Auch
das ist Geschichte der Nachkriegszeit in Oberschlesien
Marcel Reich-Ranicki war in Polen bis zu seiner Ausreise
1958 als Kommissar Marcel Ranicki bekannt, die von ihm Verfolgten in der
damaligen Zeit Oberschlesier, nannten ihn auch "Kommissar Marcel".
In erschienenen Büchern, Chroniken, Denkschriften, konnte erstmals
nach dem Jahr 1990 in Erfahrung (zwischen vielen anderen Tatsachen) gebracht
werden, dass die gesamte NKWD-Belegschaft des Öffentlichen Sicherheitsdienstes
(UB), unter der Führung von General Zawadzki, welcher zum 1. Wojewoden
Oberschlesiens nach 1945 "gekrönt" wurde, am 27. Januar 1945
in Kattowitz eingetroffen ist. In seinem Geleitzug befanden sich zwischen
vielen anderen, drei Offiziere aus der NKWD-Schule in Kujbeszewo (Ukraine),
welche zur totalen Ausrottung des "Germanismus", wie das Deutschtum
in Polen immer beschimpft war, in Oberschlesien eingesetzt wurden. Der erste
dieser Offiziere war sein Stellvertreter, Oberstleutnant Zietek (ehemaliger
Bürgermeister der Stadt Radzionkau, Ost-Oberschlesien in der Vorkriegszeit),
der zweite war Majo Szewcyk, ein linker oberschlesischer Schriftsteller
der Vorkriegszeit. Beide, polnisch gesinnte Oberschlesier mit deutschem
Abitur und guten Deutschkenntnissen. Der Dritte von ihnen war über
zehn Jahr jünger. Es war Marcel Ranicki, ein NKWD-Offizier, aber kein
Oberschlesier. Das Abitur machte er 1938 in Berlin. Alle drei genannten
Offiziere haben eins gemeinsam. In ihren Biographien fehlt der Zeitraum
von 1943 bis Anfang 1945. Die ersten zwei geben es zu, dass sie diese Zeit
in der Sowjetunion verbracht hatten, weil sie wegen Verfolgung in Polen,
nach Russiand flüchten mussten. Doch mit keinem Wort erwähnen
sie ihr dortiges Leben. Was haben die Beiden zu verheimlichen- War es nur
die NKWD-Schule in Kujbeszewo oder auch irgendwelche Verbrechen an polnischen
Oppositionellen- Der dritte NKWD-Offizier, Kommissar Marcel Ranicki verbrachte
diese Zeit in Warschau. Danach, weil er die deutsche und englische Sprache
beherrschte, von den Sowjets favorisiert, hat er sich in der polnischen
Armee eingefunden. So steht es in seinem Buch.
Marcel Ranicki war im Öffentlichen Sicherheitsdienst (UB) bis zum Jahr
1956 als Kommissar im Range eines Oberst, der 3. Hauptabteilung in Kattowitz
tätig. Laut Verordnung des neuen 1. Sekretärs der Polnischen Vereinigten
Arbeiterpartei (1956) Gomulka, wird die Schande Oberschlesiens, das UB-Amt,
unter der Aufsicht der Wojewodschaft, dem Parteisekretär Gierek und
des Wojewoden Zietek, Ende 1956, aufgelöst. Marcel Ranicki hate die
Pflicht alle Akten über die Verbrechen an Oberschlesiern zu vernichten.
Erst dann im Jahr 1958 darf er ausreisen. Sein Chef, Oberstleutnant Jurkowski
begab sich 1956 nach Uppsala (Schweden).
Eine Aktenvernichtung war für den Öffentlichen Sicherheitsdienst
in der kommunistischen Ära Polens kein ungewöhnliches Ereignis.
Paul Pogodalla (SN)
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