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POLITIK |
Schlesische
Nachrichten 03/2002
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„Schwamm drüber" und vergessen?
Oder:
Die Pfiffe von Nürnberg und die deutsche Politik gegenüber
den Vertriebenen
Christian K. Kuznik
Stellvertretender Bundesvorsitzender der Landsmannschaft Schlesien
Teil III (Fortsetzung zu dem Bericht in der letzten
Ausgabe der SN)
Teil I
Die deutsche Schuld
Schilys Festrede
Der herausgehörte Redeinhalt
Eine Zwischenwertung
Teil II
Der politische Hintergrund
Das Echo der Medien
Teil III
Die rot-grüne Koalitionsregierung
Was bleibt
Hier nun folgt Teil III:
Die rot-grüne Koalitionsregierung
trat als Koalition "linker" Parteien an. Allerdings bemühte sich Kanzler
Schröder schon immer, diese als "neue Mitte" darzustellen, und die veröffentlichte
Meinung folgte ihm dabei weitgehend und rasch. Damit wird "per Definition"
die bisherige politische Mitte nach rechts, und die bisherige politische
Rechte nach "rechts außen" gedrängt - man hat damit trickreich ein politisches
Feindbild aufgebaut! "
Auf der Grundlage von unverbrüchlichen Werten, die nicht in Frage gestellt
werden, von Gerechtigkeit und Solidarität (mit den Prinzipien der Nachhaltigkeit)
die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft zu sichern", so formuliert
Bundeskanzler Schröder in einem Vortrag vor der Katholischen Akademie
zum Thema "Politische Verantwortung gefragt", "Zwischen Wandel und Beharren
Widersprüchliche Leitmotive der Politik?" vom 05.04.2001 die ihm gestellte
Aufgabe.
Dabei wird in der Tagespolitik eifrig die Tatsache verwischt, dass die
ehemalige den Staat teilweise gewalttätig bekämpfende extreme, z.T. extremistische
Linke nach dem erfolgreichen "Marsch durch die Institutionen" und jetzt
im Besitz der Wählermehrheit nun von oben eine "Umwertung der Werte",
der historischen, der politischen, aber auch der moralischen vornimmt.
Wenn man beispielsweise den immer mehr gefährdeten Schutz menschlichen
Lebens von Anfang an konstatieren muss, kann man nur sagen, "der Teufel
spricht nicht nur englisch oder holländisch".
Mit Brandt's, Bahrs und Genschers "Wandel durch Annäherung" begann der
Verzicht auf die deutschen Ostgebiete. Dabei hat sich die Sozialdemokratie
den Kommunisten angenähert, z.T. schon angebiedert! Und auch die damals
begonnene selbstgerechte und skandalöse Einteilung der Meinungsträger
in "Friedensfreunde" und "kalte Krieger" besteht ja heut noch und dient
der Umdeutung der Geschichte, erst die Ostpolitik von Brandt und Scheel
hätte den friedlichen Wandel von 1989/90 ermöglicht! Und heute wird den
Kommunisten und Postkommunisten in der PDS hofiert, sie?selbsterklärte
Feinde auch und v.a. deutscher Vertriebener - werden in die Regierungen
hineingeholt!
Dabei hatte Kurt Schuhmacher, der erste Nachkriegsvorsitzende der SPD
zwischen Kommunisten und Nazis keinen prinzipiellen Unterschied gemacht
und die Kommunisten als "rotlackierte Nazis" bezeichnet. (nicht wie heute
oftmals falsch zitiert als "rotlackierte Faschisten"). Nach einem Urteil
des Berliner Kammergerichtes war es auch nach der "Wende" nicht verboten,
die PDS als eine "Mörder? und Verbrecherbande" zu bezeichnen!
In Richtung "rechts" werden politisch weder nachträgliche Erklärungen
noch Entschuldigungen angenommen, es gibt nicht die Spur einer Absolution.
"Links" dagegen ist korrekt, man darf damit sogar (und das gar auf höchster
politischer Ebene erfolgreich!) kokettieren, es ist nicht nur verzeihlich,
sondern wird auf neudeutsche Art geadelt!
Unerklärlicher Weise werden die Vertriebenen ? etwa deswegen, weil sie
stets gewaltlos auf (ganzer) Wahrheit und ihrem Recht bestehen? -immer
noch als "Feinde" "Linker" angesehen und von diesen bekämpft. Die Schlesier
wollten aber noch nie die eine (ihre) Vertreibung mit einer anderen Vertreibung
(der Polen) beantworten. Eine "Revanche" war nie ein Ziel, die "Charta
der Heimatvertriebenen" von 1950 sollte auch dem letzten "ewiggestrigen"
Linken bekannt sein! Aber es gibt auch politische, juristische und moralische
Rechte (z.B. das des Heimatrechts oder des Eigentums bzw. einer Entschädigung),
auf die wir Schlesier nicht einfach verzichten.
Es bleibt auch ein Rätsel, warum nach dem Zusammenbruch des Stalin-Imperiums
ausgerechnet und nur die gegen die Deutschen und hier besonders gegen
die Vertriebenen gerichteten Maßnahmen von Deutschen, entgegen jeder Solidarität
mit ihren Landsleuten, verteidigt werden. Eine Verletzung der gleichen
Menschenrechte in anderen Ländern wird von den Medien und der rot?grünen
Regierung berechtigter Weise stets angeprangert und z.T. sogar mit Waffengewalt
bekämpft!
Was bleibt
ist die Feststellung, dass die Schlesier mit ihrem Verhalten in Nürnberg
und ganz allgemein niemanden beleidigen wollten und schon gar nicht historische
deutsche Schuld des Hitler?Regimes leugnen oder verteidigen wollten oder
wollen. Sie haben erstaunlich wach die Inhalte der Ansprache Innenminister
Schilys aufgenommen und mit ihren eigenen Vorstellungen als oft unvereinbar
festgestellt. Dafür standen die Pfiffe.
Es bleibt ein großer Wunsch der Schlesier und aller Vertriebenen, dass
ihre Anliegen, Wünsche und Forderungen in einer intellektuellen Auseinandersetzung
offen diskutiert werden könnten, dass berechtigte Anliegen auf breite
Solidarität treffen, in die deutsche Politik mehr Eingang finden würden
und dass in einer friedlichen Auseinandersetzung mit unseren Nachbarn
auch ein noch besseres, friedliches, gutnachbarliches Zusammenleben erreicht
würde. Und es bleibt der Wunsch, nein, die Forderung an die Politik und
alle Medien, dass die Vertriebenen als Streiter für Recht und Gerechtigkeit
dargestellt und nicht unberechtigterweise als Extremisten oder Neonazis
verunglimpft werden. Es ist leider eine Tatsache, dass ein latenter Faschismus-
und Rechts-Radikalen-Vorwurf von Seiten der "Linken" gegen die Vertriebenen
stets "am Kochen gehalten" wird und dieser eine hochwirksame manipulatorische
Wirkung entwickelt.
Bekanntlich setzt sich nach Noelle-Neumanns Theorie der "Schweigespirale"
im Konkurrenzkampf zweier divergierender Meinungen die lautstark und selbstbewusst
verkündete Meinung gegenüber der zurückhaltend und immer zurückhaltender
formulierten letztlich selbst dann durch, wenn sie sachlich falsch gewesen
sein sollte. Auf diese Weise soll auch in Bezug auf die Fragen der Vertriebenenproblematik
der täuschende Eindruck entstehen, dass die objektiv falsche Meinung (z.B.
bei Rechtsfragen die Vertreibung betreffend) die Mehrheit hinter sich
hat.
Es sollte zu denken geben, dass für die Bewertung der Haltung der Vertriebenen
und besonders der Landsmannschaft Schlesien und ihren Einsatz in der Öffentlichkeit
oft immer noch gilt:
,...Die öffentliche, aber leider zum Teil auch die wissenschaftliche Diskussion
über Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus etc. krankt nicht
zuletzt daran, dass Begrifflichkeiten und Differenzierungen eher unscharf
ausfallen. So verschwimmt teilweise politisch motiviert
-in vielen Stellungnahmen und Studien die Grenze zwischen "konservativen",
"rechten", "rechtsextremistischen" und "rassistischen" Zuordnungen, werden
unzulässige Kausalitäten hergestellt, Meinungen und Auffassungen voreilig
verurteilt bzw. stigmatisiert und die Problematik insgesamt aus dem politischen
und gesellschaftlichen Kontext herausgelöst..." (S.10 BLZ?Report März
2001 / Beilage der Bayerischen Staatszeitung)
Es wäre Aufgabe der deutschen Außenpolitik, dem stellenweise nicht haltbaren
historischen Standpunkt beispielsweise der polnischen oder tschechischen
Nachbarn dort zu widersprechen, wo deutsche Interessen empfindlich berührt
sind, sie tut es aber nicht. Statt nüchterner Aufarbeitung herrscht in
offenen Fragen unnötiges, ja für beide Seiten schädliches Schweigen und
Verdrängen. Aber auch das Verschweigen darf in Deutschland nicht weiter
vorherrschen, denn, so sagt Bacque (James W. Bacque's Buch "Other Losses",
1990 unter dem deutschen Titel "Der geplante Tod. Deutsche Kriegsgefangene
in amerikanischen und französischen Lagern 1945-1946", UIIstein Berlin
u. Frankfurt a.M.) "Niemals ist irgendeine Nation so gewaltsam sich selbst
und ihrer Geschichte entfremdet worden" (S.152) (wie die deutsche).
Wir Schlesier aber lassen uns nicht mundtot machen und wollen nicht in
Schweigen verfallen, da dieses nur die "Gegenpartei" weiter ermutigen
würde, ihre Meinung noch offensiver als bisher zu verkünden und dadurch
Mitläufer auf ihre Seite zu ziehen. Wir wollen die ganze ge schichtliche
Wahrheit im Gedächtnis aller Bürger wach halten und uns weiter friedlich
und kooperationsbereit für mög lichst umfassende Gerechtigkeit für alle
Menschen einschließlich und besonders der Deutschen -einsetzen. SN
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