|
05 Der polnische Primas von Polen verbindet Entschuldigung mit Vorwürfen. Angesichts der Debatte, die nach Bekanntwerden der Ermordung von 1600 Juden in Jedwabne durch polnische Bürger, ein Ereignis aus dem Jahre 1941, entbrannt ist, hat sich Kardinal Josef Glemp für die polnische Schuldverstrickung entschuldigt, zugleich aber auch jüdische Schuld eingeklagt. Der Polnische Rundfunk meldete: "Kardinal Glemp hat erklärt, ihm sei in Polen keine Aversion gegen den jüdischen Glauben aufgefallen. Gleichwohl verwies er auf den Antipolonismus, den gewisse jüdische Gemeinden derzeit demonstrierten. In einem Interview für die katholische Nachrichtenagentur wirft Kardinal Glemp auch die Frage auf, ob die Juden nicht ebenfalls zugeben sollten, dass sie gegenüber den Polen schuldig geworden seien, insbesondere in der Zeit, da sie mit den Bolschewiken zusammengearbeitet, da sie bei den Deportationen nach Sibirien geholfen, da sie viele Polen ins Gefängnis gebracht und sich am Tod vieler ihrer Landsleute schuldig gemacht hätten. Das Buch ,Nachbarn' von Professor Jan Tomasz Gross sei eindeutig auf Bestellung geschrieben worden. Der These von Gross, das Verbrechen von Jedwabne (10. Juli 1941) sei in den religiösen Unterschieden verwurzelt, stimmt der Primas nicht zu. Nach der Ansicht des Kardinals ist Präsident Aleksander Kwasniewskiformal nicht berechtigt, sich im Namen der Nation zu entschuldigen." Auslandsstudium in Deutschland sehr beliebt. Die Krakauer Zeitung "Dziennik Polski" berichtete: "Das polnische Abitur wird in Deutschland seit 1994 anerkannt. Um einen Studiengang in Deutschland zu belegen, ist eine bestandene Sprachprüfung erforderlich. Diese kann in einer Vertretung des Goethe-Institutes in Polen gegen Gebühr oder in einer der 17 Lyzeen mit zwei Unterrichtssprachen oder in einer der 31 Schulen mit erweitertem Deutschunterricht abgelegt werden, dann kostenlos. Das Studium in Deutschland ist finanziell frei, der Student muss aber für seine Verpflegungskosten aufkommen, und diese werden in den westlichen Bundesländern auf 1200 DM geschätzt. Mit Hilfe des polnischen Bildungsministeriums belegen etwa 1000 Studenten pro Jahr einen Studienplatz im Ausland. Weitere 3500 Studenten nehmen am Studentenaustausch teil. In Krakau ist die Zahl der Angebote für Auslandsstudien vor allem in Deutschland groß, werden doch zum Studium an den Technischen Hochschulen auch diejenigen Studenten zugelassen, deren Zensuren unter dem Durchschnitt sehr gut liegen." Im Vergleich zu Frankreich, England und auch zu den USA stellt sich Deutschland besonders günstig für die Aufnahme des Studiums dar. Das Deutsche Historische Institut in Warschau genießt einen guten Ruf, "nicht nur innerhalb der polnischen Fachhistorie", wie in einem Bericht aus Warschau in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zu lesen war. Ausdrücklich erwähnt werden auch die geisteswissenschaftlichen Nachbardisziplinen wie Politologie, Religionswissenschaft, Philosophie, Literaturwissenschaft. Das Warschauer Institut ist das jüngste nach Rom, Paris und London, erst 1993 ins Leben gerufen. In den ersten fünf Jahren leitete der Osteuropahistoriker Rex Rexhausen das Institut, seit 1998 der Politologe Klaus Ziemer. Es ist entsprechend dem Konzept von Professor Klaus Ziemer, vordem in Trier, an der Zeit "dass viele Deutsche ihr Polenbild an die Wirklichkeit anpassen. Dabei setzt er vor allem auf die Arbeit von Pädagogen. Er und seine Mitarbeiter halten an der Universität Warschau Vorlesungen und Seminare in polnischer Sprache, haben also schon allein dadurch am polnischen Wissenschaftsgeschehen Anteil." LOT spricht deutsch. Die polnische Luftverkehrsgesellschaft LOT kennt in ihren groß aufgemachten Anzeigen in der deutschen Presse aus gutem Grund ausschließlich die deutschen Ortsnamen für die angeflogenen Ziele: "Das ist wirklich erstklassig! Denn jetzt fliegen Sie täglich mit LOT direkt: von Frankfurt nach Warschau, Krakau, Breslau und Danzig; von München nach Warschau und Kattowitz; von Düsseldorf nach Warschau und Posen..." In keiner Zeile dieser Werbung werden andere als die deutschen Namen nicht nur für Warschau und Krakau, sondern auch für Breslau und Kattowitz, Danzig und Posen genannt. Die deutschen Medien sollten sich beeilen, endlich mitzukommen. Auch in Breslau Erwerb von Wohnungen durch Ausländer keine Seltenheit mehr, wie es aufgrund einer Aussage des Immobilienhändlers Jerzy Kaskala in der Zeitung "Gazeta Wyborcza" heißt. Zu Beginn des Artikels wird festgestellt: "Ausländer kaufen immer mehr Wohnungen in Polen, aber nach wie vor kann keine Rede von einem Massenausverkauf an Ausländer sein." Auch aus Breslau wird gemeldet, dass der Erwerb von Wohnungen durch Ausländer zwar keine Seltenheit mehr ist, aber auch nicht so häufig passiert. Ausländer kaufen in Breslau "meistens Luxuswohnungen in Neubauten und alte Wohnungen in Häusern, die vor dem Zweiten Weltkrieg erbaut worden sind. Wohnungen in Breslau werden vor allem durch Holländer, Italiener, Deutsche und Belgier erworben." Das Veto des Staatspräsidenten gegen
das Reprivatisierungsgesetz rechtskräftig. Das Stimmenverhältnis
im Warschauer Sejm lautete so: 211 Abgeordnete stimmten gegen
das Veto des Staatspräsidenten, 207 Abgeordnete dafür.
Aber das Veto kann nur mit einer Dreifünftel-Mehrheit außer
Kraft gesetzt werden. Zur Begründung des Vetos wurde erneut
aus dem Amt des Staatspräsidenten verlautbart, dass das
Reprivatisierungsgesetz "gegen die Prinzipien der sozialen
Gerechtigkeit und die Gleichheit der Bürger vor dem Gesetz"
verstoße, außerdem schade es "dem grundliegenden
Interesse aller Polen, der Schaffung möglichst guter Voraussetzungen
für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes." In
einer Protesterklärung war zu hören: "Polen ist
kein Rechtsstaat, er achtet nicht das ehemalige Privateigentum,
sondern das neue Eigentum der postkommunistischen Nomenklatura."
Es sind bereits Gerichtsprozesse angekündigt, sogar die
Zahl von 100 000 derartiger Prozesse wurde genannt. In dem jetzt
verworfenen Reprivatisierungsgesetz war bekanntlich die Einbeziehung
deutscher Rechtsansprüche bewusst ausgeschlossen worden. |