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Deutsche Zwangsarbeiter:
Wer ist zuständig ?

Rudi Pawelka, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft Schlesien

 

In der Zeit vom 5. bis 9. Juni 2000 fanden deutsch-polnische Konsultationen zum Abkommen über soziale Sicherheit statt, bei denen auch die Frage der Anrechnung von Zeiten der Zwangsarbeit und Kriegsgefangenschaft in der polnischen Rente angesprochen wurde. Nach Auskunft des Bundesministeriums für Arbeit und Sozialordnung soll Polen dabei grundsätzlich seine Zuständigkeit für die in Polen lebenden ehemaligen deutschen Zwangsarbeiter anerkannt haben, für die Kriegsgefangenschaft allerdings nicht. Dem steht eine gegenteilige Antwort der polnischen Regierung an den deutschen Sejmabgeordneten Helmut Pazdzior entgegen. So schrieb ihm die Staatssekretärin im Sozialministerium, Ewa Lewicka, dass auf die von ihm geschilderten Probleme ihres Erachtens zuständige deutsche Institutionen aufmerksam gemacht werden sollten. Was gilt nun?

Es entsteht der Eindruck, dass beide Seiten auf eine biologische Lösung warten, so der enttäuschte Pazdzior, der übrigens von der deutschen Regierung auf sein Schreiben keine Antwort erhielt. Die deutsche Öffentlichkeit ist bis heute über das Problem kaum informiert. Als im Deutschen Bundestag über den Entschädigungsfonds für ausländische Zwangsarbeiter debattiert und dabei von verschiedenen Abgeordneten der CDU/CSU auch auf die Leiden deutscher Zwangsarbeiter hingewiesen wurde, war dies in den Medien kein Thema. Man wird an die Worte des Historikers Prof. Arnulf Baring anlässlich der Charta-Feier in Berlin erinnert: „Die Deutschen trauen sich nicht, die eigenen Verluste zu betrauern". Man kann getrost hinzufügen: Sie trauen sich auch nicht, für deutsche Opfer Gerechtigkeit einzufordern.

Hans-Jochen Vogel als heutiger Vorsitzender des Vereins „Gegen Vergessen - Für Demokratie" findet es beschämend, wenn Firmen dem Fonds nicht beitreten, ruft nach mitmenschlicher Solidarität und will Druck auf die säumigen deutschen Unternehmen ausüben. Er fordert dies wohlgemerkt nur in Bezug auf die ausländischen Zwangsarbeiter. Deutsche in der Heimat, die durch Zwangsarbeit Ausfallzeiten in der Rente haben, interessieren ihn und viele andere nicht. Es wird lieber denen etwas draufgesattelt, die schon mehr haben. Welches Verständnis von Moral verbirgt sich dahinter? Dies ist kein Petitum gegen den Entschädigungsfonds, sondern für die Gerechtigkeit. Wie brutal und menschenverachtend Deutsche zur Zwangsarbeit gezwungen wurden, beweisen die vorliegenden Dokumente.
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Schlesische Notizen

 

Auf der FXPO 2000 in Hannover das alte falsche Lied. Man kann diesen Prospekt „Ein Besuch in polnischen Städten, dem Erbe der Geschichte und Kultur" in die Hand gedrückt bekommen, herausgegeben von der Polnischen Agentur für Touristenförderung. In diesem Prospekt heißt es über Breslau: „Eine der ältesten polnischen Städte liegt malerisch an der Oder und ist das wichtigste Industrie-, Handels, Wissenschafts- und Fremdenverkehrszentrum im Südwesten des Landes". Die Behauptung von „einer der ältesten polnischen Städte" ist eine Lüge und damit eine Geschichtsklitterung. So sprach und schrieb man in den Jahrzehnten des Kommunismus und des mit ihm verbündeten Nationalismus. Wir befinden uns jetzt bereits im elften Jahr nach der Wende, warum dann immer noch die gleiche Falschbehauptung! Wer protestiert dagegen? Antwort: die das alles totschweigende Bundesregierung leider bestimmt nicht.

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„Die Oder war schon immer eine Inspiration für ihre Anwohner und sie weckte bei ihnen Achtung und Respekt vor ihrer hin und wieder aktiv werdenden Kraft", mit diesem Satz beginnt ein Aufsatz des Landrates des Kreises Kandrzin-Cosel, Jözef Ginsman. Dann heißt es: „Die Verwirklichung und Förderung von Aufgaben um die Sicherung des Flusses, die Wiederherstellung seiner transportwirtschaftlichen Bedeutung und die Hebung seiner touristischen Aktivität sind in einer Entwicklungsstrategie festgeschrieben worden". Dann wird das offizielle „Programm für die Oder 2006" zitiert und für den zwischen Ratibor und Oppeln gelegenen Landkreis Kandrzin-Cosel werden der „Coseler Knoten und modernes bewegliches Wehr" genannt. "Bisher konnten 1,6 km Deiche modernisiert und 4,5 km neu gebaut werden. Es geht darum„ im Odergebiet ein kompaktes Wasserwirtschaftssystem aufzubauen. Das bedeutet konkret den Bau eines Speicherbeckens bei Ratibor und die Einrichtung natürlicher Poldergebiete und Flussdeiche. Weitere Aufgaben des 'Programms für die Oder 2006' sind die Reinigung und Reinhaltung des Wassers, eine schrittweise Entwicklung der Binnenschifffahrt und die Nutzung der Gewässerkraft als Energiequelle". Zu wünschen und zu hoffen bleibt, dass die guten und notwendigen Perspektiven für die Oder auch Realität werden!

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Wo bleibt das Schuldbekenntnis in der Charta der deutschen Heimatvertriebenen,so fragt Marianne Heuwagen in der „Süddeutschen Zeitung". Der Kommentar ist einmal mehr ebenso Besserwisserei wie schulmeisterliche Belehrung im Stile der modischen political correctness, das heißt eines angeblich unbedingt zu befolgenden Schuldbekenntnisses. In der „Süddeutschen Zeitung" ist daher zu lesen: „Die Charta spiegelt die in der Nachkriegszeit weit verbreitete Verdrängung der Kriegsschuld wider. Sie enthält kein Wort über die Ursachen des Krieges und der Vertreibung." Damit nicht genug, auch der inzwischen zum Heiligen erklärte seinerzeitige Bundeskanzler Willy Brandt wird in die heftige Kritik an der Charta (noch keine Ablehnung, welch Wunder!) einbezogen: „Wegen ihres Widerstandes gegen die Ostpolitik (gemeint gleich dem gegenwärtigen Bundeskanzler die Ost- und Entspannungspolitik Brandts) können die Vertriebenen heute die Charta nicht uneingeschränkt als Vorreiter für die Einigung Europas bezeichnen." Man muss eben wissen, was in den Köpfen da und dort wirr und bösartig durcheinandergeht.

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„Noch vor der Konferenz von Potsdam(2. August 1945 Schlusstermin) wurden insgesamt etwa 400 000 Männer, Frauen und Kinder wie Vieh zusammengetrieben und in Gewaltmärschen über die Flüsse gejagt." So war es in einem vom Westdeutschen Rundfunk, Alte und Neue Heimat, gesendeten Bericht von Helga Hirsch zu hören. „Die Polen haben lange Zeit behauptet, vom Deutschen Reich nur das genommen zu haben, was ihnen die Siegermächte zusprachen. Dass ist jedoch nur die halbe Wahrheit. Tatsache ist, dass Polen selbst eine treibende Kraft im Kampf um die neue Grenze wurde, noch bevor sie völkerrechtlich festgelegt war. Gleich Anfang 1945 hatte Parteichef Wla­dyslaw Gomulka die Parole zur Schaffung 'vollendeter Tatsachen' ausgegeben und damit grünes Licht für die Übernahme des deutschen Ostens gegeben."

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Bundeskanzler Gerhard Schröder will kein „Zentrum gegen Vertreibungen", wie er dies zum Schluss seiner Rede auf dem Tag der Heimat in Berlin kund getan hat. Das Erinnern an die Vertreibung ist er­laubt, welch Großzügigkeit!, aber nicht in einem „Zentrum gegen Vertreibungen" in der deutschen Hauptstadt. „Das ist kei­ne Stellungnahme gegen das Erinnern. Wir haben dafür in Deutschland viele ausge­zeichnet ausgestattete Einrichtungen. Deshalb steht die Bundesregierung Plänen für eine zusätzliche zentrale Ge­denkstätte zurückhaltend gegenüber." Und gleichzeitig unterbindet diese Bun­desregierung die Pflege und Bewahrung der ostdeutschen Kultur!  

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Gerhart Hauptmann im Oktoberpro­gramm des Ersten Fernsehens. „Vor Sonnenuntergang", 1932 in Berlin in der Regie von Max Reinhardt uraufgeführt, wird im Oktober in einer Produktion des NDR in „einer modernen Adaption" ins Programm genommen. In einer verfäl­schenden Darstellung unter dem Titel „Der Herrscher" war das Werk unter dem Na­tionalsozialismus verfilmt worden. Jetzt spielen in den Hauptrollen Harald Juhnke und Julia Stemberger.              

SN

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Zwangsarbeit

 

Aus der UdSSR sind u.a. mehrere Beschlüsse des staatlichen Verteidigungskomitees bekannt, die als Befehle an die Streitkräfte gingen. Der Beschluss Nr. 7161 vom 16.12.1944 sah die Internierung zur Arbeit aller Deutschen im Alter von 17 -45 Jahren (Männer) und im Alter von 18- 30 Jahren (Frauen) bis zu einer Anzahl von 140 000 für Kohlebergwerke und für die Metallindustrie in der Sowjetunion vor.

Am 3.2.1945 wurde die Altersgrenze für Männer gemäß Beschluss auf die Altersgruppe von 17 - 50 Jahren erweitert und eine weitere „Mengenanforderung" von 218 000 befohlen (Anweisung Nr. 7467).

 

Durch Befehl Nr. 001 01 vom 22.2.1945 wurden zusätzlich bestimmte Personengruppen zur Festnahme und „Filterung" bestimmt, darunter auch Bürger der Sowjetunion, die in Gefangenschaft geraten waren.

 

Durch die polnischen Machthaber wurden Deutsche häufig wahllos zur Zwangsarbeit gezwungen. Darüber hinaus regeln aber auch verschiedene Dekrete Inhaftierung und Sklavenarbeit. Zu nennen ist u.a. das Dekret vom 4.11.1944, das Internierung für unbegrenzte Zeit und Zwangsarbeit für alle polnischen Staatsangehörigen im Generalgouvernement und in der Wojewodschaft Bialystok anordnete, die deutscher Abstammung waren. Gemäß Dekret vom 30.11.1944 wurden Personen unter 13 Jahren davon ausgenommen. In den Dekreten vom 28.2.1945 und vom 6.5.1945 über den Ausschluss feindlicher Elemente aus der polnischen Volksgemeinschaft ergingen ergänzende Regelungen für Personen der Volksliste Gruppe 3 und 4. Zu nennen sind weiter die Dekrete vom 20.10.1946 und vom 28.10.1946 über die Reklamierung von deutschen Fachleuten.

 

In der ehemaligen CSSR regeln ebenfalls verschiedene Dekrete die Zwangsarbeit für Deutsche (u.a. Dekret Nr. 71 v. 19.9.45; Nr. 126 v. 27.10.45; Nr. 500 v. 2.12.45). Eine generelle Arbeitspflicht wurde für männliche Personen vom 14.-60. Lebensjahr und für weibliche Personen vom 15. - 50. Lebensjahr festgesetzt. Einzelanordnungen örtlicher Stellen verschärften diese Vorschriften zum Teil erheblich. So wurde die Arbeitspflicht durch das Arbeitsamt Mährisch Schönberg am 27.6.1945 auf die Altersgruppe von 10 - 60 Jahren für beide Geschlechter verfügt.

 

Es ist nicht bekannt, dass Dekrete oder Beschlüsse jemals aufgehoben wurden, somit gelten die Maßnahmen bis heute in diesen Staaten als rechtmäßig. Viele der deutschen Zwangsarbeiter haben die unmenschliche Behandlung nicht überlebt. Viele wurden für ihr weiteres Leben gezeichnet.

 

Es kann nicht sein, dass diese Schicksale vergessen werden. Alle Initiatoren der Stiftungsinitiative zur Entschädigung ausländischer Zwangsarbeiter tragen durch ihr einseitiges Tun dazu bei, die Gerechtigkeitslücke zu vertiefen, Menschen zu verbittern und zu beleidigen.

 

Bei der Bundesregierung aber muss die Fürsorge für die Deutschen angemahnt werden. Soweit die Betroffenen heute in an deren Staaten leben müssen, ist es nicht ihr Verschulden. Sollte nicht in allernächster Zeit eine Anerkennung der Zwangsarbeit Kriegsgefangenschaft eingeschlossen in der Rentenberechnung in Polen, der Tschechischen Republik und Russland erfolgen, muss der deutsche Gesetzgeber handeln.

 

Die Bundesrepublik hat über Jahrzehnte für NS-Opfer auf der ganzen Welt enorme Summen bereitgestellt. Eine Lösung des Rentenproblems durch eigene Leistungen für deutsche Geschädigte wäre bei der geringen Aufwendung kaum eine Belastung, würde aber der Verpflichtung gegenüber Menschen gerecht, die für uns alle gelitten haben. Für die in der Bundesrepublik Lebenden sollten ebenfalls bestimmte Ausfallzeiten beseitigt und vor allem bei der Zwangsarbeit von Kindern nachgebessert werden.

 

Die Landsmannschaft Schlesien und die Landsmannschaft der Oberschlesier haben eine Arbeitsgruppe gebildet, um deutsche Zwangsarbeiter zu erfassen, über ihr Schicksal aufzuklären und ihnen zu ihrem Recht zu verhelfen. Es gilt aber auch, die Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren. Alle Landsmannschaften sind aufgefordert, sich zu beteiligen.

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vom 01. Oktober 2000
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