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Hausordnung
nach Kopenhagener Kriterien
Mit viel Beifall ist Staatsminister
Günther Beckstein bedacht worden, als er im Rahmen der
Großkundgebung anläßlich des Deutschlandtreffens
der Schlesier die Nürnberger Frankenhalle betrat. Dort
überbrachte der Bayerische Innenminister und stellvertretende
Ministerpräsident die Grüße Edmund Stoibers
und der Bayerischen Staatsregierung.
Direkt zu Beginn seiner Rede versicherte er den Schlesiern,
auch weiterhin zur Landsmannschaft Schlesien zu stehen, was
auch die erneute finanzielle Beteiligung an dem Deutschlandtreffen
deutlich mache. Für die Zukunft kündigte er die Fortsetzung
der treuen Partnerschaft an und sparte in diesem Zusammenhang
nicht an Kritik an Bundeskanzler Schröder, fiel doch in
dessen Zeit als Ministerpräsident Niedersachsens die Aussetzung
der patenschaftlichen Unterstützung.
Günther Beckstein warnte davor, die deutschen Verbrechen
des Zweiten Weltkrieges und die Vertreibungsverbrechen miteinander
aufzurechnen. Er legte ein deutliches Bekenntnis zur Aufarbeitung
des NS-Unrechts ab. "Es muss aber auch das Vertreibungsunrecht
genannt werden," fügte er hinzu. Als Einige in der
Halle mit Unmutsäußerungen reagierten, kanzelte Beckstein
diese ab: "Ich lasse mich auch nicht von einigen wenigen
Rechtsradikalen in ihren Reihen beirren, die ihrer Sache sehr
schaden." "Die Menschen in Europa haben dann eine
gute Zukunft, wenn überall das Recht auf die Heimat geachtet
und Vertreibung geächtet wird," forderte Staatsminister
Beckstein. In ganz Europa müsse eine Hausordnung nach den
Kopenhagener Kriterien herrschen, das heißt "Vertreibungsdekrete,
in welchem Land auch immer, haben keinen Platz in diesem Europa."
Bezugnehmend auf das historische Umfeld, in dem die Dekrete
entstanden sind, zitierte er den ehemaligen Bundespräsidenten
Roman Herzog wörtlich: "Aber wahr ist auch, weder
deutsche Kriegsschuld noch der Nationalsozialismus waren eine
Rechtfertigung für die Vertreibung von Millionen Deutschen."
Den Schlesiern sprach Günther Beckstein die Fähigkeit
zum Dialog zu. In diesem Zusammenhang lobte er das Lebenswerk
Herbert Hupkas, der heute ein gerngesehener Gesprächspartner
in Polen sei. "Sie haben den Dialog mit der polnischen
Regierung gesucht."
Intensiv befasste sich der Bayerische Innenminister mit der
praktischen, grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, wie
sie vor allem mit, für und durch die deutsche Minderheit
in Schlesien geleistet werde. Gerne fördere der Freistaat
Bayern daher die Fortbildung von Deutschlehrern aus Oberschlesien,
es freue ihn, wenn durch die Unterstützung kultureller
Austausch stattfinden könnte, schlesische Musikgruppen
nach Bayern und bayerische nach Schlesien führen. Zum Schluss
wies er auf das Bemühen hin, in bayerischen Schulen die
Geschichte des deutschen Ostens zu lehren. Dabei berief er sich
mit einem Zitat auf Johann Wolfgang von Goethe: "Wer nicht
von 3000 Jahren sich weiß Rechenschaft zu geben, bleibt
im Dunkeln unerfahren, mag von Tag zu Tag leben."
Thomas Helm (SN)