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Wir
kommen aus dem Elsaß", sagte die Leiterin einer Besuchergruppe,
die wie ich vor vierzehn Tagen das Reichstagsgebäude in
Berlin mit der gelungenen gläsernen Kuppel besuchen wollte.
Elsaß, das ist Straßburg, das ist Frankreich - so
ging es mir durch den Kopf! Da sagt also jemand wie selbstverständlich
"Elsaß" und nicht Frankreich.
Zur Erinnerung: Im deutsch-französischen Friedensvertrag
von 1871 verzichtete Frankreich für immer auf Elsaß-Lothringen,
das ja bis zum Ende des 30-jährigen Krieges ohnehin zu
Deutschland gehörte.
Nach diesem Friedensvertrag setzte eine außergewöhnlich
scharfe Revisionspolitik in Frankreich ein. Dabei musste 1871
Frankreich nur 1/30 seines Gebietes an Deutschland abtreten,
während Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg nahezu ein
Drittel seines durch Versailles schon sehr dezimierten Gebietes
"freiwillig" abtreten musste.
Das Stichwort "Versailles" ist für
mich Anlass, einmal 80 Jahre zurückzublicken: Den Vorsitz
bei den "Friedensverhandlungen" führteder französische
Ministerpräsident Georges Clemenceau. Deutschland und Österreich
waren von den Verhandlungen ausgeschlossen. Sie waren Beutegut,
von dem sich alle ein großes Stück erhofften.
Am 28. April 1919 fuhr die deutsche Delegation unter Leitung
Reichsaußenministers, Graf Brockdorff-Rantzau, nach Versailles.
Noch setzten die Deutschen auf den amerikanischen Präsidenten
Wilson und seine vierzehn Punkte. Doch bereits bei der Ankunft
wurde ihnen bewusst, dass Deutschland nichts mehr zu erwarten
hatte. Ihre Unterkünfte wurden durch Stacheldrahtverhaue
von der Außenwelt abgeschnitten.
Am 7. Mai 1919 erklärte Clemenceau bei der Überreichung
desVertrages an die deutsche Delegation u.a. : "Die Stunde
der Abrechnung ist da. Wir überreichen Ihnen das Buch,
das unsere Forderungen enthält. Eine mündliche Erörterung
wird nicht stattfinden."
Das war ein Diktat und keine Friedensverhandlung!
Außenminister Graf Brockdorff-Rantzau hatte nur eine Geste
der Verachtung dafür übrig. Reichskanzler Phillip
Scheidemann, SPD, also ein ganz unverdächtiger Zeuge, sagte:
"Dieses dicke Buch, in dem 100 Absätze beginnen: Deutschland
verzichtet, Deutschland verzichtet, Deutschland verzichtet -
dieser schauerlichste und schrecklichste Hexenhammer, mit dem
einem großen Volk das Bekenntnis der eigenen Unwürdigkeit,
die Zustimmung der erbarmungslosen Zerstückelung, das Einverständnis
zur Versklavung und Helotentum abgepresst werden soll ..."
Und weiter: "Dieser Vertrag ist nach Auffassung der Reichsregierung
unannehmbar ... weg mit diesem Mordplan!"
Tatsächlich enthält das Diktat
in mehr als 440 Artikeln Forderungen, die u.a. wie folgt lauten:
- Deutschland zahlt
- Deutschland gibt ab
- Deutschland verzichtet
- Deutschland erkennt an
- Deutschland räumt ein
- Deutschland verpflichtet sich
- Deutschland führt aus
- Deutschland tritt ab
- Deutschland stellt wieder her
- Deutschland übergibt
- Deutschland liefert ab, leistet Schadenersatz und Unterhaltspflicht,
liefert aus, schleift Festungen ...
Den Deutschen wurde eine Frist von 15 Tagen gesetzt, und nach
einer Reihe von innenpolitischen Turbulenzen, das Kabinett Scheidemann
trat zurück, stimmten am 22. Juni 1919 die Abgeordneten
der Deutschen Nationalversammlung über den Vertrag ab.
237 stimmten für und 138 gegen die Annahme, jedoch mit
der Einschränkung, dass mit der Annahme die Anerkennung
einer Schuld des deutschen Volkes am Ausbruch des Krieges nicht
verbunden sei. Zur Erinnerung: Serbische Terroristen ermordeten
den österreichisch-ungarischen Thronfolger und seine Frau.
Österreich hatte eine feste Zusage der deutschen Regierung,
"dass wir in ernster Stunde Österreich-Ungarn nicht
verlassen würden ...
Da Serbien die Beteiligung Österreich-Ungarns an der Untersuchung
der Ermordung ablehnte, überschlugen
sich in Europa die Ereignisse. Das Ergebnis ist bekannt.
Doch es wurde eine bedingungslose
Unterzeichnung des Friedensvertrages gefordert. Der neue Außenminister
Müller und Justizminister Bell vollzogen letztendlich die
Unterzeichnung.
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