Der Vertrag trat am 10. Januar 1920 in Kraft. Seine Auswirkungen waren im letzten Winkel des Deutschen Reiches zu spüren. Die Gebietsverluste waren enorm. So ging u.a. Elsaß-Lothringen an Frankreich, EupenMalmedy an Belgien, den größten Teil erhielt Polen. Der italienische Außenminister, Graf Sforza, hierzu: "Diese Polen erwecken den Eindruck, als wäre halb Europa ehemals polnisch gewesen und müsste wieder polnisch werden." Die geforderten Reparationsleistungen umfassten alle Güter des täglichen Lebens. Sie reichten von Maschinen und Geräten, von Kohlen, Holz, Glas, Kalk, Zement, Möbeln bis hin zur Lieferung von Tieren. So erhielt Frankreich auch 500 Zuchthengste, 30.000 Stuten, 90.000 Milchkühe, 100.000 Schafe und 10.000 Ziegen. Mit den Reparationsleistungen und Zahlungen begann die Verelendung des deutschen Volkes. Es herrschte große Not, die Menschen hungerten und froren. Es fehlte an Verpflegung und Brennmaterial. Der Hungerblockade fielen allein 700.000 Menschen zum Opfer. Das Hin und Her der Festlegung der Reparationszahlungen kam zusätzlich erschwerend hinzu. Schließlich sollten für die Dauer von 59 Jahren Zahlungen in Höhe von 131 Milliarden Goldmark erbracht werden. Das hätte bedeutet, dass mindestens vier Generationen, etwa bis 1989, zur Kasse gebeten worden wären. Doch Deutschland war am Ende. Die Währung brach zusammen, die Inflation nahm Millionen Menschen Ersparnisse und Existenz - über sieben Millionen Arbeitslose. Soweit im Telegrammstil der Geschichtsexkurs, der-bedenkt man z.B. dieAuswirkungen des Vertrages von St. Germains auf Österreich und das Sudetenland, sich noch ergiebig fortsetzen ließe. Warum aber dieser Exkurs? Weil seit Ende des Zweiten Weltkrieges in den meisten unserer Schulen deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts unvollständig unterrichtet wird, oder - insbesondere auf die letzten Jahre bezogen --auf Judenvernichtung und Hitlerreden reduziert wird. Dies ist auch kein Wunder, wenn man bedenkt, dass für die veröffentliche Meinung, einschließlich Regierung und Parlament, die deutsche Geschichtsschreibung kontinuierlich erst bei 1933 beginnt. Die jüngst in den Medien unsVertriebene "beglückenden" Serien sind dafür exemplarisch. Gerade weil diese "Intelligenzschicht" deutsche Geschichte nur zelebriert, wenn Deutsche Täter sind, ist es bemerkenswert und verdienstvoll, dass es noch Zeitgenossen gibt, die kraft ihrer Reputation dagegen halten. Da ist der Mitbegründer der Bundeswehr Johann Adolf Graf von Kielmansegg zu nennen, der unlängst in einem Zeitungsinterview der "Jungen Freiheit" freimütig bekannte: "Das Unrecht von Versai I les galt es zu tilgen! Neben den über 7 Millionen Arbeitslosen war der Versailler Vertrag die Hauptlast auf Deutschlands Schultern. Warum hat man zugelassen, dass Hitler sich dieses Thema an die Fahnen heften konnte? Hier ist doch weniger den Wählern ein Vorwurf zu machen als vielmehr den Parteien, die diesen sehnlichsten Wunsch des deutschen Volkes nicht nachdrücklicher vertreten haben." Bezeichnend ist in diesem Zusammenhang auch, dass das Werk "Das Versailler Diktat - Vorgeschichte, vollständiger Vertragstext, Gegenvorschläge der deutschen Regierung" mit einem Vorwort von Generalleutnant a.D., Dr. Franz Uhle-Wettler in Österreich gedruckt wurde. Andererseits gibt es in derVergangenheit hinreichend prominente Zeugen - von Theodor Heuss bisThomas Mann -, die nicht nur in Zitaten Ursache und Wirkung der Verbrechen Hitlers in den geschichtlichen Rahmen des Versailler Diktates stellten. Nicht zu vergessen Wenzel Jaksch, SPD, der leider viel zu früh verstorbene Präsident des Bundes derVertriebenen. Er hat in seinem vielbeachteten Werk "Europas Weg nach Potsdam" vielen, die meinten, ausschließlich alles Unglück der Welt und insbesondere Deutschlands habe nur etwas mit dem "Böhmischen Gefreiten" zu tun, Geschichtsunterricht erteilt. 0b sich noch jemand daran erinnert, dass gar 1967 zum "Tag der Heimat" das Motto lautete "Verständigung und Frieden - kein neues Versailles"? Vorgestellt wurde es vom damaligen SPDBundestagsabgeordneten und Präsidenten des Bundes derVertriebenen, Reinhold Rehs. Heute sicher undenkbar! Aus all dem ist der Schluss zulässig, Geschichte ist niemals zu Ende, und wenn es wahr ist, dass die Bundesrepublik Deutschland weiterhin für das Diktat von Versailles zahlt, ein Schreiben des Bundesministers der Finanzen vom 11. Februar 1998 lässt keine andere Deutung zu, dann istVersailles eben nicht Vergangenheit. Schlesische NotizenRückführung von 3661 Kirchenbüchern durch die Unterschriften von Kardinal Lehmann und Kardinal Glemp besiegelt. Dies erfolgte am 17. September in Warschau. Hierzu schrieb Weihbischof Gerhard Pieschl, Diözese Limburg, in einem Leserbrief in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung": "Nach der Rückführung der Materialien steht doch wohl auch bald - wenn schon nicht die Rückführung -wenigstens die Rückkehrmöglichkeit von Heimatvertriebenen und die Möglichkeit, in ihren alten Heimatgebieten Eigentum zu erwerben, ins Haus. Denn was in den Sachen möglich ist, mag wohl doch erst recht Personen gelten - und diesen zuerst." In einem weiteren Leserbrief von Dr. Maria Menzel, Mainz, heißt es: "Kanonisches Recht und Territorialprinzip, auf die man sich beruft, machen nur dann einen Sinn, wenn die vorauszusetzende unverzichtbare Einheit von Territorium und rechtmäßig ansässiger Bevölkerung gegeben ist." "Polnische Piastenfürsten" - eine notwendige Korrektur. In der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" veröffentlichte Professor Dr. Josef Joachim Menzel, Universität Mainz, eine knapp gefasste Genealogie der "polnischen Piastenfürsten" in Schlesien. Breslau wurde nach der Zerstörung durch die Mongolen 1241 als deutsche Bürgerstadt "nicht von polnischen Piasten, sondern von einem eingedeutschten schlesischen Zweig der Piasten" angelegt. "Das Stammehepaar dieses schlesischen Zweiges waren der Piast Wladyslaw und die deutsche Kaiserenkelin Agnes von Österreich. Beider Sohn Boleslaw heiratete Adelheid von Sulzbach. Deren Sohn Heinrich wiederum ehelichte die Andechserin Hedwig aus Bayern. Von Hedwigs Enkel ,Heinrich von Pressla'sind zwei einfühlsame Minnelieder in deutscher Sprache in der Großen Heidelberger Liederhandschrift überliefert. Die schlesischen Piasten starben schließlich im 17. Jahrhundert als protestantisches, mit den Hohenzollern verbrüdertes und versipptes Fürstengeschlecht aus. Da es auf Grund von Herrschaftsteilungen politisch seit 1202 keinen polnischen Gesamtstaat gab, regierten die schlesischen Piasten seitdem ihr Land als souveräne, von Polen unabhängige Fürsten. Sie schlossen sich in freier Entscheidung nicht an das 1320 wiedererrichtete Königreich Polen, sondern an das reichsbezogene Böhmen an." Auch Bundespräsident Johannes Rau nennt die Vertreibung eine Kriegsfolge. Schon die drei Fernsehausstrahlungen der ARD über die Vertreibung standen unter dem Titel "Die Vertriebenen. Hitlers Opfer", um sich so einer gern gehandelten Logik für die jüngste Geschichte zu bedienen. Aus Polen ist wiederholt zu vernehmen, dass die Vertreibung der Deutschen lediglich eine Folge des Zweiten Weltkrieges gewesen sei. Auch der Bundespräsident macht es sich zu einfach, wenn er in seinem Grußwort zum Tag der Heimat dem Bund der Vertriebenen übermittelt: "Als Folge des von Deutschen entfesselten Zweiten Weltkrieges sind auch Millionen Deutsche vertrieben worden." Das ist aber nichts anderes als eine Rechtfertigung der Vertreibung. Rache tritt an die Stelle des Rechts. Durch diese Legitimierung der Rache als Recht werden die für Vertreibung Verantwortlichen, die Schuldigen frei gesprochen. Darum muss dem Bundespräsidenten unmissverständlich widersprochen werden.
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