Forum der vorgefassten Meinungenen

Die drei Filme des Mitteldeutschen und des Norddeutschen Rundfunks über "Die Vertriebenen ? Hitlers letzte Opfer" waren, auch wenn man da und dort Kritik anmelden musste, um Objektivität bemüht, und es war nur zu begrüßen, dass endlich einmal die Vertreibung der Deutschen aus der Heimat einerseits und andererseits die Eingliederung in den Jahrzehnten nach 1945 in unseren Medien thematisiert worden sind. Phoenix, der um Aktualität bemühte Sender der ARD, überraschte mit dem Angebot einer Diskussion im Anschluss an den letzten und dritten Teil der Sendungen. Dass man deshalb auch die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, Erika Steinbach MdB, zur Diskussion miteingeladen hatte, sollte Fairness demonstrieren, aber das ganze Unternehmen war leider alles andere als fair.

Der bekannte Rundfunk- und Fernsehjournalist Jürgen Engert, inzwischen in Pension gegangen, fungierte als Moderator, aber von einer überparteilichen Führung der Diskussion konnte keine Rede sein, denn hier war einer nicht nur Partei und in ständiger Offensive gegen die BdV Präsidentin agierend, sondern auch noch eifrig darauf bedacht, sich in den Vordergrund zu manipulieren. Ihm assistierte Professor Heinrich August Winkler von der Berliner Humboldt-Universität. Streckenweise führten Winkler und Engert den Dialog für sich, so dass die anderen Mitglieder der Runde, so Professor Wlodzimierz Borodziej und der Journalist des Mitteldeutschen Rundfunks Ullrich Brochhagen kaum zu Worte kamen. Nicht viel besser erging es Erika Steinbach. Sie war nicht nur die einzige Frau unter vier auf Aggressivität eingeschworenen Männern, sondern zugleich auch die einzige Verfechterin des Rechts und der geschichtlichen Wahrheit.

Nicht die Aussagen der drei Filme waren Gegenstand der Diskussion, sondern ausschließlich die Existenz des Bundes der Vertriebenen, dessen Wirken und Wollen, dessen Aussagen und Absichten. Die Formel, die sich der Moderator und die drei Diskutanten geradezu stur zu eigen gemacht hatten, lautete: zuerst waren Adolf Hitler und die Verbrechen, darunter auch das Verbrechen der Vertreibung, weshalb sich das Folgende, die Vertreibung der Deutschen, als logische Konsequenz anschließt. Wie es auch wiederholt aus polnischem Munde zu vernehmen gewesen ist: die Vertreibung ist nichts anderes als eine Kriegsfolge. So auch immer wieder Professor Winkler, während Professor Borodziej den klug klingenden Ausdruck der Komplexität wählte.

Den Herren auf dem Podium schien es bislang ganz entgangen zu sein, dass selbstverständlich die Sprecher der Vertriebenen stets die Verbrechen des deutschen Diktators beim Namen genannt, ausdrücklich verurteilt und verdammt haben. Die BdV-Präsidentin musste hier erst einmal Nachhilfeunterricht erteilen. Aber sie sagte dann auch gleich, dass das Verbrechen des einen nicht das Verbrechen des nächsten rechtfertigen kann und darf. Verbrechen bleibt Verbrechen, und Verbrechen, das heißt Unrecht muss aufgearbeitet werden.

Die drei Filme interessierten offenbar gar nicht. Es sollte vielmehr vorgeführt werden, was dieser Bund der Vertriebenen überhaupt heute noch tue und was er, da er noch existierte, was wohl zu bedauern ist, zu tun habe.

Dann fiel das Stichwort "europäisch", und sofort stürzte man sich darauf, denn die Vertreibung der Deutschen dürfte nur unter dem Vorzeichen europäisch beim Namen genannt werden. Aber als Erika Steinbach an die alle verpflichtende europäische Werte-Ordnung, also auch gültig für die neuen Mitglieder der Europäischen Union, als bindend und verbindlich in einem Satz einführte, ging gleich eine geschlossene Phalanx gegen sie vor. Wie könnte man nur davon reden, denn das widerspräche doch dem europäischen Zusammenschluss. Ängste kämen dann nur bei unseren östlichen Nachbarn hoch, und Professor Borodziej, der sonst kaum das Wort erhielt, führte gleich die doch bekannte Stimmungslage in Polen dagegen an.

Im Recht für das Recht, allein auf der Bühne, so könnte man das Fazit umschreiben, die BdVPräsidentin hat ausgezeichnet und überzeugend argumentiert, sie hat tapfer gestritten und sich -leider als Einzelkämpferin -großartig behauptet. Phoenix bot nach längst bekannter Machart nur ein Forum vorgefasster Meinungen, festgefahrener Vorurteile.

Herbert Hupka (SN)