Der Bundestag
schweigt
von Dr. Herbert Hupka
In
den Medien gab es nach der Debatte im Deutschen Bundestag vom
11. Mai 2001 über das deutsch-polnische Verhältnis
kaum eine Notiz, und dies ist sehr zu bedauern. Polen ist unser
größter östlicher Nachbar, seit zwei Jahren
Bundesgenosse im Verteidigungspakt der NATO und demnächst
gleich uns Mitglied der Europäischen Union. Gegenstand
der Debatte im Bundestag war ein Antrag der CDU/CSU-Fraktion:
"Chancen des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrages
für die Versöhnung stärker nutzen". Nach
einer Einleitung wird in sieben Punkten zusammengefasst: "Der
Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf, sich für
einvernehmliche Lösungen gegenüber der polnischen
Seite im Hinblick auf die folgenden Punkte einzusetzen",
die hier stichwortartig wiedergegeben werden: 1. Wissenschaftliche
Aufarbeitung auch dunkler Kapitel der gemeinsamen Geschichte,
z. Bestandsaufnahme und baldige Rückführung kriegsbedingter
Kulturgüter, 3. Einführung topographischer Bezeichnungen
in den Siedlungsgebieten der deutschen Minderheit in Polen in
deutscher Sprache, 4. Anerkennung deutscher Wehrdienstzeiten,
Zeiten der Kriegsgefangenschaft und Zeiten in polnischen Internierungslagern,
5. Verbreitung des muttersprachlichen Unterrichts für die
deutsche Minderheit in Polen, 6. Niederlassungsfreiheit und
ungehinderter Erwerb von Wohneigentum, 7. Einmal jährlich
gemeinsamer Dialog mit Vertretern der deutschen Minderheit in
Polen, Vertretern der in Deutschland lebenden Polen und Vertretern
der deutschen Heimatvertriebenen.
Mit Ausnahme der
diesen Antrag stellenden CDU/CSU-Fraktion gab es von der SPD
über Bündnis 90/Die Grünen und die FDP bis zur
PDS, der SED-Nachfolgepartei, nur Ablehnung, und der Vertreter
der Bundesregierung, Staatsminister im Auswärtigen Amt,
Dr. Christoph Zöpel schloss sich diesem Nein bereitwillig
an. Wiederholt wurde von den Debattenrednern geradezu boshaft
gefragt, wie sich die CDU/CSU überhaupt erdreisten könne,
einen derartigen Antrag zu stellen. Dr. Helmut Lippelt vom Bündnis
90/Die Grünen fragte: "Haben Ihnen Ihre Polenexperten
nicht gesagt, was für ein Befremden dieser Antrag in der
vorliegenden Form in Polen ausgelöst hat-" Im deutsch-polnischen
Verhältnis ist offenbar die Vergabe von Streicheleinheiten
die gewünschte Praxis des Umgangs miteinander.
Der Sprecher der
FDP, Ulrich Irmer, erinnerte gleich an den Ausbruch des Zweiten
Weltkrieges, denn im deutschpolnischen Verhältnis von heute
habe man diesen ständig zu vergegenwärtigen: "Ich
vermisse den Bezug auf das, was dies alles eigentlich ausgelöst
hat. Es waren doch wir, die Deutschen, die den Krieg vom Zaun
gebrochen haben, die Polen überfallen haben. Ich kann doch
das eine nicht er