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25. März 2002
Notizen
Krankheitsbedingt waren die Buchpräsentationstermine mit Dr. Herbert Hupka am 11. und 12. März leider ausgefallen. Das hielt Aktivisten der "Jungen Demokraten", des Jugendverbandes der AW S, nicht davon ab, am geplanten Veranstaltungsort in Oppeln gegen Herbert Hupka zu demonstrieren. Herbert Hupka stellt nun die polnische Übersetzung seiner Lebenserinnerungen am 6. Mai um 11.00 Uhr im Kulturzentrum Ratibor, ul. Chopina 21, am 7. Mai um 17.00 Uhr in Gleiwitz im HDPZ (Haus der deutsch-polnischen Zusammenarbeit), ul. Rybnicka 27 und am B. Mai um 12.00 Uhr in der Wojewodschaftshauptbibliothek Oppeln, ul. Strzelcow Bytomskich vor.

Wie die "Post von Goethe" des mit Vermittlung deutscher Kultur antretenden GoetheInstituts / Inter Nationes Krakau (Rynek Glowny, 31-008 Krakau, Tel. 012/4225829 und 4226902, [email protected]) mitteilte, sollte der Autor Thomas Brussig am 25. März in "Opole" aus seinen Werken lesen, während eine zweite Veranstaltung übrigens in Krakau und auch nicht in "Krakow" angekündigt wurde. Auf diese Fragwürdigkeit in einer E-Mail hingewiesen, erhielt die Redaktion von der Leiterin der Spracharbeit(!) des Instituts Dr. Monika Rauen die patzige Antwort: "Ich bedauere, dass unser ,Blatt' Ihnen Ärger verursacht hat. Sie haben in der Sache Recht: Warum Opole und nicht Krakow- Nun, dies ist zunächst daraus zu erklären, dass man sich schon vor Jahren für den Gesamtnamen Goethe-Institut Krakau neben dem Logo entschieden hat, wenn es um die Briefköpfe usw. geht. Dies ist uns so geläufig, dass wir es immer so anwenden. Nun werden wir aber genauer sein und bei Veranstaltungen Krakow angeben. Ich hoffe, dass diese Erklärung für Sie nachvollziehbar ist".

Helmut Müller vom Christlich Sozialen Bildungswerk Sachsen (CSB) wurde zum Ehrenbürger von Leschnitz ernannt. Mit der Auszeichnung wird Müller für sein langjähriges Wirken im Rahmen landwirtschaftlicher Unterstützungen und im Bereich des Jugendaustausches geehrt.

Unter dem Motto "Gemeinsame Geschichte, gemeinsame Zukunft" fand am z. und 3. März in Suhl ein vom BdV-Landesverband Thüringen veranstaltetes Seminar für Geografie-, Geschichts- und Deutschlehrer statt, an dem auch drei Lehrerinnen der Arbeitsgemeinschaft Schlesischer Deutschlehrer teilnahmen. Unter anderem wurde die Darstellung von Flucht und Vertreibung im Unterricht erörtert.

"Mit welcher Nationalität werden die Mitglieder der Bewegung für die Autonomie Schlesiens (BAS) seitens der Behörden erfasst, die bei der Volkszählung angeben, Angehörige der nicht anerkannten "Schlesischen Nationalität" zu sein'-" Diese Frage hat der BAS-Vorsitzende Jerzy Gorzelik aufgeworfen. Ihm sei mitgeteilt worden, dass die betreffenden Personen "einer anderen Nationalität" - man kann unterstellen der polnischen - zugeordnet werden, da der offizielle Fragebogen zunächst nur 11 Nationalitäten kannte. Mittlerweile soll angeblich der Fragepunkt auf Nationalitäten und "ethnische Gruppen" ausgeweitet worden sein, wodurch sich ein seitens der BAS angekündigter Volkszählungsboykott erübrigt haben dürfte. Die BAS hatte sogar eine Klage erwogen.

Am 27. April werden im Hindenburger Haus für Musik und Tanz die Sängerin Bianca, die Wildecker Herzbuben und der Panflötist Edward Simoni auftreten. Karten sind am Veranstaltungsort, beim Club Silesius'in Oppeln, ul. Szpitalna 7a und bei der Bezirksgeschäftsstelle der Deutschen in Ratibor, ul. Wczasowa 3a (Tel. 032/7-8181086) erhältlich.

Bereits am 31. Januar wurden drei Schulen aus Nordrhein-Westfalen, die zu Schulen in der Partnerwojewodschaft "Schlesien" (Kattowitz) Schulpartnerschaften unterhalten, im Rahmen eines Ideenwettbewerbes von der Landeseuropaministerin Kraft ausgezeichnet. Der erste Preis in Höhe von 2000,- DM ging an die Realschule Rheinberg, deren Schüler mit ihren Altersgenossen des katholischen Gymnasiums Hindenburg einen deutsch-polnischen Reiseführer erstellen. Jeweils 1000,- DM Projektförderung erhalten das `Schillergymnasium Münster, das mit dem IV Lyzeum in Kattowitz gemeinsame Filmprojekte durchführt und das Ricarda-Huch-Gymnasium Gelsenkirchen, das eine Partnerschaft zum (außerhalb der historischen Grenzen Schlesiens befindlichen) Lyzeum Wojkowic unterhält. Trotz der seit 1. September 2000 bestehenden Partnerschaft zwischen Nordrhein-Westfalen und "Schlesien" beziehen sich nur 16 der insgesamt 150 bestehenden Schulpartnerschaften aus Nordrhein-Westfalens zu polnischen Schulen auf Schulen der Partnerwoj ewodschaft.

Der Vorsitzende der Stiftung für die Entwicklung Schlesiens und Förderung Lokaler Initiativen (SES), Heinrich Juretko, gab auf einer Pressekonferenz am 25. März in Oppeln bekannt, dass aus Darlehenstilgungen im vergangenen Jahr fast 60 Mio. Zloty zurückgeflossen seien. Die finanzielle Ausstattung der SES soll in diesem Jahr helfen, Gemeinden die bei der Abrufung von EU-Fördergeldern 25% Eigenmittel beisteuern müssen, zu entlasten.


Das St. Anna-Sanktuariums, das sich den Erhalt des St. Annaberger Sanktuariums zum Ziel setzt, hat eine neue Kontoverbindung, auf der Spenden entgegenommen werden: Bank Zachodni W K B S.A. I oddz. Groß Strehlitz 33 1090 2239 0000 0005 7603 2773.

Auf der 29. Verbandsratssitzung des landesweiten Zusammenschlusses der deutschen Minderheit in Polen (VdG) am 9. März in Lodsch äußerte der deutsche Botschaftskulturattache Torsten Göhler, dass vom Umfang des sich bei der anstehenden Volkszählung zur Minderheit bekennenden Personenkreises auch der Umfang ihrer weiteren Finanzierung abhängen könne. Vor diesem Hintergrund gewinnt der Appell der Delegierten an die polnische Regierung Bedeutung, dass diese ihre beabsichtigte Kürzung kultureller Fördermittel überdenken solle. VdG-Präsident Friedrich Petrach zeigte sich optimistisch, dass die letztes Jahr gescheiterte Einweihung des symbolischen Friedhofes für die Nachkriegsopfer des Lagers Lamsdorf nun auf einem guten Weg sei. Hingegen sei angesichts fehlender Mittel in naher Zukunft nicht an die Realisierung eines Museums und einer Forschungseinrichtung in Trägerschaft der Minderheit in Oberschlesien zu denken.

Am 9. März berichtete die "Gazeta Wyborcza" über eine sensationelle Entdeckung. Inder Kunstsammlung der polnischen Millionärin Barbara Piasecka-Johnson fanden Experten der Warschauer Nationalbibliothek ein unschätzbares wertvolles Dokument - das deutsch verfasste "Urkundenbuch der Stadt Leobschütz"aus dem Jahr 1421. Dr. Müchal Kaczmarek vom Breslauer Architekturmuseum hob hervor, dass es unter den Quellen zur Geschichte des schlesischen Mittelalters bislang an solch reich illustrierten Relikten aus diesem Teil Schlesiens fehle. Die Handschrift enthält mehrere Illustrationen, die das alltägliche Leben im Leobschützer Gebiet darstellen, was den Historikern neue Perspektiven öffnet. Außerdem war "das Urkundenbuch" bislang nur teilweise veröffentlicht - und zwar in verschiedenen deutschen Aufsätzen vom Ende des 19. Jahrhunderts und den 1930er Jahren. Prof. Bronislaw Geremek, Mediävist und ehemaliger Außenminister, äußerte, dass die Polnische Wissenschaftsakademie (PAN) ein Colloquium unter Beteiligung deutscher Fachkollegen organisieren sollte, um das Wissen über der Wichtigkeit des Fundes zu unterstreichen. Da Barbara Piasecka-Johnson den Verkauf des Buches beabsichtigt, befürchtet die "Gazeta Wyborcza", dass das Urkundenbuch nach dem Verkauf illegal aus Polen verschwindet.

Am 11. März 2002 wurde der in Soest/Westfalen geborene Hendrik Foth, Rechtsanwalt und Notar sowie Juradozent an der Düsseldorfer Universität (Homepage: www.foth.de), zum Ehrendoktor der Oppelner Universität ernannt. Foth hatte 100.000 Euro für die Instandsetzung der St. Adalbert Kapelle am neuen Universitätsgebäude in Oppeln gespendet. Der erst 35jährige Foth ist der bislang jüngste Ehrendoktor und der 14. nach Alfons Nossol, Gerhard Nickel, Kazimierz Kutz, Stansilaw Lern, Ryszard Kaczorowski, Wojciech Kilar, Tadeusz Rozewicz, Janusz Tazbir, Adam Hanuszkiewicz, Jaroslav Panek, Wojciech Wrzesinski, Karl Lehmann, Miloslau Vlk und Zbigniew Religa.

Die renommierte französische Zeitung Le Monde hat in ihrer Ausgabe vom B. März über die deutsche Minderheit im tschechischen Hultschiner Ländchen berichtet, das einst ein Teil des preußischen Oberschlesiens war.

Steht Peter Baron wieder einmal auf der Abschussliste- Diesen Eindruck zumindest erweckt das Studium des Schlesischen Wochenblatts, der Zeitung der Minderheit. Aus gleich zwei Artikeln der Ausgabe vom 8.-14. März über Kreisjahreshauptversammlungen der Minderheit in den Kreisen Oppeln und Groß Strehlitz ist erhebliche Kritik am Vorsitzenden der Deutschen Bildungsgesellschaft herauszulesen. In Oppeln regte sich Unmut über die Bildungsgesellschaft, da diese angeblich nicht ausreichend über Studienstipendien informiere. In Groß Strehlitz bemängelte Landrat Mateja, dass der Kreis seit zwei Jahren ergebnislos versuche, über die Bildungsgesellschaft deutsche Lehrbücher für die zweisprachige Klasse zu erhalten. In der darauffolgenden Ausgabe konterte Baron in einem Interview, dass sich bis auf den Kreis Groß Strehlitz und zwei Gemeinden andere minderheitsregierte Kommunen nicht einmal an einem Finanzierungspool zur Vorbereitung von deutschsprachigen Unterrichtsbüchern beteiligten

Der Vorsitzende der deutschen Sejmikfraktion in der Wojewodschaft Oppeln, Josef Kotys, stellte hinsichtlich der Regierungskrise im Sejmik (Landtag) fest, dass neben der Fortführung der Koalition mit der AWS, der Freiheitsunion und der Bürgerplattform auch eine große Koalition unter Einschluss der SLD oder auch ein gänzlicher Wechsel des Koalitionspartners sprich eine Koalition mit der SLD in Frage komme. Laut Prognosen wird die SLD, die bereits einen Antrag auf Abberufung von Marschalls Jalowiecki eingebracht hat, Sieger der anstehenden Kommunalwahl sein. Der Vorsitzende der Deutschen im Oppelner Land, Heinrich Kroll, sieht im Falle einer Verweigerung der Koalitionsoption die Gefahr, dass ein Machtvakuum die Existenz der Wojewodschaft bedrohen könne.

In einem Essay im polnischen Politmagazin "Polityka" vom z. März greift Adam Krzeminski die Diskussion um die mögliche Benennung eines vereinten Bundeslandes Berlin-Brandenburg unter dem Namen Preußen auf. Unter dem Titel "Preußen - das sind wir" kommt Krzeminski zu dem Ergebnis, dass Preußen bzw. Regionen, "deren Polentum in der Dämmerung des Mittelalters verschwand", noch heute regionalgeschichtliche Probleme verursachen. So werde in vielen Museen nach wie vor der Eindruck erweckt, Boleslaw Bierut sei ein Enkel von Boleslaus Schiefmund. Je mehr sich Polen allen Facetten seiner Westgebiete öffne, müsse man gewissermaßen sagen: "Das Preußen von heute sind wir".

Innerhalb der Wojcwodschaft Oppeln sind die Gebiete, in denen nahezu keine deutsche Bevölkerung mehr ansässig ist, am stärksten von der weiter steigenden Arbeitslosigkeit betroffen. Die höchste Arbeitslosenquote herrscht in den Kreisen Neisse (28,2%), Brieg (27,1%), Namslau (26,7%) und Leobschütz (21 %); mit 24,1 % ist zudem der teilweise von Deutschen bewohnte Kreis Kreuzburg ebenfalls stark betroffen. Die übrigen Kreise verfügen über eine vergleichsweise "geringe" Arbeitslosenquote: Neustadt O.S. (17,0%), Oppeln (16,1%), Groß Strehlitz (15,7%), Krappitz (14,2%), Kandrzin-Cosel (13,3%) und Rosenberg (12,1%). In der kreisfreien Stadt Oppeln ist die Arbeitslosenquote mit 10,2% am niedrigsten.

Das Haus der deutsch-polnischen Zusammenarbeit (HDPZ) in Gleiwitz (ul. Rybnicka 27, 44-100 Gliwice, Tel. 032/2324902) veranstaltet im Rahmen des Projektes Lokale Geschichte am 28. März in Pawlowiztke/Gnadenfeld einen Vortrag zum Thema "Entwicklung der regionalen und lokalen Presse in Oberschlesien mit besonderer Berücksichtigung von Pawlowitzke". Das HDPZ richtet außerdem am 28. März in der Wojewodschaftsbibliothek Oppeln das Seminar "Politik und Programme der EU bezüglich der Jugendlichen" im Rahmen des Projektes zum Aufbau lokaler Euro-InfoPoints an Stadt- und Gemeindebibliotheken der Wojewodschaft Oppeln und am gleichen Tag in Gleiwitz einen deutschen Filmabend mit dem Film "In weiter Ferne, so nah" von Wim Wenders aus.

Am 8. März überreichte der Unterstaatssekretär im bayrischen Kultusministerium, Norbert Willisch, 400 Exemplare des zweisprachigen Buches "Joseph von Eichendorn- Ein Lebensbild - Obraz Zycia", die von der Bayrischen Staatsregierung gesponsort wurden und an oberschlesischen bilinguale Schulen eingesetzt werden sollen, an Vertreter der Wojewodschaften Oppeln und "Schlesien" (Kattowitz).