kohl und Brandt. In der „Süddeutschen Zeitung" verweist deren Warschauer Korrespondent Thomas Urban auf eine Umfrage der Warschauer Wochenschrift „Polityka", als gefragt wurde, wer von den Ausländern sich die größten Verdienste um Polen erworben habe. An der Spitze wurde Napoleon in Erinnerung an das frühe 19. Jahrhundert genannt. Ihm folgt für das 20. Jahrhundert der Präsident der USA, Woodrow Wilson. Auch hier die Honorierung für die Taten zugunsten der Selbständigkeit Polens. „Bester Deutscher auf Rang zehn wurde Helmut Kohl, für die Polen der' Motor der europäischen Einigung' und 'Garant ihrer Mitgliedschaft in der Europäischen Union'. Erst fünf Plätze hinter ihm rangiert sein Vorgänger Willy Brandt." Erklärend heißt es dann, dass Brandt sein Fehlverhalten gegenüber der Gewerkschaft „Solidarität" unter Lech Walesa vorgeworfen werde: „Brandt wollte den Kriegsrechtsgeneral Wojciech Jaruzelski nicht verärgern; außerdem wollten Brandts Berater die Entspannungspolitik nicht gefährden - obwohl diese damals (1985) schon längst tot war." 

Gilt deutsches oder polnisches Arbeitsrecht für polnische Bauarbeiter in der Bundesrepublik Deutschland? Streitfall war die Einklagbarkeit von Überstunden, die von polnischen Arbeitern auf deutschen Baustellen geleistet und zu verrechnen sind. Die Entscheidung des Obersten Gerichts in Warschau hob ein Urteil des Lubliner Gerichts auf, demzufolge der polnische Bauarbeiter die Zahlung für Überstunden nach deutschem Recht geltend gemacht hatte. Das Oberste Gericht stellte nunmehr fest, dass die polnischen Bauarbeiter in Deutschland dem polnischen Arbeitsrecht und nicht deutschen Tarifverträgen unterstehen. Während das polnische Recht von 46 Wochenstunden ausgeht, lautet die Festlegung des deutschen Tarifrechts auf 36 Stunden. Zudem hatte das Lubliner Gericht in dem jetzt kassierten Urteil zugunsten des polnischen Bauarbeiters die Überstundenhonorare nach dem günstigeren polnischen Satz berechnet. Gegenwärtig sind etwa 20 000 Polen als Bauarbeiter in der Bundesrepublik beschäftigt. Hätte das Lubliner Gericht Zustimmung und Bestätigung erhalten, hätte dies eine Flut von finanziellen Forderungen für Überstunden entsprechend dem deutschen Tarifrecht zur Folge gehabt. 

„Wir können die Verantwortung für das geschehene Unrecht und die begangenen Verbrechen nicht von uns weisen". So zu lesen in der Warschauer Zeitung „Zycie". Die Verantwortung der Siegermächte von 1945 wird genau so wenig verschwiegen wie das polnische Verschulden. „Die Alliierten sprachen von einer 'humanitären Aktion', in Wirklichkeit aber interessierte das Schicksal der Deutschen niemanden. Das Leben von Millionen Menschen, die von Ort zu Ort getrieben wurden, bezeichnete man im offiziellen Sprachgebrauch als 'Bevölkerungstransfer'." Die Zahl der Toten während der Vertreibung wird, entsprechend deutschen Berechnungen, für Ostdeutschland mit 400 000 angegeben. Weiter heißt es: „Viele Deutsche landeten in polnischen oder sowjetischen Konzentrationslagern. Die Sterberate unter ihnen betrug 20 Prozent. In dem schlimmsten Lager, in Lamsdorf, lag die Sterbeziffer der Deutschen bei 38 Prozent." Auch wenn wieder zur Begründung der Vertreibung auf die im deutschen Namen begangenen Verbrechen verwiesen wird, bezeugt dieser Satz Klarheit im Urteil des Verbrechens der Vertreibung: „Auch wir Polen können die Ver­antwortung für das geschehene Unrecht und die begangenen Verbrechen nicht von uns weisen." 

Straßenhandel und Supermärkte in Konkurrenz. Die sogenannten Bazare sind in den letzten Jahren in der Zahl etwas ge­ringer geworden, zugleich hat man auf den Ausbau des Straßenhandels Wert gelegt. Aber die Supermärkte sind immer mehr zur Konkurrenz geworden. In einem Bericht von „Zycie Warszawa" war zu lesen: „Die jungen Menschen sind verrückt darauf, in Supermärkten einzukaufen. Das ist ein Element der Massenkultur." Es werden aber auch die Bazare überleben, wie angenommen wird, weil der Kunde die persönliche Beratung der Anonymität vorzieht und für Obst und Gemüse die Frische der Lieferungen attraktiv bleibt.Die nach der Wende ausgebrochene Inflation des Straßenhandels hat inzwischen hr Ende gefunden.

SN

 

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vom 15.Januar 2001
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