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Schlesische Notizen

Haus Wiesenstein in Agnetendorf wird am 11. August eröffnet. Aus den Mitteilungen der Gerhart-Hauptmann-Gesellschaft: "Gerhart Hauptmanns Haus,Wiesenstein', das der Dichter am 10. August 1901 bezog und in dem er bis zu seinem Tode am 6. Juni 1946 lebte, war jahrzehntelang ein polnisches Kindererholungsheim. In den letzten Jahren bemühten sich Polen und Deutsche zielstrebig und erfolgreich darum, es in eine würdige Gerhart-Hauptmann-Gedenkstätte umzuwandeln. Das neue Gerhart-Hauptmann-Haus Hirschberg-Agnetendorf besteht aus einem Gerhart-HauptmannMuseum und einer Begegnungsstätte. Am 11. August 11.00 Uhr wird das GerhartHauptmann-Haus (inoffiziell) eröffnet, mit der Präsentation zweier Ausstellungen: Photo-Ausstellung,100 Jahre Haus Wiesenstein' und Ausstellung ,Schlesische Landschaften' Ölbilder, Pastelle und Aquarelle von Ivo Hauptmann", dem ältesten Sohn des Dichters (1886-1973). "Alle, die an der Eröffnungsveranstaltung teilnehmen möchten, mögen sich an diese Adresse wenden: Dom Gerhart Hauptmann, ul. Michalowica, PL 58-570 Jelenia Gora" in Hirschberg.

Die Finanzierung der Stiftung für Sorben in der Ober- und Niederlausitz beträgt jährlich 32 Millionen DM. Man muss wissen, dass die Zahl der Sorben mit 60 000 fast schon zu hoch gegriffen ist. Jenseits von Oder und Görlitzer Neiße wohnen an die 800 000 Deutsche. Legte man die Zahl der Sorben zugrunde, müssten den Deutschen in der Heimat ungefähr 420 Millionen DM zur Verfügung stehen! Bis jetzt stellt die Bundesregierung den Deutschen jenseits der Oder-Neiße Linie etwa die Hälfte der Summe zur Verfügung, die den Sorben zusteht. Die genannten 32 Millionen setzen sich zusammen aus 16 Millionen Bundesmitteln und aus einer Finanzierung durch den Freistaat Sachsen mit 10,7 Millionen und das Land Brandenburg mit 5,3 Millionen DM. Die Sorge um das Überleben der Minderheit der Sorben ist verständlich, aber wer macht sich Sorgen um das Überleben der Deutschen in der Heimat!

Höchstzahl an ausländischen Investitionen heute in Breslau, wie das "Schlesische Wochenblatt" berichtet. Bei den ausländischen Investitionen überwiegen wie auch in Danzig deutsche Investoren. Die Mitteilung klingt, hoffentlich nicht übertreibend, recht optimistisch: "Die polnischdeutsche Geschichte ist zu einer untrennbaren Einheit verflochten. Davon zeugen nicht nur die Erinnerungen der älteren Generation, sondern mehrere ehemalige deutsche Denkmäler, Bauwerke und religiöse Stätten."

Deutsch bleibt weiterhin verdrängt. In einem vom Museum der Stadt Breslau herausgegebenen Prospekt lesen wir: "Der Sitz des Museums für Kunst ist im jetzigen Rathaus von Breslau, einem für Europa einzigartigen Baudenkmal der gotischen Architektur des Bürgertums." Frage: Welches Bürgertum- Warum die Angst vor der Kennzeichnung des Bürgertums als eines deutschen Bürgertums- "Das Rathaus wurde von etwa 1270 bis 1350 erbaut und im Laufe der Jahrhunderte ständig erweitert und verfeinert. Der 66 m hohe Rathausturm zeigt die älteste Abbildung des traditionsreichsten und bekanntesten Breslauer Stadtwappens aus dem Jahre 1534. Dieses Wappen war durch Kaiser Karl V der Stadt verliehen worden." An anderer Stelle werden heraldische Motive und Symbole "der ehemalig regierenden Könige von Böhmen und Ungarn" genannt. Und wer war Kaiser Karl V, war er nicht deutscher Kaiser des Römischen Reiches deutscher Nation-

Das Jahr 2002 bereits im Visier. Im Geleitwort des Lese-Kalenders "Der gemittliche Schläsinger" (Rübezahl-Kalender) für das Jahr 2002 heißt es: "Der,Gemittliche Schläsinger' liegt nun schon im 22. Jahrgang der neuen Folge vor. Mit diesem Kalender geht der 82. Jahrgang zu den Landsleuten hinaus, 60 Jahrgänge erschienen bis 1942 in der Heimat und nach der Vertreibung 22 neue seit 1981. Nach Veröffentlichung des Gesamtwerkes von Ernst Schenke in den vergangenen 17 Jahrgängen wenden wir uns jetzt der Vielzahl bekannter Mundartdichter, vor allem aus dem 19. Jahrhundert, zu, deren Werke durch die Vertreibung weitgehendst verloren sind, die es jedoch verdienen, für uns alle erhalten zu bleiben." Der Kalender 2002 zählt 146 Seiten und ist erschienen im Schlesierverlag L. Heege, 72760 Reutlingen, Crailsheimer Straße 51.

Evangelische Gottesdienste in der Heimat. "Die Pfarrei von St. Christophori in Breslau ist eine außergewöhnliche Kirchengemeinde und in dieser Art in Polen einzigartig. Der Gemeindebezirk erstreckt sich über ein Gebiet von etwa 180 km Länge und 90 km Breite. Predigstätten sind neben Breslau: Liegnitz, Gremsdorf, Lauban, Bad Warmbrunn, Waldenburg und Schweidnitz. Die liturgische Sprache in den Gottesdiensten, bei den Bibelstunden sowie während der Hausbesuche ist deutsch." Dies die Mitteilung von Pastor Andrzej Fober, der vom Warschauer Konsistorium eingesetzten Seelsorger der deutschen Evangelischen in Niederschlesien. In Breslau ist an jedem Sonntag Gottesdienst in der St. Christophorikirche um 10 Uhr. Gruppen können vorher Kontakt aufnehmen: Pastor Andrzej Fober, ul. Partyzantow 60, PL 51-686 Wroclaw/Breslau, Telefon und Fax: 0048-71-3484598 und 3484407.

Neue Leiterin des deutschen Kulturzentrums in Lubowitz. Über das erst vor kurzem offiziell und festlich neu geschaffene Joseph von Eichendorff Kulturzentrum in Lubowitz, dem Geburtsort des Dichters, war überraschend gemeldet worden, dass der neue Leiter Matthias Lempert bereits nach wenigen Monaten von diesem Posten zurückgetreten ist. Der zurückgetretene Leiter des Kulturzentrums meinte, dass sein Handlungsspielraum eingeengt sei und dass Chancen für die Belebung von Lubowitz nicht genutzt werden sollten. Erfreulich die jüngste Nachricht, dass in Alicja Mainusch eine Nachfolgerin bereits gefunden werden konnte. Die 38-jährige Leiterin des Eichendorff-Zentrums ist bis jetzt Dozentin an der Schlesischen Fachhochschule gewesen.

77.000 Einwohner der Wojewodschaft Oppelner Schlesien arbeiten saisonal bedingt in der Bundesrepublik Deutschland, dies die Feststellung von Professor Robert Rauzinski vom Schlesischen Institut in Oppeln. 600 Millionen DM würden nach seiner Schätzung nach Polen zurückfließen. Kritisch wird angemerkt, dass das Geld gern und meist für ein schöneres Wohnen ausgegeben werde: "In Schlesien müsse man schön wohnen, auf jeden Fall nicht schlechter als der Nachbar, der ja auch auf einer Baustelle in Berlin arbeite." Die Soziologin Violetta Ruszczewska, die über die einheimische Bevölkerung im Oppelner Schlesien geforscht hat, wird mit den Sätzen zitiert: "Früher schloss das Wertesystem der Schlesier die Familie, die Religion und die Wertschätzung der Arbeit ein. Heute leben schlesische Familien getrennt. Die Frömmigkeit, besonders bei der jungen Generation, ist formal und oberflächlich, die Arbeit ist nur dann wichtig, wenn sie Profit bringt." In einer Osterbotschaft hatte Alfons Nossol, Erzbischof der Diözese Oppeln, ein düsteres Bild entworfen: Die Mütter bleiben mit den Kindern zu Hause, während die Männer in Deutschland arbeiten und ihre Angehörigen ein Mal in ein paar Wochen besuchen. Dabei geht schnell verloren, was für die Familien am wichtigsten sei, die Liebe und die Fähigkeit, sich gegenseitig Gefühle zu zeigen." Man nennt dies "die Jagd nach der D-Mark."
SN