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Schlesische Nachrichten 20/2001

Stipendien zur Förderung der deutschen Jugend in Oberschlesien. Eberhard Borsutzki im niedersächsischen Rotenburg ist der Initiator dieses großartigen Vorhabens, junge Menschen aus deutschen Familien in den Regierungsbezirken Oppelner Schlesien und Schlesien (Region Kattowitz) die Möglichkeit zum Ablegen eines zweisprachigen, also deutschen und polnischen Abiturs zu eröffnen. In den letzten acht Jahren war durch "mühseliges Betteln" in der Bundesrepublik Deutschland erreicht worden, dass 50 Oberschüler das zweisprachige Abitur bestehen konnten, weil ihre Schulzeit finanziell gefördert worden ist. Eberhard Borsutzki, 1916 in Breslau geboren, hat sich vor allem um Unterstützung durch Mitglieder des Lionsclubs bemüht. Die Deutschen in der Heimat, dies seine Beurteilung der Situation, bedürfen nicht nur der nachfolgenden Generationen, sondern einer bestimmenden Intelligenzschicht.


"Joseph Freiherr von Eichendorff, der berühmte Dichter der Romantik, ist 1788 in Lubowice geboren", so ließ sich ein deutscher Universitätsprofessor der Germanistik vernehmen. Er musste mit dem richtigen Namen des Geburtsortes von Eichendorff korrigiert werden. Im Gegensatz zu den Nationalsozialisten, die trotz ihr Germanisierungskampagne gegen die slawisch klingenden Ortsnamen Lubowitz bei seinem Namen belassen haben, hielten die Polen bei ihren Polnisierungsunternehmen nichts davon, Eichendorffs Geburtsort weiterhin so zu belassen. Trotz der Polonisierung heißt im Deutschen und auch für einen Germanisten Lubowitz weiterhin Lubowitz und nicht Lubowice.


Polnisches

Heinrich Kroll, in den polnischen Sejm wiedergewählt, für die Rechte der Deutschen: Das Minderheitsgesetz muss erneut zur Sprache kommen, wobei vor allem an die "Hilfssprache" der jeweiligen Minderheit, also der Deutschen vor allem in Oberschlesien gedacht wird, die "im Gemeinderat oder auch auf dem Amt -die Rede war immer von 20 oder 30 Prozent -zur entsprechenden Minderheit gehört". Zu der immer noch ausstehenden Regelung der Ortsnamen sagte Kroll: "Es geht um die Rahmenkonvention, in der es ganz deutlich heißt, dass dort, wo Minderheiten leben, die einen entsprechenden Wunsch äußern, eine gewisse Pflicht von Regierungsseite besteht, doppelte Ortsnamen einzuführen. Das Problem steht im engen Zusammenhang mit der sogenannten Verleugnung der Geschichte. Die Polen haben nach dem Krieg ständig das Märchen erzählt, Oberschlesien sei immer polnisch gewesen. Ob es jedoch um Ortsnamen vor oder nach 1933 geht, das ist meines Erachtens von polnischer Seite kein großes Problem. Ich will nicht so weit nach hinten schauen, aber Kattowitz hieß sogar Jahre (1953-1956) Stalinogrod. Es geht jedenfalls um die Erledigung dieser Sache."


Ostpolitik der Europäischen Union gefordert. Kurz vor den Wahlen am 23. September machte sich Jozef Oleksy, eine kurze Zeit polnischer Ministerpräsident und Vorsitzender der post-kommunistischen SLD, dem jetzigen Wahlsieger, zum Sprecher für eine Ostpolitik der Europäischen Union. In einem der "Prager Zeitung" gewährten Interview erklärte er: "Wir betrachten uns als ein großes Land Mitteleuropas, das den östlichen Nachbarn am nächsten ist. Und wir wollen, dass die Ostpolitik der Europäischen Union gemeinsam mit Polen verwirklicht wird. Weil wir auch unsere Ostpolitik definieren und weil wir wollen, dass die polnische Ostpolitik Teil der Ostpolitik der Europäischen Union ist. Schon heute gibt es keine Gründe, warum Polen (bevor es Vollmitglied der EU ist) übergangen wird. Es gibt eine nordische, eine mediterrane Dimension, warum kann es nicht eine Ostdimension und eine Ostpolitik der EU geben?"


Das Buch über das Pogrom in Jedwabne liegt jetzt in Deutsch vor. Die Diskussion über die von Jan Tomas Gross in seinem Buch "Nachbarn. Der Mord an den Juden von Jedwabne", Verlag C.H. Beck München, mit geteilten Fakten, geht unvermindert weiter. In der wissenschaftlich aufgearbeiteten Darstellung des in New York lebenden polnischen Zeitgeschichtlers wird dargestellt, dass am 5. Juli 1941, zwei Wochen nach Beginn der kriegerischen Auseinandersetzung zwischen deutschen und russischen Truppen Hunderte von Juden bei einem Pogrom polnischer Antisemiten im Städtchen Wasoszermordet worden sind. Zwei Tage Später vollzog sich dies in Radzilow und am 10. Juli dann in Jedwabne. Hier wurden 1600 Juden in einer brennenden Scheune, wohin sie von Polen getrieben worden waren, verbrannt. Die polnischen Behörden haben jedoch nach Kriegsende kaum etwas zur Aufklärung beigetragen. Seit Erscheinen der Arbeit von Jan Tomas Gross vor anderthalb Jahren im englischsprachigen Raum hat in Polen eine heftige Auseinandersetzung eingesetzt. "Das Buch hat", so berichtet die "Neue Zürcher Zeitung", "an ein Tabu gerührt und das tiefverwurzelte Selbstverständnis der polnischen Nation als standhaftes und insgesamt moralisch integres Opfer fremder Mächte tief erschüttert." Inzwischen wurde offiziell bekannt gegeben, dass das polnische Institut zur Aufarbeitung der jüngsten Vergangenheit "im Rahmen seiner Ermittlungsverfahren immerhin mindestens fünf Tatorte identifiziert hat, an denen im Sommer 1941 polnische Antisemiten ihre jüdischen Mitbewohner umbrachten."


"An sieben Wochentagen zehn Stunden am Tage das Arbeitssoll deutscher Kriegsgefangener". Im zweiten Band des jetzt veröffentlichten Buches "Die Deutschen in Polen 1945-50" wird berichtet, dass sich Polen 50 000 deutsche Kriegsgefangene von der Sowjetunion zuteilen ließ. Von ihnen sollen 13 Prozent aufgrund der physischen Überforderungen ums Leben gekommen sein. "All dies geschah in einer Situation, in der die wirtschaftliche Ausbeutung und nicht das Töten beabsichtigt wurde", so gleichsam als entschuldigende Erklärung angemerkt. "In dem Buch sind", wie der Rezensent in der SN Warschauer Wochenschrift "Polityka" schreibt, "Beispiele der Verbrechen auf gelistet, die von den Wächtern begangen wurden. Sie sind vor allem durch die un menschliche Ausbeutung, durch harte Arbeit, Mangel an Lebensmitteln und Medikamenten sowie durch unvorstellbar schlechte hygienische Bedingungen verursacht worden." All das geschah straffrei, und man war der Überzeugung, dass die Ausbeutung der deutschen Kriegsgefangenen schon deswegen berechtigt sei, "weil sie als Deutsche das, was ihnen widerfährt, verdient haben und dass sie von niemandem in Schutz genommen werden." Ein schwacher Trost als Entschuldigung, dass sind im Laufe der Zeit - das waren immerhin meist drei Jahre nach 1945 - die Verhältnisse durch die Aktivitäten des Internationalen Roten Kreuzes gebessert haben sollen. Frage: Wer klagt hier an, wer stellt die Schuldigen vor ein Gericht, wer leistet Wiedergutmachung?

Russisches Monopol der Gaslieferung gebrochen. Die alte Regierung unter Jerzy Buzek hat kurz vor dem Wahltermin zum Sejm mit Norwegen einen Vertrag über Gaslieferungen abgeschlossen. Zuerst wird es allerdings notwendig sein, die Pipeline zwischen Nord- und Ostsee über Dänemark nach Polen einzurichten. Die Verbindung nach Dänemark soll bis 2004 fertig gestellt sein. Die Pipeline soll an der heutigen deutsch-polnischen Grenze bis Seebad Horst, früher Kreis Greifenberg (heute polnisch Niechorze) enden. Die Strecke wird mit 1100 Kilometern beziffert. Die Planungen beziehen sich auf einen Zeitraum bis 2010, denn dann wird es Polen möglich sein, ein Drittel sei nes Bedarfs durch norwegisches Erdgas, zwei Drittel durch russische Lieferungen zu decken, das sind fünf Milliarden Kubikmeter norwegische und 10 Milliarden Kubikmeter russische Lieferungen. Als ein Signal gegen eine zu starke Abhängigkeit von Russland wurde das polnisch-norwegische Abkommen über Erdgaslieferungen interpretiert.
SN

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