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05 Die Angst der Lufthansa, Breslau so zu nennen. Man glaubt es kaum, die polnische Fluglinie LOT hat die deutsche Lufthansa längst überholt, jedenfalls gilt das für die Nennung der deutschen Ortsnamen von Breslau, Danzig oder Posen. Polnischerseits werden die Flüge nach Breslau, Danzig oder Posen ausschließlich mit deutscher Benennung in großen Anzeigen angekündigt, aber für die deutsche Lufthansa ist es bei Breslau, Danzig und Posen anders. Breslau ist weder bei der Ankündigung der Flüge von Frankfurt am Main oder Köln noch im Verzeichnis "City + Airport Information" unter dem deutschen Namen Breslau zu entdecken, sondern nur unter Wroclaw/Breslau. Warschau ergeht es bei der Lufthansa weit besser, denn die Ortsangabe findet sich unter dem deutschen Namen für Polens Hauptstadt Warschau/Warsaw, also deutsch und englisch, wie es international der Brauch ist. Warum ist von diesem internationalen Brauch ausgerechnet Breslau ausgeschlossen, zusammen mit Danzig und Posen? Es wird hier ein dickes Fragezeichen gesetzt, aber nicht nur das, es wird mit Empörung protestiert. Löbliche Wiederkehr Schlesiens im Rätsel. Eine große Sonntagszeitung fragt in ihrem Kreuzworträtsel gelegentlich auch nach Schlesien, nach einen Nebenfluss der Oder, nach einer Stadt am Bober, nach Städten an der Oder. Jedenfalls hießen dann die Lösungen Boben, Sagan, Cosel. Hoffentlich eine Wiederentdeckung und nicht etwa das Einblenden ins Unbekannte, Rätselhafte. "Sie sind unschuldig, sie sind keine Täter". In der Beilage "Aus Politik und Zeitgeschehen" der Zeitschrift des Deutschen Bundestages "Das Parlament" wird ein Aufsatz von Professor Dr. Horst Möller, Direktor des Münchner Instituts für Zeitgeschichte, veröffentlicht, Titel "Erinnerung(en), Geschichte, Identität". Wir lesen über die Vertreibung der Deutschen: "Mehr als zwei Millionen Menschen ? vor allem Frauen, Kinder und Greise ? die wie die Opfer des NS?Regimes unschuldig waren, aber auf der Flucht vor der Roten Armee bzw. durch direkte Gewalteinwirkung während der Vertreibung umkamen. Sie hatten weder in Oradour?sur?Glan noch in Lidine, noch in Auschwitz oder BergenBelsen gemordet; sie sind an dem vom NS?Regime begangenen deutschen Verbrechen unschuldig, sie sind keine Täter." Professor Möller spricht in diesem Aufsatz von einer "moralisch außerordentlich problematischen Argumentation, aber auch politisch fatal, weil sie eine Form umgekehrter,Sippenhaft' konstruiert; sie ist zynisch, weil sie über das Leid von Millionen hinweggeht, als existierte es nicht (damit buchstäblich über Leichen geht); sie ist agitatorisch, weil sie die Nennung von historischen Fakten als ,Aufrechnung' bezeichnet." Das Grab eines Schlesischen Emigranten bleibt unversorgt, weil die gegenwärtige Bundesregierung seit zwei Jahren kein Geld mehr ausgeben will. Es handelt sich um das Grab von Max Herrmann Neiße, am 23. Mai 1886 in Neiße geboren, im März 1933 in die Emigration gegangen, am B. April 1941 in London gestorben. Er war ein großartiger Lyriker. Auf seine Ausbürgerung durch den Nationalsozialismus antwortete er mit dem Gedicht: "Ewige Heimat" und den Versen "Was man liebt, kann nicht vergehen: / heimatlich vertraute Töne/ überall uns treu umwehen;/ denn die Heimat bleibt bestehen/ in dem Lied verstoßener Söhne". In der Fragestunde des Deutschen Bundestages wurde gegenüber Hartmut Koschyk MdB (CSU) die bereits der Landsmannschaft Schlesien übermittelte Antwort wiederholt: man habe für die Grabpflege kein Geld mehr (!). Aber die Landsmannschaft Schlesien "möge die Botschaft (in London) bei ihrem Bemühen, private Förderer für die Pflege des Grabes zu finden, unterstützen." Zur sogenannten Bewältigung der Vergangenheit, von der gerade offiziell ständig die Rede ist, gehört das Emigrantengrab nicht mehr. So wird moralisch gelogen. Und die Frage, ob und wie sich denn die Botschaft in London bislang, weil jetzt als "vergeblich" registriert, um die weitere Pflege des Grabes dieses großen Poeten aus schlesischer Wurzel auch wirklich bemüht hat? Noch eine Korrektur: der Name des Dichters wurde leider (wieder einmal) verkehrt geschrieben! Ein neues (altes) Haus als Begegnungsstätte
in Benkowitz im Kreise Ratibor feierlich eröffnet.
Neben Johannes Kroll ist Blasius Hanczuch als Gründer der
Deutschen Freundschaftskreise zu nennen, der eine im nördlichen,
der andere im südlichen Oberschlesien. Jetzt ist es Blasius
Hanczuch gelungen, in den Räumen eines Klosters aus dem
19. Jahrhundert ein "Begegnungshaus" in geradezu vorbildlicher
Eigenleistung zu eröffnen. Es soll eine "Geschichtswerkstatt"
werden, zusammen mit einer Bibliothek. Es geht darum, die jahrzehntelang
den Deutschen verweigerte Identität nicht nur wiederzufinden,
sondern vor allem der jungen Generation zu übermitteln.
Aber die Räume sorgen auch für das Miteinander als
Deutsche und das heißt als Minderheit im Volk der Mehrheit.
Bis zum Jahre 2000 war Blasius Hanczuch Vorsitzender der Deutschen
Freundschaftskreise im Bezirk Kattowitz, heute Wojewodschaft
Schlesien. Seine Nachfolgerin im Amt, Lidia Burdzik, war an
der festlichen Eröffnung des Begegnungshauses Benkowitz
mitbeteiligt. |