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05 "Warum sollte es nicht einmal einen Schlesiertag in Schlesien geben-" so fragt Bayerns Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber in einem Grußwort aus Anlass der 50-Jahr-Feier der "Riesengebirgs Trachtengruppe München" und fährt fort: "Das wäre ein Tag, den alle Freunde eines einigen Europa feiern könnten Deutsche und Polen." Der Oppositionsführer im Niedersächsischen Landtag und CDUVorsitzender in Niedersachsen, Christian Wulff, drückte Wunsch, Forderung und Hoffnung dadurch aus, dass das Deutschlandtreffen der Schlesier" wieder in Hannover stattfinden sollte. Es gelte, die Patenschaft des Landes Niedersachsen für Schlesien auch mit diesem Schritt immer wieder neu zu beleben." Nobelpreisträger Günter Blobel Ehrenbürger seines Geburtsortes Waltersdorf. In Waltersdorf im Kreise Sprottau geboren (er ist gerade 65 Jahre alt geworden), wurde des Nobelpreisträger für Physik des Jahres 1999 von der jetzt polnischen Gemeinde und dem Bürgermeister Marek Szylinczuk in ebenso würdiger wie feierlicher Weise geehrt. Im Sitzungssaal des Gemeinderates wurde Günter Blobel am 29. Mai die Ehrenbürgerschaft verliehen. "Die Gemeinde Waltersdorf hatte sich sorgfältig", wie im "Schlesischen Wochenblatt" berichtet worden ist, auf den Besuch vorbereitet. An der Hauswand des renommierten Postgebäudes, in dem der Nobelpreisträger zur Welt kam, wurde eine Ehrentafel angebracht. In goldenen Lettern ist zu lesen: "In diesem Haus wurde am 21. Mai 1936 Professor Dr. Günter Blobel, Träger des Nobelpreises, geboren!" Mit seiner Frau, einer Italienerin, und zwei älteren Brüdern sowie Schulfreunden stattete Günter Blobel seinen Besuch im Geburtsort ab. Acht Tage zuvor war der Nobelpreisträger von der Technischen Universität Bergakademie zu Freiberg mit der Würde eines Ehrendoktors geehrt worden. Nach der Flucht mit den Eltern und Geschwistern im Februar 1945 und der dann verweigerten Rückkehr in die Heimat hatte Günter Blobel in der sächsischen Stadt Freiberg das Gymnasium besucht und sein Abitur gemacht. Heute lebt Günter Blobel in New York. Das Minderheitengesetz ist "auf eine Sandbank gelaufen", wie Dr. Josef Gonschior, zehn Jahre Geschäftsführer des Bezirks Kattowitz der Deutschen Freundschaftskreise, in der Zweimonatsschrift "Minor", der Heimat- und Bezirkszeitung der Deutschsprachigen im Hultschiner Ländchen und Umgebung, erklärt. Während der jetzt auslaufenden Legislaturperiode des polnischen Sejms ist es zu keiner abschließenden Beratung und Beschlussfassung gekommen. Zum Konzept für die Zukunft gehöre vor allem, so Josef Gonschior, "die Rückkehr der deutschen Sprache in die deutsche Volksgruppe. Das wollen wir durch unsere Forderungen gegenüber der polnischen Regierung erreichen: 1. einen rechtlich gesicherten Deutschunterricht in den Kindergärten einzuführen in Form von bilingualer Beschäftigung mit den Kindern; z. die Anzahl der Deutschunterrichtsstunden in Grund- und Oberschulen von drei auf mindestens sechs zu erhöhen; 3. die Ausbildung von bilingualen Lehrern zu gewährleisten, um die Entwicklung dieser Art von Unterricht zu ermöglichen; 4. Deutsch als anerkannte sogenannte Nebensprache in den Ballungsgebieten der deutschen Volksgruppe. Die Kandidaten für die Wahl zum Sejm am 23. September im Oppelner Schlesien ernannt. Die Liste wird angeführt von den schon jetzt dem Parlament angehörenden Abgeordneten Heinrich Kroll (Krappitz) und Helmut Pazdzior (Groß Strehlitz). Es folgen Ryszard Gala, Vizepräsident des Sejmik, Landesparlament des Oppelner Schlesiens (Oppeln Land) und Edward Flak, gleichfalls Mitglied des Sejmik (Rosenberg). Die Liste zählt 26 Namen. Man baut darauf, dass jetzt mehr als nur zwei Deutsche ins polnische Parlament einziehen werden. 1997 waren nicht nur zwei Sitze im Sejm verloren gegangen, sondern auch für den Senat konnte kein Deutscher durchgebracht werden. Man hofft, dass die Deutschen auch im Senat wieder präsent sein werden. Pater Gerhard Leisner predigt das Wort Gottes in deutscher Sprache in Niederschlesien. Den 50. Jahrestag seiner Weihe zum Priester konnte Pater Leisner, Mitglied des Ordens der Franziskaner sowohl im Kloster Breslau-Karlowitz als auch in der Hedwigskapelle (unweit des Breslauer Doms, ul. Sepa Szarzynskiego) feiern. Jeden Sonntag hält er den deutschsprachigen Gottesdienst um 10 Uhr in der Hedwigskapelle. Dann geht es in einem gut ausgeklügelten Wechsel zu deutschsprachigen Gottesdiensten nach Schweidnitz, Liegnitz und Waldenburg. Im August kommen noch Hirschberg und Landeshut hinzu. " Am schlimmsten ist es im Winter, wenn man über den Landshuter Pass fahren muss", dies ein Kommentar von Pater Leisner. Die Deutschen in Niederschlesien sind Pater Gerhard Leisner für seinen selbstlosen Einsatz zum Segen der deutschen Bewohner im Land sehr dankbar. Darum auch die herzlichsten Segens- und Glückwünsche zum priesterlichen Jubiläum. Bild des Schlesier Otto Mueller für eine Million DM nach Köln zurückgekauft. Im jahr 1998 hatte sich herausgestellt, dass die Schenkung des berühmten Kölner Kunstsammlers Josef Haubrich aus dem Jahr 1946 zuvor von den Nationalsozialisten als einstige Leihgabe des Breslauer Rechtsanwalts Ismar Littmann 1935 beschlagnahmt und der Berliner Nationalgalerie übergeben worden war. Als dies bekannt wurde, ließ die Stadt Köln die Rechtsverhältnisse sofort klären, und die Erben ausfindig machen. Inzwischen brachten die Kulturstiftung der Länder, das Kultusministerium von Nordrhein-Westfalen, die Stiftung Kunst und Kultur des Landes sowie zwei private Miteigentümer gut eine Million Mark auf. Das Bild "Zwei weibliche Halbakte" aus dem Jahre 1919 hängt jetzt wieder im Museum Ludwig in Köln. Otto Mueller, 1874 in Liebau, unweit Landeshut geboren, 1930 in Breslau gestorben, gehört zu den berühmten vier M der Malerei aus schlesischen Wurzeln: Adolph von Menzel, Otto Mueller, Oskar Moll und Ludwig Meidner. Niederschlesisches Kulturtreffen in Kreisau. Heinrich Kroll, deutscher Sejm Abgeordneter seit 1991, gleichzeitig Vorsitzender des Bezirks Oppelner Schlesien der Deutschen Freundschaftskreise, sprach zusammen mit Friedrich Petrach, dem Präsidenten des VdG, des Zusammenschlusses aller deutschen Freundschaftskreise, die Grußworte. Aus den Kreisverbänden Liegnitz, Waldenburg, Hirschberg und Landeshut waren 400 Teilnehmer nach Kreisau gekommen, dem historisch bedeutsamen Ort, wo der Widerstand gegen Hitler ein geistiges Konzept für die Zukunft Deutschlands erarbeitetet hat, unter Leitung von James Graf von Moltke. Heute ist Kreisau dank der Zuwendungen der Stiftung für deutschpolnische Zusammenarbeit zu einer Internationalen Begegnungsstätte ausgebaut worden. Besonders erfreulich war jetzt in Kreisau die Teilnahme mehrerer Jugendgruppen. Von den neun entsendenden Vereinigungen der Deutschen in Niederschlesien wurden fünf Jugendgruppen gezählt. Im Bericht von Engelbert Mis heißt es: "Erfreulich und aufbauend war insbesondere, dass deutschstämmige Kinder und Jugendliche immer stärker präsent sind und sich immer besser in ihrer Muttersprache ausdrücken können." "Wir haben immer noch Gründe, unseren
Zusammenhalt zu festigen", so wird Heinrich Kroll,
einer der beiden deutschen Abgeordneten im polnischen Sejm,
von der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zitiert.
Mit deutschen Sprachkenntnissen der mittleren Generation und
der Jugend stehe es nicht zum Besten. Aber das habe Gründe,
die Polen zu verantworten habe. Jahrzehntelang sei es schlichtweg
verboten gewesen, deutsch zu sprechen, sogar zu Hause. Ziel
sei die Polonisierung Schlesiens und der dort übriggebliebenen
Deutschen gewesen. Wörtlich: "Das ist auch ein Grund,
weshalb wir uns gar nicht leisten können, was manche von
uns verlangen, nämlich in einer der politischen Parteien
im Lande aufzugehen. Wir haben noch immer damit zu tun, unsere
Sprache zurückzugewinnen und unseren Zusammenhalt zu festigen."
In einem weiteren Interview sagte Heinrich Kroll, auch in seiner
Eigenschaft als Vorsitzender des Bezirks Oppelner Schlesien
der Deutschen Freundschaftskreise, dass das Verhältnis
der beiden Regierungen in Berlin und Warschau zwar sehr gut
sei, dass es aber zwischen den Durchschnittsbürgern, den
Polen, im Verhältnis zu den deutschen Mitbürgern noch
zu wünschen lasse. Anerkennend sprach sich Heinrich Kroll
über eine "Versöhnung von unten" aus, und
diese werde oft in Oberschlesien zwischen den Vertriebenen Deutschen
und den sesshaft gewordenen Polen in die Tat umgesetzt. |