Seite vor Seite zurück
Seite 13 HEIMAT SCHLESIEN / KULTUR
Schlesische Nachrichten 21/2001

Hälfte des 16.Jahrhunderts". Hier erfahren wir auch, dass "die erste bedeutende Arbeit der Nachkriegszeit" aus polnischer Sicht erst 1957 erschienen ist.

Freimütig und ehrlich wird berichtet: "Das archäologische Material weist darauf hin, dass noch im 12.Jahrhundert nur wenige Menschen im Hirschberger Kessel lebten.

Seine Besiedlung während der Kolonisation des Sudetenvorlandes wurde unter Boleslaus I. dem Langen (gestorben 1201) eingeleitet und verlief erst im letzten Viertel des 13.Jahrhunderts besonders intensiv. In dieser Zeit bildete sich im wesentlichen das heutige Siedlungsnetz heraus und die räumliche Struktur der damals lozierten Dörfer.

Beweis für den deutschen Charakter ist die heutige polnische Namensgebung für all die Orte im HirschbergerTal. Entweder wörtliche Übersetzungen wie Jelenia Göra für Hirschberg, Bukowiec für Buchwald, oder Anlehnungen wir Karpniki für Fischbach und Maciejowa für Maiwaldau, aber Erdmannsdorf muss sich in Mylaköwice, Arnsdorf in Milköw verfremden lassen, um nur einige Beispiele herauszugreifen. Auf den wenigen Reklameseiten, die wohl zur Finanzierung des Begleitbandes mitgegeben sind, heißt dann Arnsdorf nicht nur im polnischen, sondern auch im deutschen Text Milköw!

Das Projekt ist bereits das dritte der in Berlin residierenden Gesellschaft für interregionale Kulturarbeit und das zweite, das sich mit dem Hirschberger Tal befasst, vor einigen Jahren mit den Künstlerkolonien im Riesengebirge während des 20. Jahrhunderts (erste Hälfte deutsche Künstlerkolonien, zweite Hälfte polnische) beschäftigte, Titel "Die imposante Landschaft". Jetzt waren es "über 50 deutsche und polnische Kunsthistoriker, Historiker, Sozialwissenschaftler, Denkmalpfleger, Museumsfachleute und Ausstellungsmacher", wie bei Klaus Bzdziach, der in herausragender Funktion mitgewirkt hat, zu lesen ist. Für die wissenschaftsliche Zusammenarbeit der Fachbeiträge haben ein Pole, Professor Dr. Olgierd Czerner, Breslau, und ein Deutscher Professor Dr. Arno Herzig, Hamburg, die Verantwortung übernommen, und es halten sich unter den 27 Autoren Deutsche und Polen die Waage. Allerdings sind die polnischen Autoren mit längeren grundsätzlichen Beiträgen, die Deutschen stärker mit Einzeluntersuchungen vertreten.

Der erste deutsche Autor ist Sigismund Freiherr von Zedlitz mit dem Aufsatz

"Die Zedlitzer im Hirschberger Tal", und diese Geschichte greift tief ins Mittelalter zurück, hebt mit Maiwaldau an und schließt, bevor über Buchwald berichtet wird, mit dem Satz: "Wie so viele unersetzliche Kunstdenkmäler wurde auch Maiwaldau ein Opfer des letzten Krieges". Buchwald ist das Thema von Dr. Idis Hartmann in ihrem Aufsatz "Die Besitzer von Buchwald: Friedrich Graf von Reden und Friederike Gräfin von Reden". Zuvor beschäftigt sich Hanna Wrabes vom Breslauer Nationalmuseum mit der "Residenz Erdmannsdorf zur Zeit von August Neithardt von Gneisenau nach alten Quellen". Zu all diesen Glanzpunkten, zu denen auch noch Fischbach, Arnsdorf, Matzdorf und Lomnitz zu nennen wären, gibt es mancherorts, nein sogar vielerorts Sätze wie diese über Schloss Maiwaldau: "Trotz allem war der Bau zu Kriegsende noch verhältnismäßig gut erhalten. Im Besitz der Kommunalverwaltung von Hirschberg verfiel das Gebäude ohne Nutzung jedoch schnell, so dass es 1965 abgebrochen wurde. Damit verschwand einer der bedeutendsten Barockbauten dieser Region".

Noch einmal, die Ausstellung ist sehenswert, aber das Begleitbuch ist zu grandios angelegt und vor allem in den Geleitworten vordergründig tendenziös und unhistorisch auf "piastische Tradition" (Staatsminister Dr. Julian Nida-Rümelein) ausgerichtet. Aber diese gibt es erst gar nicht. Auch ist das in diesem Grußwort zu eng gesehen, wenn für die deutsche Betrachtung lediglich an "Gneisenau und Reuß, aber auch die Preußenkönige Friedrich Wilhelm II. und Friedrich Wilhelm 111", erinnert wird. Warum nicht ehrlich aussprechen, dass einer 700jährigen deutschen Vergangenheit - gerade auch des Hirschberger Tals - die polnische Gegenwart gefolgt ist, und zwischen beiden ist Verständigung erstrebenswert.

Herbert Hupka (SN)

Lieblichkeit und Reiz" schwarz auf weiß

Veranstaltungen zur schlesischen Literatur im Museum für schlesische
Landeskunde in Königswinter

Im Haus Wiesenstein in Agnetendorf, das der bekannte schlesische Dichter Gerhart Hauptmann 45 Jahre lang bewohnt hat, ist vor kurzem eine GerhartHauptmannGedenkstätte eingeweiht worden (siehe KK 1136). Aspekte aus dem Leben und Werk des Literaturnobelpreisträgers und weiterer namhafter schlesischer Literaten werden zeitgleich im Rahmen der Sonderausstellung "Wo Lieblichkeit und Reiz in tausend Formen blühen" im Museum für

schlesische Landeskunde in KönigswinterHeisterbacherrott vorgestellt. Die Ausstellung spannt einen Bogen von der Dichterschule des Barock bis zu bekannten Literaten der Moderne und ist bis zum 21. Oktober zu besichtigen.

Die Veranstalter versuchen, den Betrachter in die schlesische Literaturlandschaft zu entführen und die dichterischen Werke im breiten Kontext der deutschen Kultur vorzustellen. Mit Vertretern des Barockwie dem bedeutenden deutschen Mystiker und Theosophen Jakob Böhme (geboren 1575 in Alt-Seidenberg bei Görlitz, gestorben 1624 in Görlitz), Martin Opitz von Boberfeld (1597 Bunzlau -1639 Danzig) und Andreas Gryphius (1616 Glogau - 1664 Glogau) beginnt der literarische Streifzug. Das Leben und Werk des Romantikers Joseph Freiherr von Eichendorff (1788 Lubowitz -1857 Neisse) nimmt einen bedeutenden Platz in der Ausstellung (weiter Seite 14)


Kardinal Bertram Stipendium

Ausschreibung 2002

Das Schlesische Priesterwerk e.V fördert in Verbindung mit dem Institut für ostdeutsche Kirchen- und Kulturgeschichte e.V. die Erforschung der schlesischen Kirchengeschichte. Es gewährt jährlich zwei Kardinal-BertramStipendien in Höhe von 4.000,DM, um Forschungsreisen in Archive innerhalb und außerhalb der Bundesrepublik Deutschland zu ermöglichen. Die Summe kann unter bestimmten Voraussetzungen erhöht werden. Außerdem werden die Kosten für Realausgaben zurückerstattet, wenn sie für die betreffende Forschungsaufgabe erforderlich sind und vom Tutor befürwortet werden.

Zur Bearbeitung werden 2002 folgende Themen ausgeschrieben:

1) Der Pfarrer und Chronist der Grafschaft Glatz Joseph Kögler (19651817). Die Pfarrchronik als Mittel der Seelsorge

2) Melchior von Diepenbrock, Kardinal und Fürstbischof von Breslau (18451853). Seelsorge und soziale Frage

3) Der Aufbau der Seelsorge im Bereich des Erzbistums Breslau westlich der Oder-Neiße-Linie in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg.

Um ein Kardinal-Bertram-Stipendium können sich Studierende und Absolventen von Hochschulen in der Bundesrepublik Deutschland, insbesondere Theologen und Historiker, bewerben. Bevorzugt werden jüngere katholische Antragsteller. Bewerbungen mit genauer Angabe der Personalien und des Studienganges sind bis spätestens 28. Februar 2002 zu richten:

An das Institut für ostdeutsche Kirchen- und Kulturgeschichte e.V., St. Petersweg 11-12, 93047 Regensburg.

Die Entscheidung über die Zuerkennung trifft das Kuratorium des Kardinal-Bertram-Stipendiums in einer Sitzung am 22. März 2002. Es wählt für jeden Stipendiaten einen Tutor aus.


Seite vor Seite zurück
Seite 13 HEIMAT SCHLESIEN / KULTUR
Schlesische Nachrichten 21/2001