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Seite 11 LANDSLEUTE
Schlesische Nachrichten 04/2002

Zwischen den Jahren -
Breslaus Straßenbahnen

An den Tagen "zwischen den Jahren" wie man hier pflegt zu sagen, ging man spazieren und das eine oder andere entdecken. Die Weihnachtsbeleuchtung auf dem Ring und den Seitenstraßen war sehr ansprechend. Die Oder und ihre Seitenarme waren zugefroren, Eisschollen schauten aus dem schon wieder zugefrorenen Fluss, ein herrlicher, für mich noch nie gesehener Anblick. Die Dominikanerkirche spiegelte sich im Neuen MercureHotel Panorama. Man besuchte auch eine Sonderausstellung im Museum für Völkerkunde über Weihnachtskrippen, schlesischem Brauchtum und Volkstrachten. Leider waren die Beschriftungen nur in polnisch und man musste sich seinen Teil dazu denken.

An einem weiterem Tag fuhr man nach Oswitz zum Friedhof um den Toten zu gedenken. Die Straßenbahnen fuhren trotz Schnee und eisiger Kälte. Keine bequemen Niederflurbahnen wie wir sie nur noch hier im Westen kennen, sondern alte klapprige Gesellen, hohe Einstiege, wenig Komfort bei den Sitzplätzen, von wegen gepolstert. Interessant auch die Apparate zum Entwerten der Fahrkarte. Kein Stempel, sondern man stanzt durch Druck verschiedene Vertiefungen in das viel zu dünne Papier. Die Weichen werden noch von Hand gestellt und es kostete eine Kraftanstrengung eine vereiste Weiche umzustellen. Wo die Weiche durch Streusalz aufgetaut war, spritze es beim umstellen ergiebig. Man musste sich schon die Nummer der Linie merken, denn mit der polnischen Beschriftung kam man eh nicht zurecht. Leider hatte ich keine Schlittschuhe mit, denn die Wege auf dem Friedhof, selbst die Hauptwege, zu den Gräbern waren eine reine Eisbahn. Die war entstanden, weil es tags vorher vorrübergehend etwas milder war und es geregnet hatte.

Der EURO näherte sich

Der Jahreswechsel und der EURO näherte sich. Der Umtauschkurs war in den letzten Tagen vor dem Jahreswechsel mächtig gesunken und eine Reihe von Wechselstuben wollten die DM nicht mehr tauschen. Auf den neuen Kurs darf man gespannt sein. Woher sollte man denn den EURO haben, StarterKits nutzen einem nichts, man brauchte Scheine zum umtauschen. In der Silvesternacht knallte es wie hier im Westen. Weil es so kalt war trank man auch einen Glühwein, den ich, weil man ihn im Osten nicht kannte, aus Kröv von der Mosel mitgebracht hatte. Um Mitternacht gab es die beste Torte, bei uns im Westen gibt es allenfalls Krapfen, genannt "Kreppet" oder "Berliner".

Die Heimreise

Der Schneefall hatte zugenommen, besonders in Oberschlesien. Und die Rückreisewelle begann. Die Busreisenden mussten 3-4 Stunden in eisiger Kälte auf ihre "Linien"- Busse warten. Einige Busse waren im Straßengraben gelandet. Mein Zug wurde in Breslau eingesetzt und fuhr pünktlich Ios, allerdings in Königszelt stand man länger als erwartet und so waren in Dresden die Anschlusszüge weg. Beschweren war unmöglich. So ereichte man mit Stunden Verspätung, fast am frühen Morgen des nächsten Tages sein zu Hause, seine "Heimat".

Beim umsteigen traf man rein zufällig gleichgesinnte, die bereits aus Oberschlesien kamen und von dem Schneechaos und ihren Erlebnissen erzählten. Man tauschte aus. Eine aus Ostpreußen stammende Frau, die Weihnachten ebenso in Breslau verbracht hatte, schenkte mir nach einem Gespräch eine aktuelle in Deutsch geschriebene, polnische Buchveröffentlichung "Vertreibung aus dem Osten" nach der ich schon Monate vergeblich gesucht hatte. War die Vertreibung etwa auch ein Geschenk- Den Inhalt gilt es zu untersuchen. Weihnachten und Jahreswechsel einmal anders erlebt, unvergessliches Breslau, Winter in Schlesiens Hauptstadt, eben.

Michael Ferber (SN)


35 Jahre oberschlesische Trachtengruppe "Eichendorff


Oberschlesische Trachtengruppe "Eichendorff" Foto: Busch

Die oberschlesische Trachtengruppe "Eichendorff" Schweinfurt wurde 1966 als Deutsche Jugend des Ostens?Oberschlesische Jugend gegründet und in den Stadtjugendring aufgenommen.

Bald darauf wurden Trachten aus Rossberg/Beuthen-Oberschlesien nach altem Original nachgefertigt und 1974 eine Namenserweiterung in Trachtengruppe "Eichendorff", in Erinnerung an den oberschlesischen Dichter der Romantik, vorgenommen.

Vorrangige Zielsetzung war es, Geschichte, Kultur und Brauchtum der alten Heimat Oberschlesien zu pflegen und zu bewahren. Als Trachten- und Volkstanzgruppe hat die "Eichendorffgruppe" in der Bundesrepublik weite Beachtung gefunden und durch zahlreiche Auftritte bei verschiedenen Veranstaltungen, Trachtenfesten und Wallfahren Oberschlesien der Bevölkerung nahegebracht. Sie wurde damit zu einem wichtigen Kulturträger der Vertriebenen in Schweinfurt. Mitglieder der Trachtengruppe tragen im Landes- und Bundesvorstand der Oberschlesischen Jugend Verantwortung in der Jugendarbeit.
Seit der Gründung ist die Gruppe Mitglied in der DJO?Deutsche Jugend in Europa, seit 1990 im Trachtenverband der Bayerischen Trachtenvereinigung links der Donau, und seit 1992 als Fördermitglied im Eichendorff?Verein in Lubowitz/Oberschlesien. Mit der Jugend in der Heimat Oberschlesien will die Trachtengruppe weiterhin "gemeinsam die Zukunft gestalten". DOD


Schlesier in Kaiserslautern feiern Fasching

Die Landsmannschaft Schlesien veranstaltete für alle in Kaiserslautern vertretenen Landsmannschaften eine Prunksitzung im Kolpinghaus "Neue Eintracht". Unter der Regie der Vorsitzenden Lisbeth Warzecha führten Karl Schermer und Andrea Fodor von der Karnevalgesellschaft "Narrensänger", assistiert von Prinzessin Monika I., durch das Programm.

Wie ein buntes Feuerwerk liefen fast 3 Stunden lang Büttenreden, Tanz, Gesang und erlebnisreiche Vorträge vor dem begeisterten Publikum ab. Die Aktiven erhielten Küsschen und Blumen.

Der, an die Mitwirkenden verteilte Orden, bereitete besondere Freude, weil er das Breslauer Rathaus zeigte und damit an die schlesische Heimat erinnerte.

Alles in allem war die Prunksitzung eine gelungene Veranstaltung, die mit herzerfrischendem Humor und Fröhlichkeit gewürzt war. SN


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